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Jörg Butt (r.) spielte vor seiner Zeit in München bei Benfica Lissabon © getty

Thomas Kraft geht, Jörg Butt verschiebt sein Karriere-Ende: Bayerns Plan B für die Verhandlungen um Schalke-Keeper Neuer.

Von Martin Hoffmann

München - Thomas Kraft geht, Jörg Butt bleibt: Beim Torwart-Domino des FC Bayern sind am Dienstag einige Spielsteine gefallen.

Steine, die ihren Einfluss haben werden auf die Hauptfigur der ganzen Partie: Manuel Neuer.

Zeitgleich hat der Rekordmeister den Abgang von Kraft und den Verbleib Butts bis zum 30. Juni 2012 verkündet - sicher nicht zufällig.

Gerade Butts Verlängerung ist für sich genommen eine Überraschung.

Widerspruch zu früheren Aussagen

Bis vor kurzem hatte der 36-Jährige seine Zukunft von der Personalie Neuer abhängig gemacht.

"Sollte Manuel kommen, wird er spielen. Dann höre ich auf einem Top-Niveau auf und freue mich auf neue interessante Aufgaben", sagte er Ende vergangenen Jahres noch der "Bild".

Nun ist Neuers Kommen zwar immer noch nicht sicher, Butts Schwenk aber wohl auch nicht ohne die N-Frage zu verstehen - ebenso wenig wie Krafts Gehen. (Neuer: Schalke und Bayern spielen auf Zeit)

Kraft nicht mehr zu halten

Der 22-Jährige, von Louis van Gaal im Winter zur Nummer eins befördert und nach dessen Entlassung wieder degradiert, war für Bayern nicht mehr zu halten.

"Thomas Krafts verständliches Ziel ist es, die Nummer 1 zu sein. Dies können wir ihm nicht garantieren", erklärte Sportdirektor Christian Nerlinger: "Wir wünschen Thomas für seine sportliche und private Zukunft alles Gute und viel Erfolg."

An Kraft ist Hertha BSC heiß interessiert, angeblich aber auch der HSV und Schalke 04. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Geschwächte Position

Dass er geht, bevor Neuers Verpflichtung gesichert ist, kam für die Bayern ungelegen.

Schwächt es doch ihre Position in den Verhandlungen um Neuer: Ohne einen Nummer-eins-reifen Keeper in der Hinterhand wäre der Bedarf, den Schalker sofort zu holen, größer.

[kaltura id="0_qx63t08y" class="full_size" title="Beckenbauer Bayern wird nicht kleinlich sein "]

Und dementsprechend höher hätte Königsblau die Ablöse treiben können, bis in die von den Münchenern so ungern gesehenen Mondregionen.

Butts Verlängerung ist im Neuer-Poker offensichtlich der rechtzeitig in die Wege geleitete Plan B - Bayerns Versicherung, dass der Mond tiefer hängt.

Rummenigge "sehr glücklich"

Offiziell nennen Verein wie Spieler andere Gründe für Butts Verlängerung.

"Jörg Butt ist ein erstklassiger Torhüter", so die offizielle Begründung von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: "Ich bin sehr glücklich, dass er noch ein weiteres Jahr beim FC Bayern bleibt."

Der neue Deal sei "im übrigen auch auf Wunsch unseres neuen Trainers Jupp Heynckes erfolgt".

Butt "von einer anderen Situation ausgegangen"

Butt selbst erklärte, er sei bei seinen früheren Aussagen "von einer anderen Situation ausgegangen".

Er hätte gedacht, "dass ich durchspiele und wir den ein oder anderen Titel holen. Aber es lief nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben."

Nach "guten Gespräche mit dem Vorstand und auch mit dem neuen Trainer Jupp Heynckes" habe er sich zur Verlängerung entschlossen:

"Ich bin nun überzeugt, dass wir mit ihm eine erfolgreiche Saison spielen werden. Ich möchte nun meine Karriere nach Möglichkeit mit einem Titel beenden."

Der neue Job muss warten

Dessen neuer Klub ist nun auch ohne Kraft in der Lage, Neuers Eintreffen notfalls noch bis 2012 hinauszuzögern, wenn dessen Vertrag in Gelsenkirchen abgelaufen ist.

Um den Preis, dass Butt seine neue Karriere als Jugendkoordinator beim FCB um ein Jahr aufschieben muss.

Kommt Neuer nicht, muss sich Bayern nur noch um eine leichter zu beschaffende Nummer zwei kümmern.

Notfallplan mit Tremmel, Müller, Schober?

Im Gespräch: Der Ex-Cottbuser Gerhard Tremmel, aktuell noch bei Red Bull Salzburg, der Mainzer Heinz Müller und Neuers Ersatzmann Mathias Schober.

Der Mann, der 2001 als HSV-Keeper mit einem regelwidrig gefangenen Rückpass Schalke die Meisterschaft kostete und Bayern einbrachte, könnte nun also zehn Jahre später von Schalke zu Bayern kommen.

Es wäre eine schräge Pointe des großen Torwart-Dominospiels.

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