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Andries Jonker arbeitet seit 2009 für den FC Bayern © getty

Der FCB-Coach betont seinen Stil vor der Partie bei St. Pauli. Das Team nimmt er in die Pflicht und benennt auch einen Mangel.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Er trinkt keinen Cappuccino und auch keinen Espresso zum Gespräch mit den Reportern.

Schon deshalb sollte man Bayerns-Interimscoach Andries Jonker glauben, wenn er sagt: "Ich bin nicht der Sohn und auch nicht der Klon von Louis".

Gemeint ist natürlich Jonkers Vorgänger van Gaal, unter dem der aktuelle Chef als Co-Trainer arbeitete.

Jetzt bestimmt Jonker selbst über die Aufstellung und muss vor dem Spiel auf St. Pauli (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) die richtige Ansprache für die Münchner Profis finden.

Denn Platz drei soll mit Zähnen und Klauen verteidigt werden.

Team in "sehr guter Verfassung"

"Ich denke, die Mannschaft ist in einer sehr guten Verfassung nach einem guten Spiel gegen Schalke", erklärte Jonker am Freitagmorgen auf Nachfrage von SPORT1.

"Die Laune ist gut und auch das Selbstvertrauen ist groß."

Natürlich ist er sich aber auch bewusst, dass dies nicht reichen wird, um in Hamburg zu bestehen.

Bayern hat auswärts erst fünf Spiele gewonnen, verschenkte nach Glanzpartien zu Hause in fremden Stadien oft Punkte wie ein nettes Mitbringsel.

Jonker warnt vor St. Pauli

"Wir kennen die Qualitäten von St. Pauli, die Situation von St. Pauli und die Atmosphäre dort", warnte Jonker daher vor der Aufgabe beim stark abstiegsgefährdeten Schlusslicht.

Auf keinen Fall will Jonker die zwei Punkte Vorsprung auf Verfolger Hannover verspielen, das zeitgleich in Stuttgart antreten muss (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Bei einer Niederlage der 96er könnte Bayern sogar schon mit einem Punkt Platz drei endgültig fix machen - dank des deutlich besseren Torverhältnisses (SERVICE: Tabellenrechner Bundesliga).

"Müssen diese Aufgabe bestehen"

Allerdings hat Jonker keine Lust auf Rechenspiele und kalkuliert auch nicht "mit der Hilfe von anderen".

Stattdessen nimmt er seine Mannschaft in die Pflicht und klingt dabei dann doch fast ein wenig wie van Gaal: "Ich fordere, dass die Mannschaft ihrer Verantwortung gerecht wird. Wir müssen diese Aufgabe bestehen, wir können und wir werden es."

Und er fügt ganz ohne Lächeln an: "Wenn ich als Holländer weiß, was es heißt, auf St. Pauli zu spielen, kann man erwarten, dass die Spieler das auch wissen."

[kaltura id="0_9qdukyyk" class="full_size" title="Jonker k ndigt vollen Einsatz an"]

Auch Bastian Schweinsteiger ahnt, dass die Hamburger "vielleicht noch eine kleine Chance" wittern, aber mit einer Leistung wie gegen Schalke sollte aus seiner Sicht für den FCB nichts schiefgehen.

Kapitän Lahm zieht ebenfalls aus dem jüngsten Auftritt Kraft und meint: "Man hat gesehen, was in der Mannschaft steckt."

Jonkers Aufgabe ist es, dem Team zu helfen, dieses Leistungsvermögen abzurufen.

Gustavo kehrt in Kader zurück

Gegen St. Pauli kann er auch auf Luiz Gustavo zurückgreifen, der gegen Schalke gelbgesperrt fehlte. Jonker ließ offen, ob er ihn oder Holger Badstuber in der Innenverteidigung einsetzen wird.

Nur Hamit Altintop und der langzeitverletzte Ivica Olic fehlen.

Personell ist das eine gute Ausgangsposition. Doch Jonker gibt offen zu: "Wir haben Schwierigkeiten, jede Woche das gleiche Niveau zu bringen."

"Robbery"-Zwist aus der Welt

Immerhin ist der Zwist zwischen Franck Ribery und Arjen Robben nach Darstellung des Trainers ausgeräumt.

In der Schlussminute gegen Schalke hatte Robben lieber auf eigene Faust abgeschlossen - als den besser postierten Franzosen zu bedienen. Und der hatte entsprechend gemotzt (Bericht).

"Das muss von der Mannschaft selbst gelöst werden, Arjen war ja am nächsten Tag auch bei Franck", berichtet Jonker.

Erst vor 70.000 Fans, dann vor 700

Der Niederländer hat den Vorteil, aktuell nicht großartig als Streitschlichter arbeiten zu müssen beziehungsweise Rücksicht auf Empfindlichkeiten nehmen zu müssen.

Nach Saisonende übernimmt er die zweite Mannschaft, Jupp Heynckes kommt.

Statt vor 70.000 Fans wird Jonker dann vor 700 Fans in der Regionalliga arbeiten.

Um seine aktuelle Rolle macht er auch deshalb kein zu großes Aufhebens, spricht von "gemischten Gefühlen".

"Wir haben in dieser Saison keinen Titel gewonnen, der Stab ist auseinandergefallen und mir tut weh, dass van Gaal nicht mehr da ist", stellt er fest.

Nun muss Jonker die Arbeit für seinen Ex-Chef zu Ende führen.

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