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Carl Jarchow wurde am 16. März Nachfolger von Bernd Hoffmann © getty

Beim HSV soll sich etwas ändern - am besten alles. Laut Klubboss Jarchow ist "niemand unverzichtbar". Oenning gibt er Sicherheit.

Von Björn Seitner

München/Hamburg - Der HSV befindet sich vor einem gewaltigen Umbruch.

Sechs Spieler werden die Hansestadt im Sommer sicher verlassen, mehr werden wohl folgen und mit Frank Arnesen als Sportchef und Michael Oenning als Trainer soll endlich Kontinuität einkehren.

Nachdem Hamburg zum zweiten Mal in Folge das internationale Geschäft verpasst hat, steht der Klub vor einem tiefen Einschnitt - vielleicht dem bedeutendsten seit vielen Jahren.

"Es ist das Ziel, die komplette Struktur der Mannschaft zu verändern", erklärte Interims-Boss Carl Jarchow der "Hamburger Morgenpost". (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Alles neu mit Oenning

Auch Oenning foerderte in der "Bild": "Wir sind gefordert, relativ schnell Klarheit in unsere Kader-Planung für nächste Saison zu bekommen. Wir brauchen neue Spieler, neue Ziele, neues Selbstbewusstsein."

Mit Ruud van Nistelrooy, Piotr Trochowski, Frank Rost, Tunay Torun, Collin Benjamin und Maxim Choupo-Moting stehen jedenfall schon sechs Akteure fest, die in der kommenden Saison definitiv nicht mehr für den HSV auflaufen werden.

Auch Guy Demels Zeit ist offenbar vorbei. Unter Oenning wird er jedenfalls kein Spiel mehr machen: "Ich glaube, er hat keine Lust mehr und ich denke, er weiß, dass die Reise hier für ihn zu Ende ist."

Demels Berater bestätigte bereits den Abgang im Sommer.

"Niemand ist mehr unverzichtbar"

Doch das soll noch lange nicht alles sein. "Niemand ist mehr unverzichtbar", sagte Jarchow dem "Hamburger Abendblatt", der "im Sommer eine ganz neue Mannschaft präsentieren" will.

Geht es nach dem Nachfolger des langjährigen Klubchefs Bernd Hoffmann, ist das Ziel der Aufbau einer jungen Mannschaft nach dem Vorbild des Deutschen Meisters Borussia Dortmund.

"Mit großen Namen sind wir ja in den letzten Jahren nicht richtig weit gekommen", meint Jarchow. Hoffmann hatte für den Kader der vergangenen Saison 47 Millionen Euro ausgegeben.

Sogar Leistungsträger wie Eljero Elia, Joris Mathijsen und Paolo Guerrero könnten bei passenden Angeboten den Verein verlassen, der dringend Geld benötigt.

Deutscher Markt im Blick

Der HSV will seine Mannschaft verjüngen: Die ausgeliehenen Tolgay Arslan (aus Aachen) und Stürmer Marcus Berg (aus Eindhoven) kehren zurück.

Auch Keeper Wolfgang Hesl kommt aus Ried, wird aber nur die Nummer zwei sein.

"Drobny ist unsere Nummer eins. Er ist ein toller Sportsmann, hat sich immer top verhalten", bestätigte Oenning.

Aber vor allem im "defensiven Mittelfeld und der Innenverteidigung" soll sich laut Jarchow noch etwas tun.

Auch wenn er Arnesen einen "guten Überblick über Talente in der Premier League, Skandinavien und Südeuropa" einräumt, soll das Augenmerk vornehmlich auf dem jungen deutschen Markt liegen. Sein Scout Steve Houston werde ein hochmodernes Scouting-System beim HSV installieren.

Was machen Petric und Ze Roberto?

Eine Zukunft haben offenbar nur wenige aktuelle Stammkräfte der "Rothosen". Dazu gehören Mladen Petric (Vertrag bis 2012) und Ze Roberto.

Der Brasilianer möchte allerdings bis 2013 bleiben, der Klub habe aber "immer nur über ein Jahr nachgedacht".

Beim Kroaten liegen die Gehaltsforderungen mit den Vorstellungen der Vereinsführung ebenfalls noch weit auseinander.

"Sichere Arbeitsgrundlage" für Oenning

Immerhin bei der Trainerfrage, die dem HSV seit Jahren Kopfzerbrechen bereitet, steht die Richtung erstmal fest.

Oenning habe eine "sichere Arbeitsgrundlage, wir werden uns nicht beirren lassen", erklärte Jarchow in Richtung des 45-Jährigen, der erst am vergangenen Donnerstag einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat.

Doch auch hier ließ sich der Klub ein Hintertürchen offen wie die "Sport Bild" berichtet.

Scheitert Oenning früher, kann sich der HSV mit der Zahlung einer geringen sechsstelligen Summe von ihm trennen.

Minimalziel in der kommenden Spielzeit ist Platz sechs, der 2012 für die Europa League berechtigt.

Rost erwartet schwierige Saison

Jarchow ist trotz vieler Fragezeichen optimistisch: "Ich bin davon überzeugt, dass das möglich ist, weil unser Kader diese Klasse haben wird."

Ganz im Gegensatz zu Frank Rost, der nach der 0:2-Niederlage gegen Freiburg (Bericht) bereits seine Abschiedsrunde in der Hamburger Arena gedreht hat.

"Ich bin gespannt, wie man die Probleme lösen will. Man sieht jetzt, wie schwierig die kommende Saison für den HSV wird", so Rost.

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