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Stanislav Sestak (l.) ließ die große Chance zum Bochumer Siegtreffer aus © getty

Ein Sieg hätte Bochum und den HSV in der Tabelle nach oben gebracht. Die Trainer sind dennoch zufrieden, die Spieler nicht.

Von Michael Schulz

München - Nach dem Schlusspfiff lag Stanislav Sestak langgestreckt auf dem Bochumer Rasen und hielt sich die Arme vors Gesicht.

Der Slowake wurde beim 1:1 gegen den Hamburger SV zum tragischen Helden. Dabei stand er zum ersten Mal seit seinem Zehenbruch Ende Oktober wieder in der Anfangsformation.

In der 39. Minute hatte Sestak mit einem Scherenschlag das 1:0 erzielt. Fünf Minuten vor dem Abpfiff hatte der 25-Jährige das 2:1 auf dem Fuß, doch nachdem er HSV-Keeper Frank Rost ausgespielt hatte, hämmerte er das Leder an das Kreuzeck.

"Eigentlich habe ich alles richtig gemacht, nur im letzten Moment treffe ich den Ball nicht richtig", sagte Sestak (Spielerporträt) : "Es ist vollkommen klar, dass ich traurig bin, aber ich kann auch nichts mehr an der vergebenen Chance ändern."

Chancen für zwei Siege

Sein Coach machte dem Unglücksraben Mut, und das nicht nur, weil Sestak die 50. Niederlage von Marcel Koller als Bundesliga-Trainer verhindert hatte. "Wir haben über die ganzen 90 Minuten die besseren Möglichkeiten", sagte der Schweizer: "Es gibt Mannschaften, denen reichen solche Chancen für zwei Siege. Das ist der einzige Vorwurf, den ich meiner Elf machen kann."

Koller ist sogar "überzeugt, dass irgendwann die Siege wieder kommen werden. Wir müssen dranbleiben".

Den letzten und einzigen Saisonsieg feierte Bochum am 14. September gegen Arminia Bielefeld. Derzeit ist der VfL auf dem Relegationsplatz und durch das insgesamt achte Unentschieden der Remiskönig der Liga. Mit einem Dreier wäre die Koller-Elf schon 14. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Scharfe Kritik von Zdebel

Tacheles redet hingegen Thomas Zdebel. "Wir dürfen uns nicht selber immer wieder auf die Schulter klopfen, denn selbst mit einer intakten Mannschaft und so einer couragierten Leistung wie heute kann man absteigen", sagte der VfL-Kapitän: "Das wollen wir verhindern. Aber momentan ist es zu wenig."

Ob Koller noch der richtige Trainer für die Mission Klassenerhalt ist, wollte Zdebel nicht beantworten. "Wir haben im Verein wichtige Leute, die diese Entscheidung treffen. Aber dazu gehöre ich nicht", sagte der Mittelfeldspieler.

Koller macht sich aktuell keine Sorge: "Ich fühle mich beim VfL sehr sicher."

Nur bei einem Abstieg schlechter

Fünfmal sind die Bochumer bereits in die zweite Liga abgestiegen. Bei den letzten drei Malen (2005, 2001 und 1999) hatte der Klub nach 15 Spieltagen 14, 15 bzw. 17 Punkte auf der Habenseite. Nur 1994/95 waren es wie aktuell 11 Zähler.

Beim ersten Gang ins Unterhaus 1992/93 verbuchte Bochum mit einem Sieg und fünf Unentschieden weniger Punkte als in dieser Saison.

Zu wenig für HSV-Ansprüche

Unterschiedlich waren auch beim HSV die Meinungen darüber, wie das 1:1 zu bewerten ist. Es war der erste Auswärtspunkt nach drei Niederlagen in der Fremde in Folge.

"Bei unseren Ansprüchen müssen wir so eine Partie gewinnen", erklärte Mladen Petric. Der Kroate hatte das zwischenzeitliche 1:1 durch den eingewechselten Stürmer Ivica Olic (70.) vorbereitet.

"Das Unentschieden hilft beiden Teams nicht weiter", haderte Petric, denn mit einem Sieg wären die Hanseaten mit Vierter gewesen und an Bayer Leverkusen vorbeigezogen.

"Konstanter werden"

Einig waren sich die Spieler, dass es im eigenen Kader etliche Probleme gibt. Bastian Reinhardt beklagte sich, "dass wir unser taktisches System zu häufig aufgegeben haben". Der eingewechselte Piotr Trochwoski kritisierte: "Wir müssen einfach konstanter werden und sind noch nicht am Limit. Vor allem dürfen wir aber nicht so viele Chancen zulassen."

Die Vielzahl der Bochumer Möglichkeiten beklagte auch Keeper Rost, doch "es ist erst einmal ein Erfolg, dass wir nicht verloren haben".

Jol schimpft über Schiedsrichter

Daher kann sein Trainer Martin Jol "auch mit dem einem Punkt leben". Die von Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer festgestellten "Unachtsamkeiten im Spiel", begründete der Niederländer auf seine Weise: "Wir haben nicht konkret genug verteidigt, weil wir viele junge Leute in unseren Reihen haben."(Hamburgs Kader)

Weniger einsichtig reagierte Jol auf die Entscheidungen von Schiedsrichter Dr. Felix Brych.

"Wir fingen uns ein Tor nach einem Foul ein, das keines war", schimpfte der HSV-Trainer.

Guerrero macht Mut

Und Paolo Guerrero beklagte sich über seinen zu Unrecht nicht gegebenen Treffer (23.).

"Das war eine Fehlentscheidung. Wir hätten sonst das Spiel gewonnen", sagte der Peruaner, blickte aber nach vorne: "Wir müssen weiterkämpfen, um wieder nach vorne zu kommen."

Das gilt auch für Bochum.

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