In seiner Kolumne für Sport1.de kommentiert Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher das aktuelle Geschehen in der Bundesliga.

Deutschland ist das Fußball-Land der "schlafenden Riesen". Das Land der großen Klubs mit unendlich viel Potenzial: viele Fans, große Geschichte und tolle Stadien.

Echte Riesen eben.

Riesen wie der HSV. Wie Schalke. Wie Stuttgart, Gladbach, Frankfurt oder Hannover. Dort muss man nur das Flutlicht anmachen - und schon ist die Arena voll.

Dann gibt es die NEUEN Riesen, die vermeintlichen Geld-Riesen wie Leverkusen und Wolfsburg.

Sogar in der Zweiten und Dritten Liga gibt es Riesen mit klingendem Namen und fanatischer Kundschaft: 1860 München, Nürnberg, Fortuna Düsseldorf und Dynamo Dresden.

Was fehlt, ist nur der Erfolg - dann würde es überall in der Liga, in Deutschland mal so richtig krachen! Positiv natürlich.

Deshalb "schlafen" diese Riesen. Kein Erfolg bedeutet Tiefschlaf, Koma oder maximal Wach-Koma.

Am Spieltag 15 war wieder mal Riesen-Tag.

Schalke stürzt riesig ab, Gladbach rutsch riesig schnell Liga 2 entgegen. Leverkusen wird riesig von den Bayern verhauen. Frankfurt kassiert eine riesige Klatsche in Bremen. Und, und, und.

Die Wahrheit ist: Es gibt nur einen Riesen - die Bayern. Und einen Zwerg: TSG Hoffenheim.

Der Zwerg ist HELL-wach , die Bayern haben sich mal wieder selbst geweckt. Das direkte Duell am Freitag in der riesigen Allianz-Arena ist der echte Zweikampf der Liga. Etablierter, erarbeiteter Langzeit-Erfolg gegen den Aufsteiger mit qualitativer Fußball-Planwirtschaft ohne Historie.

Darauf freue ich mich. Das wird das Spiel mit Final-Charakter, mit Vorbild-Funktion.

Warum?

Weil nur Hoffenheim die anderen, übrigen schlafenden Riesen endgültig wecken kann. Nicht weil dort das Geld des Dietmar Hopp fließt, sondern eine funktionierende Struktur herrscht.

Es gibt einen wirtschaftlichen Macher, einen sportlichen Chef und eine klare Ansage: Erfolg erarbeiten. Mit Hirn, Geduld und täglicher Akribie.

Das fehlt den "schlafenden Riesen". In Gladbach hat man diese Bundesliga-Saison schon bei den Aufstiegsfeiern verschenkt, einen Zweiliga-Kader zur Erstliga-Tauglichkeit getauft ohne im Management die letzten fünf Jahre Fahrstuhlfußball konsequent und kompetent zu analysieren. Und eine Grundlage zu schaffen.

An der Spitze des Traditionsklubs - ein echter Wirtschaftsboss, der seine Unternehmen nach Zahlen, Erfolg und Ergebnissen führt.

Nur die Borussia nicht. Seltsam.

In Schalke liegt das Problem anders. Dort ist in den letzten Jahren wirklich viel entstanden, malocht worden: mit Erfolg. Der Anspruch ist täglich gewachsen und die Arbeit auf viele Schultern verteilt worden.

Manager-"Dino" Rudi Assauer wurde entsorgt und von einer vielköpfigen Management-Crew ersetzt. Zunächst mit positiver Tiefen-Wirkung, jetzt mit dem Makel des fehlenden Schalke-Gesichts.

Der Fan spürt das und sucht - bei Misserfolg - den Schuldigen. Hilflos. Mal den Trainer, mal einen Spieler wie Kevin Kuranyi, jetzt den Manager Andreas Müller.

Der wechselnde Zorn der Enttäuschten erklärt das Schalke-Dilemma! Keiner weiß, wer der "starke Mann" Auf Schalke ist. Wer ist der Boss bei S04? Wer sagt, was Sache ist? In der Kabine, in der Geschäftsstelle. Wer rüttelt jetzt den "einschlafenden Riesen" mal so richtig wach?

Gladbach und Schalke sind nur die Analyse-Beispiele, fast überall läuft es ähnlich. Und geht irgendwann daneben.

Die Schwächeperiode der Bayern hat niemand bis heute daher ausgenutzt. Nur Hoffenheim - aber aufgrund eigener Stärke. Bedeutet: Als die Bayern einzuschlafen drohten, hat keiner "Hallo wach" genommen und durchgezogen. Jetzt ist es zu spät!

Bayern rollt, der Meister glaubt wieder an die zerstörerische Kraft der Selbstheilung.

Ich bin sehr auf Hoffenheim gespannt, aber nur weil es für mich NICHT der Vergleich der Systeme ist - denn 1899 ist aufgestellt wie Bayern: Klar strukturiert, erfolgsorientiert.

Sondern ob Hoffenheim für die anderen Riesen ENDLICH und für den Rest der Saison (oder am besten länger) der WECKER sein kann. .

Herzlichst

Euer Toni Schumacher

Mitdiskutieren in der Community!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel