vergrößernverkleinern
Claudio Pizarro traf schon gegen Dortmund und Berlin doppelt © getty

Claudio Pizarro sollte Werder ins Champions-League-Achtelfinale schießen. Das tat er nicht. Dennoch will Bremen den Peruaner halten.

Von Martin van de Flierdt

München - Claudio Pizarro hat ein offenbar unerschütterlich sonniges Gemüt.

Prinzipiell ein sehr angenehmer Charakterzug. Doch so manchem Anhänger von Werder Bremen (DATENCENTER: Die Teamseite) ist dies schon sauer aufgestoßen.

So sah man den Peruaner unmittelbar nach den Champions-League-Spielen gegen Famagusta (0:0 und 2:2) sowie bei Inter Mailand (1:1) lachend und flachsend beim Auslaufen. Was für sich genommen wiederum gar nichts Schlechtes ist.

Nur hatte der Angreifer im Hinspiel gegen Famagusta drei hochkarätige Torchancen vergeben, war im wichtigen Rückspiel nicht zu sehen gewesen und hatte im Giuseppe-Meazza-Stadion in der Nachspielzeit nur das Außennetz des leeren Inter-Tores getroffen.

Lachen statt treffen

Anderen, darunter viele Werder-Fans, würden sich angesichts dieser Szenen noch tagelang grämen. Denn Bremen läge heute, hätte der Stürmer seine Möglichkeiten ausgeschöpft, noch bestens im Rennen um einen Achtelfinalplatz. Doch Pizarro lachte, gleich nach Abpfiff.

Gerade mit Blick auf die Champions League war der 30-Jährige zu Saisonbeginn vom FC Chelsea nach Bremen zurückgelotst worden. Die 1,5 Millionen Euro Leihgebühr sah Klaus Allofs bestens angelegt.

"Claudio gehört zu den Topstürmern in Europa", meinte Werders Sportdirektor bei der Vorstellung des Angreifers.

Dieser werde den Bremern mit seiner internationalen Erfahrung und Kaltschnäuzigkeit vor allem in der Champions League deutlich weiterhelfen. Nach fünf Spielen steht für den Hochgelobten dort gerade ein Tor zu Buche.

Ein Mann mit Torriecher

Der Ausgleichstreffer in Mailand, kurz vor der bereits erwähnten ausgelassenen Großchance, belegte allerdings, dass Allofs mit seiner Einschätzung der Vorzüge Pizarros nicht ganz falsch lag. "Claudio hat ein Näschen", sagt auch Werder-Trainer Thomas Schaaf (Trainerporträt) .

Auf europäischer Ebene genügte der Torriecher höchsten Ansprüchen in diesem Herbst aber nicht. Erstaunlich, wenn man Pizarros Trefferquote in der Bundesliga betrachtet: Zehn Tore in zwölf Begegnungen, eines spektakulärer als das andere.

Nach fünf Pflichtspielen ohne Treffer meldete sich der Angreifer beim 5:0 gegen Frankfurt mit seinem ersten Dreierpack seit dem 3. März 2001 - damals beim 3:1 gegen Freiburg - eindrucksvoll zurück.

"Großartiger Fußballer"

"Wenn man Claudios Leistungen in dieser Saison anschaut und nicht nur auf die letzten Spiele blickt, dann kann man sehr zufrieden sein", meint Schaaf. "Wir wissen, was für einen großartigen Fußballer wir in unseren Reihen haben."

Warum das Toreschießen bei ihm oft nach dem Ketchupflaschenprinzip funktioniert - erst kommt wenig bis nichts und dann jede Menge auf einmal - kann Pizarro (Spielerporträt) selbst kaum erklären: "Es ist komisch. Man weiß nicht, woran es liegt. Aber wenn man das erste Tor macht, ist plötzlich alles wieder da."

Innerhalb der Mannschaft genießt der Rückkehrer, der zwischen 1999 und 2001 in 56 Spielen bereits 29 Tore für die Grün-Weißen erzielte, jedenfalls höchste Wertschätzung. "Ich weiß gar nicht, ob wir Claudio ersetzen könnten", orakelt Per Mertesacker (Spielerporträt) .

Allofs offenbart seine Denkrichtung

Nur bis zum kommenden Sommer ist Pizarro an der Weser gebunden, sein Vertrag bei Chelsea läuft noch bis 2011.

"Claudios Tor-Quote ist stark, so einen Spieler sollte man versuchen zu halten", hat Allofs bereits die Richtung seiner Gedankenspiele offenbart. "Läuft es so weiter, werden wir in der zweiten Saisonhälfte auf Chelsea zugehen."

Ohne Einnahmen aus dem internationalen Geschäft dürfte es für Werder allerdings schwer werden, Pizarro über den Sommer hinaus zu finanzieren. "Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Im Moment habe ich keinen Kontakt zu Chelsea", ist der Angreifer für alle Seiten offen.

Trifft er weiter konstant, könnte Werder in wirtschaftlich interessante Tabellenregionen zurückkehren.

Und wenn Pizarro in der kommenden Saison nach einem Champions-League-Remis bei Inter Mailand im grün-weißen Trikot lachend beim Auslaufen angetroffen wird, wird ihm - Stand heute - in Bremen kaum jemand böse sein.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel