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Christoph Daum konnte mit Eintracht Frankfurt keines seiner fünf Spiele gewinnen © getty

Noch zwei Spiele, dann wird abgerechnet - wer muss runter? SPORT1 analysiert Form und Restprogramm der Abstiegskandidaten.

Von Jakob Gajdzik

München - Das Duell hätte er sich wohl gerne erspart - beziehungsweise: dass dieses Duell so überlebenswichtig werden würde.

Im Heimspiel gegen den 1. FC Köln (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) steht Trainer Christoph Daum mit Eintracht Frankfurt unter akutem Siegzwang. Und das gegen den Verein, der dem 57-jährigem am meisten am Herzen liegt.

Die Eintracht muss unbedingt einen "Dreier" einfahren, um die Hoffnung auf den Klassenerhalt am Leben erhalten zu können (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Jedoch würde Daum seinen Ex-Klub damit wieder selbst nah an den Abgrund Richtung Zweite Liga bringen (SERVICE: Der Tabellenrechner).

Im Abstiegskampf sind die Hessen der große Verlierer des 32. Spieltags.

0:3 ging die Eintracht im Derby beim FSV Mainz unter (Bericht) und musste parallel mit ansehen, wie die direkte Konkurrenz aus Mönchengladbach, Wolfsburg, Köln, Stuttgart und Kaiserslautern allesamt Siege einfuhr.

Frankfurt belegt nun den Relegationsrang 16 und muss mit Blick auf den positiven Trend der Gladbacher nun sogar um diesen fürchten.

"Ganz unten angekommen"

"Wir sind ganz unten angekommen", kommentierte Verteidiger Marco Russ in der "Frankfurter Rundschau" ungeschminkt die Lage.

Frankfurt scheint nach bisher erschreckend schwachen acht Punkten und sieben Treffern in 15 Rückrunden-Spielen kaum in der Lage, den ungebremsten Absturz in die Zweitklassigkeit noch abwenden zu können.

Auch die Fans haben nach dem Offenbarungseid in Mainz der Mannschaft den Rücken zugedreht und kündigten Randale an. Die Eintracht versucht Stärke zu demonstrieren.

Es folgen nun weder eine überstürzte Flucht in die Abgeschiedenheit noch personelle Konsequenzen. Stattdessen wird Daum seine Spieler an diesem Dienstag wie gewohnt auf dem Gelände der Commerzbank-Arena versammeln.

"Es stehen zwei Einheiten an, danach werden wir überlegen, ob wir noch ein Kurz-Trainingslager beziehen", sagte Frankfurts Vorstandboss Heribert Bruchhagen.

[kaltura id="0_s6azx7d8" class="full_size" title="Warnschuss in Frankfurt"]

Bruchhagen: "Habe die sportliche Verantwortung"

Frankfurts Vorstandschef nahm sich bei der Schuldanalyse ebenfalls selbst mit ins Boot.

"Ich habe die sportliche Verantwortung, ich habe die Trainer ausgewählt, ich habe gemeinsam mit den Trainern die Spieler verpflichtet, wir haben diese Mannschaft zusammengestellt. Da wäre es ja ein Witz, wenn ich nicht auch im Mittelpunkt der Kritik stehen würde", sagte der 62-Jährige bei SPORT1.

Für die letzten beiden Spiele fordert Bruchhagen, die Kräfte zu mobilisieren:

"Wir dürfen uns nicht beeindrucken lassen von den Problematiken, die uns von enttäuschten Fans nach dem letzten Spiel aufbereitet wurde. Wir müssen konzentriert unsere Arbeit leisten und den Trainingsbetrieb so gestalten, dass die wenigen Spieler, die uns noch geblieben sind, zu ihrem Leistungsvermögen geführt werden."

SPORT1 zeigt das Restprogramm der Abstiegskandidaten und analysiert die aktuelle Form der Kellerkinder (SERVICE: Der Tabellenrechner).

VfB Stuttgart (12. Platz, 39 Punkte, Tordifferenz: +1)

Form: Der VfB hat nach dem Sieg in Hoffenheim (Bericht) alle Trümpfe in der Hand, braucht jedoch noch zwei Punkte, um ganz sicher drin zu bleiben. Die Labbadia-Elf hat den Kampf im Keller jedoch angenommen, verlor nur eines der letzten neun Spiele und steht in der Rückrundentabelle auf Rang vier.

