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Christoph Daum hat mit Eintracht Frankfurt noch keinen Sieg errungen © getty

Frankfurts Trainer muss unbedingt gegen den 1. FC Köln gewinnen. Kölns Ex-Manager Michael Meier spricht bei SPORT1 über das Duell.

Von Mathias Frohnapfel

München/Köln - Christoph Daum verzichtet auf markige Töne und große Ankündigungen.

Dabei könnte der Trainer von Eintracht Frankfurt vor dem Abstiegsduell mit dem 1. FC Köln (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) alle Register ziehen.

Als Ex-Coach der Kölner und FC-Wegbegleiter kennt er ja all diese kleinen und großen Wunden des Klubs, in denen man nur allzu leicht bohren könnte.

Doch Daum lässt das lieber. "Meine ganze Konzentration gilt der Eintracht", sagte er am Freitag (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Es ist unsere letzte Chance, und es wird Schwerstarbeit. Aber ich bin überzeugt, wir werden es schaffen."

Trainingslager in Bitburg

Angesichts der Fan-Wut (Bericht) und des nun bekannt gewordenen Wechsels von Kapitän Patrick Ochs zum VfL Wolfsburg droht Daum der Laden um die Ohren zu fliegen.

Bisher stieg Daum noch mit keinem Klub aus der Bundesliga ab und dass soll, bitteschön, aus Sicht des Eintracht-Coachs auch so bleiben.

Sein Team bereitete er in einem dreitägigen Trainingslager in einer stillgelegten US-Kaserne in Bitburg auf die Alles-oder-nichts-Partie gegen seine alte Liebe vor.

Schließlich heiratete Daum, dessen Familie weiterhin im Köln lebt, einst im Mittelkreis der Kölner Arena.

"Nicht mehr der Cassius vom Rhein"

Von dieser Verbundenheit werde sich Daum nicht beeinflussen lassen, glaubt Michael Meier.

"Medial ist da viel Brisanz drin, die handelnden Personen sind aber erfahren genug, um damit umzugehen", sagte der frühere Manager des 1. FC Köln im Gespräch mit SPORT1.

Meier sieht Daum, mit dem er fast drei Jahre lang für den FC arbeitete, gereift und in einer neuen Rolle.

"Er hat einen Wandel vollzogen, ist nicht mehr der Cassius vom Rhein", erklärt Meier.

"Christoph Daum ist kein permanenter Dampfplauderer oder Lautsprecher. Und dass er auch mal emotionaler wird, gehört dazu."

Vorteil für Daum?

Meier lenkte bis November 2010 selbst als Sportdirektor die Kölner Geschicke und glaubt fest an den Kölner Klassenerhalt.

Das gelte, obwohl Daum die Kölner Mannschaft und das Umfeld bestens kenne.

"Das kann für Frankfurt ein Vorteil sein. Auf der anderen Seite ist durch den Trainerwechsel wieder mehr Zusammenhalt im Kölner Team, das war vorher, so wie ich das beobachtet habe, nicht der Fall", redet Meier Klartext.

[kaltura id="0_e9abkbz4" class="full_size" title="Bruchhagen Solche Auftritte gehen nicht "]

"Es geht auch um Finkes Reputation"

Meier geht zudem auf die Motivation von Volker Finke ein, der als Sportdirektor kurzfristig auch den Trainerjob übernommen hat.

"Es geht auch um seine Reputation in Fan-Kreisen, da ist ja auch schon von Königsmord und dergleichen gesprochen worden."

Finke brauche daher relativ schnell die Anerkennung.

Ein Zähler in Frankfurt dürfte den "Geißböcken" zum Klassenerhalt genügen, für die Hessen bedeutet alles andere als ein Sieg den nächsten Schritt Richtung Zweite Liga (SERVICE: Der Tabellenrechner).

Daum versuchte daher sein Team in Bitburg mit zwei Übungseinheiten am Tag, Kartfahren für die Seele und jeder Menge mutmachender Worte aufzupäppeln.

Fans beschimpfen Ochs

Die Fans sind nach der peinlichen 0:3-Niederlage in Mainz weiterhin aufgebracht, die Wut konzentriert sich nun auf Kapitän Ochs.

Ochs wechselt nach Saisonschluss zu Wolfsburg und damit ausgerechnet zu jenem Klub, der mit nur einem Punkt Vorsprung vor der Eintracht ebenfalls noch mittendrin im Abstiegsschlamassel steckt.

In Fanforen wurde der gebürtige Frankfurter bereits als "Judas" und "Verräter" beschimpft. Als "Ratte", die das sinkende Schiff verlasse.

Daum lässt Kapitän spielen

Auch Vorstandsboss Heribert Bruchhagen fand kritische Worte zur Bekanntgabe des Wechsels: "Natürlich ist das kein glücklicher Zeitpunkt, das gefällt uns nicht."

Daum will Ochs aber trotz des Interessenskonfliktes aufbieten, zumal die Personalsituation der Eintracht sehr angespannt ist (VORAUSSICHTLICHE AUFSTELLUNGEN).

Der 57-Jährige selbst könnte im Abstiegsfall vom Schweizer Marcel Koller abgelöst werden.

Damit sich die angespannte Stimmung unter den Anhängern nicht weiter verschlechtert, fand in Bitburg ein Krisengespräch zwischen den Fanvertretern und den Profis statt (Bericht).

Pezzaiuoli begeistert vom FC

In Köln läuft derweil die Planung für die Zeit, wenn Sportdirektor Finke wieder seiner eigentlichen Aufgabe nachgeht. (Noch)Hoffenheim-Coach Marco Pezzaiuoli gilt als ein Nachfolge-Kandidat und lobte bereits im "Express" kräftig den Klub.

"Der FC ist ein Kult-Club. Mit einer Philosophie, einer sehr starken Medienpräsenz. Der Verein hat ein unheimliches Potenzial und wäre eine Riesen-Chance."

Christoph Daum wird aktuell übrigens nicht als Trainer-Kandidat gehandelt.

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