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Von den Ergebnisse habe seine Arbeit nichts gebracht gibt Eintracht-Coach Daum (M.) zu © getty

Nach Fan-Ausschreitungen ordnet Christoph Daum ein Trainingslager an. Mit dem 24-Stunden-Tag soll die "letzte Chance" genutzt werden.

Frankfurt/Main - Die Angst vor den Fans im Hinterkopf, das "Endspiel" gegen den 1. FC Köln vor Augen:

Die akut abstiegsbedrohte Frankfurt Eintracht flüchtete am Mittwoch vor der laut Trainer Christoph Daum "letzten Chance" gegen die Rheinländer in ein dreitägiges Trainingslager. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"In Frankfurt haben die Spieler nicht die Möglichkeit, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren", sagte Daum vor dem Spiel gegen seinen "Herzensklub":

"Wir werden im Trainingslager einen 24-Stunden-Tag haben und den Fokus auf das Spiel gegen Köln richten. Im Prinzip ist das unsere letzte Chance."

Die Durchhalteparolen des 57-Jährigen klingen derzeit wie das Pfeifen im Frankfurter Stadtwald.

Ruhige Zaungäste beim Training

Zumindest konnte Daum froh darüber sein, dass die erste Trainingseinheit der Hessen nach der 0:3-Pleite in Mainz (Spielbericht) am Dienstag vor der WM-Arena störungsfrei verlief.

Nach den Ausschreitungen im Anschluss an das Rhein-Main-Derby und dem viel diskutierten Warnschuss eines Polizisten (Bericht) auf dem Frankfurter Stadiongelände hatte die Eintracht die Einheiten am Sonntag und Montag aus Sicherheitsgründen abgesagt.

Das Training am Dienstag verfolgten die rund 100 Zaungäste relativ ruhig, die drei anwesenden Polizisten mussten nicht einschreiten. 391037(DIASHOW: Der 32. Spieltag)

"Es ist generell wichtig für den Fußball, dass wir trotz der Enttäuschung, die ich jedem zugestehe, für einen Rahmen sorgen, wo die ganze Familie hingehen kann", erklärte Daum anschließend.

"Frankfurt hat gezeigt, das eine Atmosphäre herrscht, in der alle zusammenhalten. Das war die richtige Antwort."

[kaltura id="0_e9abkbz4" class="full_size" title="Bruchhagen Solche Auftritte gehen nicht "]

Trainingslager durchgesetzt

Dennoch ist die Lage bei den Frankfurtern weiter so brisant, dass Daum auch gegen den Willen von Vorstandsboss Heribert Bruchhagen ein Trainingslager von Mittwoch bis Freitag in der Eifel durchsetzte.

Vermutlich wird der Zampano in Bitburg seine Profis dann auch den Wellnessbereich aufsuchen lassen, um die von Kapitän Patrick Ochs nach der peinlichen Pleite in Mainz beschriebene "Schockstarre" zu lösen.

"Lösen kann man die Schockstarre wahrscheinlich in der Sauna", sagte Daum und löste damit einmal mehr Gelächter aus.

Zum Lachen ist aber insbesondere Frankfurts Vorstandsboss Bruchhagen derzeit nicht zumute.

Dass der Trainerwechsel von Michael Skibbe zum vermeintlichen Heilsbringer Daum vor fünf Wochen derart verpuffen würde, hätte Bruchhagen nicht für möglich gehalten.

"Die Kritik ist vollständig berechtigt"

"Die Kritik ist, da ich der sportlich Verantwortliche bin, vollständig berechtigt", gestand er im Interview mit SPORT1 ein.

"Ich habe die sportliche Verantwortung, ich habe die Trainer ausgewählt, ich habe gemeinsam mit den Trainern die Spieler verpflichtet, wir haben diese Mannschaft zusammengestellt. Da wäre es ja ein Witz, wenn ich nicht auch im Mittelpunkt der Kritik stehen würde."

Der 62-Jährige ergänzte: "Ich frage mich auch, was ich hätte anders machen können. Aber es darf jetzt in dieser Phase nicht geweint werden. Man muss ganz klar vorangehen und zeigen, dass man die Situation zwar als äußerst prekär ansieht, aber dass wir es aus eigener Kraft schaffen können."

Bruchhagen schließt Rücktritt aus

Die personelle Lage habe er bereits im Winter deutlich "unterschätzt", einen Rücktritt schloss Bruchhagen allerdings einmal mehr aus.

Zwar hat der Vorstandschef nur Vertrag für die Bundesliga, doch Bruchhagen will den Aufsichtsrat auch im Falle eines Abstiegs bitten, mindestens bis 2012 weitermachen zu dürfen.

"Sollte dieser Fall eintreten, ist es doch wohl selbstverständlich, dass ich der Erste bin, der, wenn der Aufsichtsrat dem zustimmt, auch wieder dabei sein wird, um den alten Zustand wieder herzustellen", sagte Bruchhagen im "hr"-Fernsehen.

"Das wäre ja geradezu naiv zu glauben, dass die Tatsache, dass ich keinen Vertrag für die Zweite Liga habe, dazu führen würde, dass ich die Eintracht verlassen sollte."

Daum: Meine Arbeit hat nichts gebracht

Daum räumte derweil ein, dass seine Verpflichtung als Nachfolger von Skibbe die Lage des Drittletzten nicht verbessert hat.

"Rein von den Ergebnissen und vom Auftritt her, hat das nichts gebracht", sagte Daum, dessen Team in den fünf Spielen unter seiner Regie lediglich drei Punkte geholt hat.

"Aber jeder sollte sich die personelle Situation anschauen, wie die sich immer prekärer darstellt, welche Schlüsselspieler ausfallen. Was meine Arbeit und mein Einsatz für die Eintracht anbelangt, das wird natürlich in erster Linie nach den Ergebnissen beurteilt."

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