Restprogramm: Hannover (H), Bayern (A)

Werder Bremen (13. Platz, 38. Punkte, Tordifferenz: -15)

Form: Die Heimpleite gegen Wolfsburg (Bericht) war ein Rückschlag für die Elf von der Weser, plötzlich muss bei nur vier Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz wieder etwas gezittert werden.

Dennoch, mit einem wiedergenesen Claudio Pizarro im Sturm sollte den Hanseaten der nötige Sieg gelingen. Abzuwarten, wie sich der frischgebackene Meister aus Dortmund (391776Bilder) in Bremen präsentiert.

Restprogramm: Dortmund (H), Kaiserslautern (A)

1. FC Köln (14. Platz, 38 Punkte, Tordifferenz: -18)

Form: Gegen Leverkusen (Bericht) gelang der Mannschaft nach drei Niederlagen in Folge und der Posse inklusive Rücktritt um Trainer Frank Schaefer unerwartet der Befreiungsschlag.

Der ganz große Druck vor der Partie in Frankfurt ist weg, zudem sollte der erste Sieg gegen den rheinischen Rivalen nach 14 Jahren das Selbstbewusstsein steigen lassen.

Dennoch: Bei einer Pleite in Hessen steht den "Geißböcken" das Wasser wieder bis zum Hals. Verliert die Mannschaft nicht, ist sie gerettet.

Restprogramm: Frankfurt (A), Schalke (H)

VfL Wolfsburg (15. Platz, 35 Punkte, Tordifferenz: -6)

Form: Die "Wölfe" scheinen den Umschwung rechtzeitig geschafft zu haben. In Bremen gelang der zweite Sieg in Folge, die Elf von Trainer Felix Magath hat nach Wochen der Depression den Glauben an sich zurückgefunden. Zudem ist das Restprogramm absolut machbar.

Restprogramm: Kaiserslautern (H), Hoffenheim (A)

Eintracht Frankfurt (16. Platz, 34 Punkte, Tordifferenz: -14)

Form: Nach der erschreckenden Leistung in Mainz spricht im Abstiegskampf am Wenigsten für die Eintracht. Während die Konkurrenz punktet, zeigt der Trend bei den Hessen in die andere Richtung - was in dieser Phase der Saison fast immer fatal ist. Sogar der direkte Abstieg scheint möglich.

Selbst der große Motivator Daum scheint die gehemmte Mannschaft nicht zu erreichen, ist nach fünf Spielen immer noch sieglos. Nun wenden sich auch die Fans ab. Gegen Köln greift die Mannschaft nach dem letzten Strohhalm.

Restprogramm: Köln (H), Dortmund (A)

Borussia Mönchengladbach (17. Platz, 32 Punkte, Tordifferenz: -19)

Form: Vor Wochen galt die Borussia bereits als sicherer Absteiger, nach den Siegen gegen die Spitzenteams aus Dortmund und Hannover (Bericht) keimt wieder Hoffnung im Borussia-Park auf, zumindest den Relegationsplatz zu erreichen.

Trainer Favre hat der Mannschaft neues Leben eingehaucht, das Gefüge durch mutige Entscheidungen (ter Stegen) gestärkt. Zudem treffen die "Fohlen" noch auf zwei Mannschaften, für die es um nichts mehr geht.

Restprogramm: Freiburg (H), HSV (A)

FC St. Pauli (18. Platz, 29 Punkte, Tordifferenz: -25)

Form: Alles deutet darauf hin, dass für die "Kiezkicker" nach nur einer Saison das Abenteuer Bundesliga wieder vorbei ist. Nach der Niederlage in Kaiserslautern (Bericht) machen fünf Punkte Rückstand auf Rang 16 und der FC Bayern München im nächsten Heimspiel wenig Mut.

Die Mannschaft zeigte sich in den letzten Partien resignierend, die Planungen sind bereits auf die Zweite Liga ausgerichtet.

Restprogramm: Bayern (H), Mainz (A)

SPORT1-Prognose:

Nach den Siegen der direkten Konkurrenz ist Eintracht Frankfurt der große Verlierer des Abstiegskampfes und muss in der aktuellen Form selbst stark um den Relegationsrang bangen. Gegen Köln geht es für die Daum-Elf um alles oder nichts.

Gladbach darf sich dagegen wieder berechtigte Hoffnungen auf Platz 16 machen. Die Mannschaften über dem Strich scheinen gerade rechtzeitig die Kurve bekommen zu haben, St. Pauli kann dagegen nur noch ein Wunder helfen.

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