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Bruno Labbadia (M.) übernahm im Dezember 2010 das Traineramt beim VfB © getty

Nach dem verhinderten Abstieg ist im Ländle Ursachenforschung angesagt. Bobic verspricht eine Aufarbeitung, 96 hat Sorge.

Stuttgart - Verkehrte Welt in Schwaben: Der VfB Stuttgart hatte gerade mit einem 2:1 (0:0) gegen Hannover 96 den Abstieg verhindert und die Niedersachsen endgültig aus der Champions League geschossen. (Spielbericht)

Doch während die 96-Fans ihr Team feierten, forderte der Stuttgarter Anhang eine kritische Aufarbeitung einer schwierigen Saison.

"Morgen müssen wir uns fragen, wie es soweit kam. Vorstand und Aufsichtsrat, wir erwarten Antworten!", stand auf einem Banner als Motto für die Aufsichtsratssitzung am Abend.

Und auch Sportdirektor Fredi Bobic betonte: "Wir dürfen uns jetzt nicht alle auf die Schulter klopfen."

"Mannschaft wird anderes Gesicht haben"

Dank der Tore von Tamas Hajnal (58.), dessen Vertrag beim VfB sich mit dem Ligaverbleib um zwei Jahre verlängerte, und von Shinji Okazaki (61.) hatten die Schwaben zwar den zweiten Absturz in die Zweitklassigkeit vermieden.

Doch am Neckar ist deshalb noch längst nicht wieder alles gut. Der Verein steht vor einem Umbruch: Präsident Erwin Staudt wird im Herbst wohl sein Amt aufgeben, die Mannschaft bis dahin umgebaut.

"Sie ist zu teuer und wird im kommenden Jahr ein anderes Gesicht haben", sagte Aufsichtsratschef Dieter Hundt.

Bobic nimmt trotzdem viel mit

Vielleicht war es auch deshalb "Wasser, kein Bier", wie Bobic betonte, das nach dem Schlusspfiff durch die mit 39.000 Zuschauern vollbesetzte Arena spritzte.

"Wir haben hier einiges aufzuarbeiten", sagte Bobic über die zurückliegenden Monate, die allerdings auch Positives gebracht hätten:

"Wenn du durch so ein Stahlbad gegangen bist, kannst du unglaublich viel für die Zukunft mitnehmen", meinte der Ex-Profi.

Europapokal soll nicht erwartet werden

Zum Beispiel, wie Trainer Bruno Labbadia sagte, "dass wir hier künftig mit Spielern arbeiten wollen, die Spaß am Fußball haben. Die wissen, dass wir sie fordern, aber auch fördern wollen."

Wie Hajnal etwa. "Den VfB hat immer sein offensives und aggresives Spiel ausgezeichnet. Das wollen wir auch in Zukunft wieder ausstrahlen", so Bobic.

Auch Kapitän Cacau, der am Montag endlich an der Leiste operiert werden soll, hofft auf eine bessere Zukunft. "Aber von uns soll niemand erwarten, dass wir gleich wieder in den Europapokal kommen."

Party-Löwen sind an der Reihe

Labbadia dagegen wollte noch nicht über das letzte Saisonspiel am kommenden Samstag beim FC Bayern hinausblicken, sondern das Erreichte lieber still genießen.

"Wir sollten keine Riesenfeier daraus machen, weil wir ja nur den Abstieg verhindert haben", sagte der Coach, aber "ein gutes Glas Rotwein" wollte er sich schon gönnen.

Für die große Sause sei ohnehin sein Team verantwortlich: "Die Mannschaft soll ruhig mal zwei Tage lang richtig die Sau rauslassen. Da sind ein paar Partylöwen dabei."

"Haben wir uns so nicht gewünscht"

Nach Party war bei 96 dagegen niemand zumute - sieht man von den Fans einmal ab. Die feierten ihr Team nach einer grandiosen Saison mit Sprechchören und einem Banner mit der Aufschrift "Auf nach Europa!". 398846(DIASHOW: Der 33. Spieltag)

Dass es nur die Europa League - erstmals seit 1992 - und nicht die Königsklasse ist, "haben wir uns so nicht gewünscht, aber das nehmen wir so hin", sagte Trainer Mirko Slomka.

Das Tor von Lars Stindl (66.) war für 96 zu wenig, die Offensivleistung enttäuschend. Auch, weil Mohammed Abdellaoue früh mit einem Hexenschuss ausfiel (28.).

Schmadtke fürchtet sich

Sportdirektor Jörg Schmadtke fürchtet jetzt, dass 96 Rang vier noch an den FSV Mainz 05 verlieren könnte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Es wäre fatal, wenn wir diese Saison mit drei Niederlagen beenden würden", sagte er.

Rang fünf hieße eine zusätzliche Runde Europa-League-Qualifikation und eine "unangenehmere" Vorbereitung.

Santa Cruz als Kandidat

Im Hintergrund laufen derweil schon die Zukunftsplanungen.

"Roque Santa Cruz hat heute bei mir übernachtet", sagte Schmadtke scherzhaft.

Ganz im Ernst will der Klub einen neuen Stürmer verpflichten. Der Paraguayer in Diensten von Blackburn Rovers wurde kürzlich als Verstärkung gehandelt.

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