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Jörg Butt (r.) spielte vor seiner Zeit in München bei Benfica Lissabon © imago

Die Nummer 1 bleibt dem Verein treu und gibt sich bei SPORT1 kämpferisch - auch für die neue Saison. Indes tobt der Neuer-Poker.

Von Daniel Rathjen und Claus Müller

München - Sein Platz im Team von Andries Jonker war reserviert - ab Sommer.

Der Niederländer übernimmt in der kommenden Saison die Reserve des FC Bayern.

In Kooperation mit ihm und Michael Tarnat sollte sich Jörg Butt um die Nachwuchskoordination kümmern (241095Diashow: Bayerns Planspiele).

Doch die Münchner müssen nun zunächst umplanen, denn der Routinier ist wider Erwarten doch noch heiß aufs Profigeschäft. Seinen Vertrag verlängerte der 36-Jährige um ein Jahr (Bericht).

Auch das Werben um Schalkes Manuel Neuer schreckt ihn nicht ab. Eher das Gegenteil ist der Fall, wie Butt im SPORT1-Interview verdeutlicht.

"Im Fußball, das habe ich den letzten drei Jahren wieder erlebt, kann so viel passieren, dass man gar nicht planen kann", sagt er beim Termin an der Säbener Straße und schmunzelt.

Warum sollte der Routinier auch zittern?

Als Reservist wurde er in seiner Karriere, die in der Bundesliga im Jahr 1997 zwischen den Pfosten des Hamburger SV begann, schließlich schon oft verfrüht abgestempelt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Verblüfft" nach Degradierung

Zuletzt im Winter, als Louis van Gaal ihm Youngster Thomas Kraft vor die Nase setzte, worüber Butt "verblüfft" war.

Jetzt ist der "General" Vergangenheit in München, Butt ist wieder Nummer eins.

Letztlich hat er sich immer durchgesetzt. Diese Tatsache macht den Torhüter, in Kombination mit einer gesunden Brise norddeutscher Coolness, gelassen und stark.

Ob er sich als Druckmittel im Poker um den Schalker Wunschkeeper Manuel Neuer fühle?

[kaltura id="0_qx63t08y" class="full_size" title="Beckenbauer Bayern wird nicht kleinlich sein "]

Falscher Abschiedszeitpunkt

"Nein", antwortet er klar und deutlich, "Fakt ist, dass der FC Bayern einen neuen Torhüter verpflichten wird, da Thomas Kraft den Verein verlassen will."

Sein Ziel formuliert er klar: "Ich will meine Karriere nach einer erfolgreichen Saison beenden und diese Saison ist nicht so gelaufen, wie wir uns das alle vorgestellt haben."

Butt ist sich seiner Sache sicher und seiner komfortablen Situation bewusst. Dass er zum Dauer-Bankdrücker verkommt, fürchtet er nicht.

"Wir haben beim FC Bayern einen sehr starken Kader und werden eine sehr lange Saison spielen. Jeder wird seine Einsätze bekommen", meint er.

"Im Moment ist er aber noch nicht da und ich sehe durchaus die Perspektive, unabhängig davon wie nächstes Jahr der Kader aussieht, einige Spiele zu machen.

Dass sich sein Klub überhaupt um einen neuen Torwart bemüht, kann er indes nachvollziehen.

Wilder Neuer-Poker

"Manuel Neuer ist derzeit sicherlich der beste deutsche Torhüter. Als Verein würde ich auch versuchen, ihn zu holen", sagt er ehrlich.

Im Gegensatz zu Butts angenehm ruhiger Art ist der parallel tobende Poker um Neuer mittlerweile komplett wild.

Sportdirektor Christian Nerlinger wies am Donnerstag alle um sich greifenden Spekulationen erstmal als unrealistisch zurück.

Auch bisher kolportierte Ablösesummen - 25 Millionen Euro werden immer wieder als Schalker Minimalforderung genannt - seien "teilweise sehr realitätsfremd".

Nerlinger beruhigt

Sicher habe jeder Spieler seinen Preis. Und der FC Bayern werde "viele Dinge in Bewegung setzen", um Neuer schon im Sommer zu verpflichten, sagte Nerlinger der "tz":

"Aber der FC Bayern war immer bekannt dafür, dass er sich nicht unter Druck setzen lässt und ein gesundes wirtschaftliches Verhalten Teil des Konzeptes ist."

Gerade auch den Bossen gibt die Verlängerung mit Butt wieder mehr Sicherheit.

"Wir haben eine stabile Lösung - mit oder ohne Manuel Neuer. Wir hätten überhaupt keine Bedenken, mit Jörg Butt als Nummer eins in die neue Saison zu gehen", stellte der Sportdirektor klar.

Heynckes schaltete sich ein

Dass es überhaupt zur Unterschrift kam, lag überraschenderweise vor allem auch an Jupp Heynckes.

Der Noch-Leverkusener schaltete sich bei den Verhandlungen ein und führte ein laut Butt "sehr gutes Gespräch" mit dem Schlussmann.

"Er hat einen sehr großen Anteil an meiner Entscheidung. Ich habe Jupp Heynckes in den fünf Wochen, als er vor zwei Jahren in München gearbeitet hat, als hervorragenden Fußballfachmann und Menschen kennengelernt", weiß Butt.

Unter seiner Regie, möchte er sich mit einem Titel verabschieden:

"Im Fußball muss man sich immer auf neue Situationen einstellen und die ist jetzt so, dass ich gesagt habe, ich greife nochmal an."

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