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Martin Kind ist seit 2006 wieder Präsident von Hannover 96 © getty

Im DSF-Doppelpass spricht 96-Boss Martin Kind über die sportliche Situation und die Bundesliga im internationalen Vergleich.

München - Auch wenn das 3:2 über den Karlsruher SC kurz die Stimmung aufhellte: Für Hannover 96 läuft es in dieser Saison alles andere als rund.

Tabellenplatz 13 nach 15 Spielen steht zu Buche.

Dabei wollten die Niedersachsen gerne weiter nach vorne und sich an den UEFA-Cup-Plätzen orientieren.

Der Vorstandvorsitzende Martin Kind weiß um die Schwierigkeiten und fürchtet, dass sie noch anhalten werden.

Sorgen macht sich der 64-Jährige auch um die Bundesliga allgemein.

Martin Kind im DSF-Doppelpass über...

die sportliche Situation von Hannover 96:

"Wir verlieren Spiele, die wir von der Papierform her eigentlich gewinnen sollten. Die Mannschaft hat sich noch nicht stabilisiert, noch nicht gefunden.

Die Integration der neuen Spieler ist nur begrenzt erfolgt und wir haben einfach sowohl in der Besetzung, als auch in der spielerischen Entwicklung keine Konstanz.

So kommt es immer wieder zu Leistungsschwankungen wie gestern gegen Karlsruhe. Deswegen wird es nach meiner Einschätzung auch eine schwierige Saison. Wir haben etwas anderes erwartet, aber wichtig ist jetzt, dass wir die realistische Situation akzeptieren. Das setzt die Kräfte frei, um unsere Ziele, und das ist nicht der UEFA-Cup, zu erreichen."

das entworfene Konsensmodell zur Aufhebung der 50+1-Regel:

"Wir haben ein Konsensmodell entwickelt, welches zum Beispiel besagt, dass die Marken erhalten bleiben müssen und keine Umfirmierung kommt. Es geht auch um Haltefristen: Das heißt, dass ein Investor nach diesem Modell mindestens zehn Jahre seinen Anteil halten muss und ihn nicht vorher verkaufen kann.

Spekulation ist damit ausgeschlossen. Man kann all diese Fragen in diese Regelung aufnehmen und ich kämpfe jetzt für ein Konsensmodell, das die Tradition, die Solidarität und auch die Vergangenheit des Deutschen Fußballs erhält, aber die Optionen der Zukunft eröffnet."

die "Mehr-Klassen-Gesellschaft" in der Bundesliga:

"Die Bundesliga ist international nur noch bedingt wettbewerbsfähig. Wir haben in Deutschland positive Beispiele mit Wolfsburg und Leverkusen. Das sind Vereine, hinter denen hundertprozentige Eigentümer stehen und die unter diesen Voraussetzungen erfolgreich arbeiten.

Wir haben dann natürlich auch sechs, sieben Vereine, die aufgrund ihrer langjährigen erfolgreichen Arbeit eine erfolgreiche Entwicklung genommen haben. Bayern München ist so ein Beispiel. Die machen 280 Millionen Umsatz in der letzten Saison, was für ein Fußball-Unternehmen eine unglaubliche Größe ist.

Das sind die Vereine, die in der Regel Gewinne machen, eine hohe Eigenkapitalausstattung haben und damit wirtschaftlich und sportlich eine gute Entwicklung nehmen können. Das sind auch die Vereine, die über Jahre hinweg immer um die ersten sechs, sieben Plätze in der Bundesliga spielen. Dann gibt es die da unten, zu denen auch wir mit Hannover 96 gehören, die immer irgendwo im Mittelfeld 'herumkrebsen'."

die Selbstverantwortung der Vereine:

"Wir haben in Deutschland genug Kapital. Jeder Verein oder jedes Wirtschaftsunternehmen entscheidet, an wen sie Kapital abgeben, in welcher Höhe und unter welchen Regularien. Es ist ja nicht so, dass irgendwer vom Himmel fällt und Bayern München übernehmen will.

Nein, Bayern München müsste natürlich bereit sein, dann auch zu verkaufen. Jeder Verein entscheidet, ob er in eine Kapitalgesellschaft ausgliedert und ob er Anteile abgibt oder nicht. Mir geht es darum, dass ich die Option habe, die Zukunft zu gestalten. Natürlich wollen Investoren wissen, was mit ihrem Geld passiert.

Da geht es um drei entscheidende Fragen: Die Besetzung des Vorstandes einer Kapitalgesellschaft, die Genehmigung des Haushaltes und die Genehmigung der Investitionen, wie zum Beispiel Spieler oder auch Nachwuchs-Leistungszentren.

Wir brauchen ein Nachwuchs-Leistungszentrum und das würde 20 Millionen kosten. Woher dieses Geld nehmen? Aus dem operativen Geschäft haben wir keine Chance, diese Gelder zu erzielen."

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