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Andre Schubert einigte sich bereits Mitte April mit Paderborn auf eine Vertragsauflösung © getty

Der FC St. Pauli verpflichtet einen No-Name. Eine Überraschung? Nein! Bei genauerer Betrachtung wird klar, dass es logisch ist.

Von Daniel Rathjen

München - Wer?!

Die Reaktionen auf Andre Schubert dürften am Mittwoch vielerorts gleich gewesen sein.

Bislang war die Bekanntheit des Trainers gleichzusetzen mit dem Gewinner der dritten Big-Brother-Staffel.

Nun tritt der 39-Jährige auf die große Bühne, ins grelle Schweinwerferlicht - weg vom SC Paderborn, hin zum FC St. Pauli.

Schubert wird Hamburgs next "Stani", sein Vertrag wird zunächst bis 2013 laufen (zum Bericht).

Kiezkultur statt mittelalterlichem Charme - überraschend ist der Wechsel nur auf den ersten Blick, denn bei genauerem Hinsehen erscheint er nur logisch (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Es ist verwunderlich, warum Schubert nicht schon zuvor auf den Zetteln anderer Vereine stand, steht er doch für Erfolg.

Der Coach gilt als detailversessen, trägt gerne Jeans und Kapuzenpulli. Viel wichtiger: Er hat eine hohe Affinität in der Nachwuchsförderung oder einfacher: ein Konzept.

Beachtliche Leistung

Ebenso wie Holger Stanislawski, der nach 18 Jahren am Millerntor bei 1899 Hoffenheim im Sommer eine neue Herausforderung beginnen wird, soll Schubert eine Ära prägen.

In Paderborn formte er mit Beharrlichkeit und Fleiß einen überlebensfähigen Zweitliga-Klub - trotz geringer finanzieller Mittel. Aktuell ist sein Kader mit "nur" 11,4 Millionen Euro Kosten der günstigste der Liga.

Schubert legte schon zuvor eine Bilderbuchkarriere hin:

Beim KSV Baunatal übernahm der Glatzkopf, der in Kassel Sport und Germanistik studiert hat, mit 28 Jahren die Koordination des Nachwuchsbereichs, danach die der DFB-Stützpunkte in Nordhessen.

[kaltura id="0_81tc0guy" class="full_size" title="Stanislawski verlässt St. Pauli"]

Unter Bernd Stöber sammelte er als Co-Trainer der U-15-, U-16- und U-17-Nationalmannschaft weitere Erfahrungen, hospitierte zeitgleich bei Profiklubs im Nachwuchssektor.

Bei der Ausbildung zum Fußballlehrer an der Deutschen Sporthochschule in Köln war er 2004 Lehrgangsbester.

Angebot zur rechten Zeit

In Paderborn stieg er als Nachwuchsleiter ein, war Trainer der Reserve, im Anschluss sportlicher Leiter und wurde im Mai 2009 als Nachfolger von Pavel Dotchev Cheftrainer.

Mit dem SC schaffte er sogleich den Aufstieg in die Zweite Liga, wurde 2010 beinahe sensationell Fünfter und sicherte sich auch in dieser Saison vorzeitig den Klassenerhalt.

Doch ihm war klar, dass seine Zukunft nicht mehr bei den mit 6,2 Millionen Euro verschuldeten Paderbornern liegen wird.

Schmidt als Nachfolger?

Diese Erkenntnis kam ihm, den es in höhere Sphären zieht, spätestens, als Präsident Wilfried Finke ihm mitgeteilt hatte, erneut den Gürtel enger schnallen zu müssen und den Sparkurs weiter zu forcieren.

Nun gilt Roger Schmidt (Preußen Münster) als heißer Kandidat auf den Trainerstuhl in Paderborn.

Für Schubert ging alles recht schnell. Am vergangenen Sonntag hatte sich das St.-Pauli-Präsidium mit Sportchef Helmut Schulte endgültig auf ihn festgelegt und mit Schubert Einigkeit erzielt.

Marcel Koller war zu teuer und damit aus dem Rennen.

Einen Tag darauf gab der Aufsichtsrat grünes Licht.

"Ich bin davon überzeugt, dass die Entscheidung, mit Andre Schubert in die nächsten Jahre zu gehen, absolut richtig ist", betonte Schulte danach.

"Ich kenne ihn schon seit über zehn Jahren und habe seinen Weg verfolgt. Er hat in den letzten Jahren eine sehr positive Entwicklung genommen und ist für die Situation, in der wir nächstes Jahr sind, genau der richtige Mann."

"Ideale Bedingungen"

Auch am Millerntor sind die finanziellen Voraussetzungen nicht die besten, aber dennoch ist die Rückkehr in die Bundesliga im Falle des vermutlichen Abstiegs das erklärte Ziel der Norddeutschen.

Schubert selbst, der am Mittwoch Geschäftsstelle und Stadion besuchte, weiß, dass er in Stanislawskis große Fußstapfen tritt.

Doch er ist selbstbewusst und wird seinen eigenen Weg gehen

"Hier finde ich ideale Bedingungen, um meine Vorstellungen vom Fußball umsetzen zu können", sagte er.

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