SPORT1-Experte Udo Lattek nennt die Gründe für Dortmunds Titelgewinn und geht auf die Führungsdebatte beim FC Bayern ein.

Hallo Fußball-Freunde,

Jürgen Klopp hat mit Dortmund seine erste Meisterschaft geholt. Dazu auch von mir herzliche Glückwünsche!

Klopp ist ein Trainer, der gut mit den Spielern umgeht. Aber in der Kabine, in Sitzungen und Gesprächen haut er richtig dazwischen.

Die Spieler haben Respekt vor ihm, aber der wird sich in der nächsten Saison reduzieren.

Denn die Spieler sind dann ein Jahr älter und ich kenne genügend Trainer, die zu ihrem alten Verein nach zwei, drei Jahren zurückgegangen sind und geglaubt haben, sie hätten noch die gleiche Mannschaft.

Die hat dann aber schon ganz andere Ansprüche.

Dortmund kann jetzt die letzten beiden Partien ganz unbeschwert angehen.

Ich habe das auch schon bei den Bayern erlebt: Wir sind vorzeitig Meister geworden - einmal waren es vier Spiele, einmal sogar fünf - und dann haben wir die restlichen auch noch gewonnen.

Wir sind da mit einer Leichtigkeit reingegangen und haben die Gegner vorgeführt, während die gekämpft haben wie verrückt. Wir haben es einfach spielerisch gelöst, uns hat es Spaß gemacht, sie vorzuführen.

Die Bayern bemühen sich derzeit um Manuel Neuer.

Der Schalker Keeper ist eine Persönlichkeit. Er weiß, was er zu sagen hat und wie er mit den Mitspielern umgehen muss.

Wenn er zu den Bayern kommt, wird er nicht den großen Affen spielen. Er wird sich schön hinten anstellen, sich hinten einreihen und schauen, wie die Situation dort ist.

Manuel Neuer wird nie nach vorne preschen - so bekloppt kann man nicht einmal als Torwart sein.

Bei Bayern wird ja aktuell auch über die Führungsspieler diskutiert.

Wenn Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger früher bei Klaus Augenthaler oder Sören Lerby in der Mannschaft gewesen wären, wären sie nie Führungsspieler geworden.

Im Abstiegskampf hat Frankfurt auf Christoph Daum gehofft. Doch es gibt keine Wundertrainer, auch Daum ist keiner.

Er ist ein Mann, der sich gut verkaufen kann, der im richtigen Moment das Richtige sagt.

Aber bei Frankfurt scheint er irgendwo hingefasst zu haben, wo es ein bisschen zu heiß für ihn ist. Er hat Dinge aufgegriffen, die man vielleicht nicht aufgreifen hätte sollen.

Ich habe das Gefühl, dass die Mannschaft im Moment nicht in der Lage ist, das aufzunehmen, was er versucht, aus ihr herauszuholen.

Wenn die Mannschaft den Glauben an den Trainer aufgegeben hat, dann bricht alles total auseinander. Dieses Gefühl habe ich.

Köln ist dagegen nach dem grandiosen 2:0 gegen Leverkusen alles zuzutrauen.

Doch beim FC weiß man ja nie, ob die Spieler gut aufgestanden sind oder gut gefrühstückt haben.

Wenn man da Trainer ist, muss man sie nur richtig aus dem Zimmer rausholen. Wenn sie dann richtig funktionieren, ist es wunderbar.

Wenn sie das nicht tun, gehen sie gegen jeden Gegner unter.

Bis nächste Woche!Euer Udo Lattek

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