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Nachfolge-Kandidat für den in der Schusslinie stehenden Fred Rutten? Huub Stevens © getty

Coach Rutten und Manager Müller geraten auf Schalke immer mehr unter Druck - womöglich übernimmt auf der Bank ein alter Bekannter.

Von Christian Paschwitz und Thorsten Mesch

München/Stuttgart - Natürlich hüten sie sich auf Schalke offiziell, die ohnehin schon explosive Stimmung zu verschärfen.

Und so sagte 04-Aufsichtsrat-Chef Clemens Tönnies eilfertig nach dem 0:2 (0:0) beim VfB Stuttgart:

"Wir bewahren die Ruhe und setzen Mannschaft, Trainer und Manager nicht weiter unter Druck."

Eine Reaktion auf die Wut der Fans, die nach nur einem Sieg aus den vergangenen sechs Spielen und dem Absturz ins Liga-Mittelmaß (Ergebnisse und Tabelle) erneut den Rauswurf von Manager Andreas Müller forderten.

Wie schon nach dem 0:2 gegen Manchester City im UEFA-Cup, wo in der jetzigen Form das Vorrunden-Aus nicht ausgeschlossen ist.

Rang neun, bloß 23 Punkte: Königsblau gerät zu königsgrau, die Luft wird spürbar dünner - auch für Trainer Fred Rutten, den Müller erst im Sommer verpflichtet hatte.

Und der bisher vieles schuldig geblieben ist. Personelle Konsequenzen sind deshalb nicht auszuschließen; das zumindest dokumentiert der Schlingerkurs der Klub-Granden.

Schnusenberg weicht aus

Allen voran Josef Schnusenberg, der die Trainerfrage unterm Strich offenlässt: "Ich kann mir weder das eine, noch das andere vorstellen."

Und statt eines klaren Bekenntnisses zu den verantwortlichen Angestellten Rutten und Müller verweist Schalkes Präsident ausgerechnet auf Tönnies: "Ich bin der falsche Ansprechpartner - das ist Sache des Aufsichtsrats."

Tönnies wiederum, der vor der Stuttgart-Pleite noch zehn (nun nicht mehr realisierbare) Punkte aus den letzten vier Hinrunden-Partien gefordert hatte, lässt ebenso viel Interpretationsspielraum, indem er der "NRZ" sagte: "In der Winterpause werden wir uns zusammensetzen und dann weitersehen."

Die Unruhe im Aufsichtsrat scheint groß. Laut "kicker" soll es bereits Gedankenspiele geben, die Schalker Ikone Huub Stevens zurückzuholen, der bei den Fans noch immer derart beliebt ist und von ihnen einst als Trainer in Schalkes Jahrhundert-Elf gewählt wurde.

Der Ex-Coach steht momentan zwar beim PSV Eindhoven unter Vertrag, ist dort als Tabellensechster aber ebenso wachsender Kritik ausgesetzt wie Landsmann Rutten (Trainerporträt) auf Schalke. Und: Aus seiner Liebe zu Schalke hatte Stevens nie einen Hehl gemacht.

Einem Wechsel zurück stünde inzwischen auch der Gesundheitszustand seiner Frau Toos (Darm-Erkrankung) nicht mehr im Wege, weshalb Stevens Ende vergangener Saison die Bundesliga und den HSV verlassen hatte.

Rutten wirkt ratlos

Rutten dagegen gibt sich ironisch ("Wenn man einmal auf Schalke verliert, ist das schon eine Krise") - vielleicht aus Selbstschutz. Denn der 45-Jährige mag ahnen, dass die entscheidende UEFA-Cup-Partie am Mittwoch, ausgerechnet bei Ex-Klub Twente Enschede, zum persönlichen Endspiel werden könnte.

Dass er zudem eine gewisse Ratlosigkeit verströmt ("Die Zeiten auf Schalke sind schon schwer, so wird es noch schwerer"), dürfte die Klub-Oberen eher bestärken denn davor zurückschrecken zu lassen, womöglich schon bald die Notbremse zu ziehen.

Noch offenkundiger erscheint das bei der Position von Müller, der wegen seiner Einkaufspolitik am Pranger steht. "Vielleicht hätte Müller sich in dem ein oder anderen Fall genauer erkundigen sollen", übte Schusenberg ganz unverhohlen Kritik.

Farfan als Sündenbock

Zum personifizierten Versagen gerät dabei vor allem der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte: Ohnehin seit Wochen schwach, verschoss Jefferson Farfan (Spielerporträt) nun einen Foulelfmeter (16.), so dass die Stuttgarter dank Jan Simak (79.) und Mario Gomez (83.) Schalke umso empfindlicher ins Mark trafen.

Echte Rückendeckung erhält Rutten allein von Joop Munsterman. Enschedes Präsident verwies im "kicker" darauf, mit ihrem früheren Übungsleiter ebenfalls eine schlechte Anfangszeit hingelegt zu haben - mit dem Aus bereits in der UEFA-Cup-Vorrunde:

"Da hätte der Vorstand schon unruhig werden können, hätten wir nur auf die Ergebnisse geschaut."

Auf Schalke waren sie in der Vergangenheit bekannt für Konsequenzen mit Blick auf Punkte-Zahlen und Resultate.

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