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Hans Meyer rauft sich nach der Niederlage gegen Cottbus die Haare © getty

Nach der Niederlage gegen Cottbus wird Gladbachs Trainer deutlich. Er kritisiert die Abwehr und kündigt Konsequenzen an.

Von Julian Ignatowitsch

München/Mönchengladbach - Dass er nach 37 Jahren im Trainergeschäft noch so viel Neues erleben würde, hätte Gladbachs Trainer Hans Meyer nicht gedacht.

Doch bei der 1:3-Niederlage gegen Energie Cottbus belehrte ihn sein Team eines Besseren. Im negativen Sinn.

"Dass man einer Mannschaft auf Augenhöhe in einer so unglaublichen Art und Weise die Spielinitiative überlasst und Cottbus hier schalten und walten kann, wie sie wollen - das ist mir noch nicht untergekommen", empörte sich Meyer und rügte seine Mannen, ob des "desolaten Auftritts".

Große Defizite in der Verteidigung

Gegen gut organisierte, leidenschaftlich kämpfende Cottbusser wirkte die Borussia lange Zeit wie ein Statist, der den Ernst der Lage nicht erkannt hat.

Gerade in der ersten Halbzeit präsentierten sich die Gastgeber erschreckend harmlos und offenbarten große Defizite in der Verteidigung.

Schon die Tatsache, dass Energie erstmals in dieser Saison drei Tore erzielte - so viele wie in allen Auswärtsspielen zuvor zusammen - spricht Bände.

"Die individuelle Klasse fehlt"

Sowohl beim Eigentor von Michael Bradley (17.) als auch bei den Treffern von Dennis Sörensen (51.) und Emil Jula (85.) sah die Defensive alles andere als gut aus.

"Einige unserer Abwehrspieler sind derzeit nicht 100-prozentig fit, anderen fehlt anscheinend die individuelle Klasse, um bestimmte Situationen besser lösen zu können", konstatierte ein sichtlich angefressener Meyer.

Mit 30 Gegentoren stellen die "Fohlen" derzeit wohl nicht nur auf dem Papier die schlechteste Abwehr der Liga.

Torchancen fahrlässig vergeben

Nicht viel besser sah es im Spiel nach vorne aus. Bis auf den Treffer von Steve Gohouri (59.) gelang der Borussia in der Offensive wenig. Die Torchancen wurden fahrlässig vergeben.

Einzig Nationalspieler Marko Marin überraschte hin und wieder mit schnellen Dribblings und unerwarteten Pässen, doch das war an diesem frustrierenden Nachmittag viel zu wenig.

Dass die Borussia schon zu Beginn der zweiten Halbzeit auch noch alle taktischen Anweisungen über Bord warf und kopflos nach vorne stürmte, wurde prompt bitter bestraft.

Euphorie längst verflogen

"Die Lage ist alarmierend", so Meyer, der ankündigte, vor der Rückrunde zwei bis drei Spieler austauschen zu wollen.

Gegen Bayer Leverkusen und bei Borussia Dortmund will sich Meyer nur noch "in die Winterpause retten". Die euphorischen Erwartungen, die sich an den Trainerwechsel geknüpft hatten, sind spätesten jetzt wieder verflogen.

Gladbach verlor vier der sieben Spiele unter Meyer und ist in dieser Verfassung nicht erstligareif. Anspruch und Realität klaffen mal wieder weit auseinander.

Cottbus verlässt Abstiegsränge

Ganz anders diesmal die Cottbusser, die der Borussia aufzeigten, wie man im Abstiegskampf spielen muss.

"Diese sogenannten 'Endspiele' gegen die direkten Konkurrenten liegen uns einfach", erklärte Erwin Skela. Schon letzte Saison punkteten die Lausitzer, als es darauf ankam, und sicherten auf diese Weise den Klassenerhalt.

Dank des dritten Saisonsiegs, dem ersten in Mönchengladbach überhaupt, verlässt das Team von Trainer Bojan Prasnikar erstmals in dieser Spielzeit die Abstiegsränge und zieht an Gladbach vorbei.

"Kennen die Situation im Abstiegskampf"

Trotzdem blieben die Spieler auf dem Boden. "Das ist nur ein Sieg. Vor uns liegt ein langer Weg", mahnte Torschütze Sörensen.

Doch die Zuversicht ist zu den Lausitzern zurückgekehrt. "Wir kennen die Situation im Abstiegskampf und glauben an uns", betonte Prasnikar.

Anders als sein Gegenüber konnte er dabei sogar lächeln.

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