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Andre Schürrle (l.) und Lewis Holtby feiern die Europa-League-Qualifikation © getty

Nach dem Sieg auf Schalke brechen bei den Mainzern alle Dämme. Holtby ist im Gefühlschaos. Coach Tuchel bleibt zurückhaltend.

Gelsenkirchen - Lewis Holtby riss sein Trikot über den Kopf, nahm fünfzig Meter Anlauf und rockte mit der Eckfahne als Gitarre ein letztes Mal die Mainzer Kurve.

"Geht raus, feiert und reißt die ganze Stadt auseinander!", rief er den Fans nach dem Einzug in die Europa League zu, und alle tanzten vor Glück 398846(DIASHOW: Der 33. Spieltag).

Alle - nur Thomas Tuchel nicht. Der Erfolgstrainer schaute trotz des 3:1 (0:0) bei Schalke 04 (Spielbericht) aus der Wäsche, als sei er gerade abgestiegen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Erschlafft saß der Erfolgscoach in seinem Trainingsanzug im Presseraum, nicht der Anflug eines Lächelns quälte sich auf sein Gesicht - obwohl Tuchel Großes vollbracht hatte.

Tuchel ganz sachlich

"Schade, ich wäre gerne euphorisch", sagte er völlig monoton, "aber ich bin so alle. Ich freue mich wohl erst nach der Saison."

Die Aussagen spulte er erstaunlich emotionslos ab: "Die Konsequenzen habe ich jetzt noch nicht auf dem Schirm. Ich kann mich wahnsinnig freuen, aber nicht heute."

"Emotionen kommen hoch"

Holtby stand nur wenige Meter entfernt, raste wie ein Brummkreisel von Interview zu Interview und sprudelte beinahe über.

"Ich könnte lachen, ich könnte weinen, ich könnte sonstwas tun. Die Emotionen kommen krass hoch, ich weiß gar nicht, wohin damit", sagte er.

Der Grund war schnell gefunden: Mainz wird Europa rocken - aber ohne Lewis Holtby. Der nämlich muss zurück zu Schalke 04, er ist nur ausgeliehen.

Holtby drückt Schalke die Daumen

Mit einem Tor und zwei Vorlagen führte der 20-Jährige seine Mannschaft dorthin, wo sein künftiger Verein hin will - ins internationale Geschäft.

Er jubelte sehr dezent und verriet, was er beim DFB-Pokal-Finale der Schalker am 21. Mai gegen den MSV Duisburg machen wird: Die Daumen drücken, und zwar nicht zu knapp.

"Da werde ich wohl nach Berlin fliegen und im Stadion sein", sagte er spontan. Zunächst aber zählt nur Mainz, und das singt und lacht.

Lob für Tuchel

Erstmals in der Vereinsgeschichte gelang die Qualifikation für den Europacup auf sportlichem Wege, 2005 hatten noch Losglück und Fair-Play-Wertung nachhelfen müssen.

Der Vater des Erfolgs ist Thomas Tuchel. "Unfassbar! Chapeau! Mehr kann man da gar nicht sagen, ein toller Trainer", sagte Präsident Harald Strutz.

Als Tuchel im August 2009 das Traineramt von Jörn Andersen übernahm, trauerten in Mainz noch alle Jürgen Klopp hinterher.

Längst ist klar: Unter Tuchel läuft es noch besser. "Er lebt diesen Verein. Es ist ein unglaubliches Gefühl", sagte Strutz.

Schürrle nach Leverkusen

Überhaupt war "unglaublich" das Wort des Tages, auch bei Andre Schürrle gehörte es zum Standardrepertoire.

Arm in Arm mit Holtby schlenderte der Nationalspieler nach dem Abpfiff in die Kabine - es war das Bild der beiden Mainzer, die die Früchte ihrer Arbeit nicht ernten können.

Im Fall Schürrle ist das aber nicht so schlimm: Er wird in der kommenden Saison mit Bayer Leverkusen wohl in der Champions League spielen.

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