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Schalkes Kevin Kuranyi (r., mit Mario Gomez) erzielte in dieser Saison bisher sechs Treffer © getty

Schalke-Trainer Fred Rutten wirkt nach der Niederlage in Stuttgart ratlos, Millionen-Einkauf Farfan wird zum Symbol des Versagens.

Von Christian Stüwe und Thorsten Mesch

Stuttgart/München - Jefferson Farfan schien der einsamste Mensch der Welt zu sein.

Kopfschüttelnd saß er ganz alleine in den Katakomben des Stuttgarter Stadions, wohl wissend, dass die 0:2 (0:0)-Niederlage der Schalker gegen den VfB Stuttgart zu großen Teilen auf seine Kappe ging.

In der 12. Minute war Farfan zunächst völlig freistehend bei dem Versuch gescheitert, den Ball ins leere Stuttgarter Tor zu schießen. Er scheiterte an Artur Boka, der auf der Linie klärte. Nur vier Minuten später vergab er einen Foulelfmeter gegen Jens Lehmann.

Stuttgart abgebrühter als Schalke

Und wie so oft im Fußball rächten sich die vergebenen Chancen für die Schalker bitter. Jan Simak (79.) und Mario Gomez (83) nutzten die Chancen für den VfB in der zweiten Halbzeit eiskalt.

Trotz überlegener erster Hälfte mussten die Schalker die nächste Niederlage einstecken, die Krise in Gelsenkirchen dürfte sich noch einmal deutlich verschärfen. "Die Zeiten auf Schalke sind schon schwer, so wird es noch schwerer", kommentierte Trainer Fred Rutten ratlos.

Farfan wird zum Symbol des Versagens

Die Fans auf Schalke rebellierten schon bei der 0:2-Niederlage im UEFA-Cup gegen Manchester City am Donnerstag und forderten den Rauswurf von Manager Andreas Müller.

Nach nur einem Sieg aus den vergangenen sechs Spielen sind die Knappen auch in der Liga nur Mittelmaß (Ergebnisse und Tabelle). Schon beim Aufwärmen in Stuttgart skandierten die mitgereisten Fans: "Wir wollen euch kämpfen sehen!"

Das taten die "Knappen" auch durchaus, allerdings war der Auftritt einmal mehr unglücklich. Dass mit Farfan (Spielerporträt) ausgerechnet der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte zum Symbol des Versagens wurde, passt ins aktuelle Bild. Stehen doch in erster Linie die Einkaufspolitik und damit Manager Müller am Pranger.

"Solche Probleme gehören nicht auf Schalke"

"Das tut ganz schön weh, dass man ein Spiel wie heute verliert", sagte Rutten im Hinblick auf die vergebenen Chancen: "Das war nicht nötig. Wir haben mehr verdient."

Der Niederländer erklärte, dass "solche Probleme nicht auf Schalke" gehörten. Wie er sie aber zu lösen gedenkt, erklärte Rutten nicht. Müller wollte am Sonntag kein Statement abgeben.

Mittelfeld ist nicht der Anspruch

"Wir kriegen es von Spiel zu Spiel nicht gebacken, da hinzukommen, wo wir hinwollen. Mein Anspruch ist es nicht, irgendwo im Mittelfeld herumzuturnen", schimpfte Jermaine Jones: "Morgen können wir uns wieder was über uns in den Zeitungen durchlesen. Und das zu Recht."

Wie ernst die Situation in Gelsenkirchen ist, belegte auch eine Aussage von Torwart Manuel Neuer, seit eh und je Schalke-Fan. Er könne sich an keine vergleichbare Situation erinnern, aber "vielleicht war ich da auch noch zu klein, um das zu kapieren."

Mehr als Besserung zu geloben, konnte auch Neuer nicht: "Gerade als Schalker ist das schlimm. Und wir tun unsere Bestes, um da wieder rauszukommen."

Mitleid von Lehmann

Da dürfte es die Schalker kaum trösten, das Mitleid von einem früheren Spieler kam. "Das ist ein bisschen Ironie. In einer schweren Situation für Schalke halte ich einen Elfmeter gegen meinen Ex-Klub", erklärte Jens Lehmann, der mit seiner Parade maßgeblichen Anteil am gelungenen Bundesliga-Debüt von Trainer Markus Babbel hatte.

"Jens hat uns mit seiner ganzen Erfahrung am Leben erhalten", wusste auch Babbel, bei wem er sich zu bedanken hatte.

VfB und Schalke brauchen Selbstbewusstsein

Die Schwaben, selbst in der Krise, konnten in der ersten Hälfte nicht überzeugen. "Das hat viele Nerven gekostet", erklärte Babbel: "Wir waren verunsichert. In der zweiten Halbzeit ist es dann besser geworden und wir haben unsere Chancen genutzt."

Dass gerade auch noch Sorgenkind Simak den Führungstreffer erzielte, dürfte Babbel zusätzlich positiv stimmen. Der erste Schritt aus der Krise nach sechs sieglosen Partien ist gemacht.

"Es geht jetzt erstmal darum, dass die Spieler ihr Selbstvertrauen zurück bekommen", brachte Babbel das Ziel für die nächsten Wochen auf den Punkt.

Diese Aussage dürfte auch voll und ganz auf die Schalker Mannschaft zutreffen.

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