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Polizisten lieferten sich nach Abpfiff Ausein- andersetzungen mit aufgebrachten Fans © getty

Weltuntergangsstimmung in Frankfurt: Die Fans randalieren, die Bosse planen für die Zweite Liga. Köln feiert den Klassenerhalt.

Von Christian Stüwe

München/Frankfurt - Das Wort "Angst" meidet ein Fußball-Profi normalerweise wie der Teufel das Weihwasser.

Nach einem beinahe apokalyptischen Samstagnachmittag machte der Frankfurter Benjamin Köhler da eine Ausnahme.398846(DIASHOW: Der 33. Spieltag)

"Angst ist da", räumte der Eintracht-Mittelfeldspieler mit stockender Stimme bei LIGA total! ein: "Die meisten behaupten, wenn wir absteigen, hauen alle ab. Aber der Kern der Mannschaft hat Verträge für die Zweite Liga und wird bleiben."

Im Abstiegsendspiel gegen den 1. FC Köln (Bericht) hatten sich die Frankfurter zuvor erneut desolat präsentiert - der Sturz in Zweite Liga scheint nach dem 0:2 unvermeidlich.

Denn durch den Gladbacher Sieg gegen Freiburg rutschten die Hessen am vorletzten Spieltag auf einen direkten Abstiegsplatz ab, die gezeigte Leistung macht wenig Hoffnung auf Rettung.

Aufgebrachte Fans stürmen den Rasen

Nach dem Abpfiff kam es zu schweren Ausschreitungen. Die Fans aus der Frankfurter Kurve stürmten auf den Platz, die Spieler flohen in die Kabine.

Werbebanden gingen zu Bruch, eine 600.000 Euro teure Spezialkamera der "ARD" wurde zerstört.

Erst massiver Polizei-Einsatz beendete den Spuk. Schlagstöcke und Pfefferspray wurden gegen die rund 150 Randalierer eingesetzt, es kam zu Festnahmen.

Präsident Fischer schlichtet

Präsident Peter Fischer wendete sich direkt an die Fans und verhinderte dadurch offenbar Schlimmeres.

Er brachte die Randalierer dazu, zurück in den Block zu gehen und auch die Polizei wich nach Fischers Intervention einige Meter zurück

"Präsident Peter Fischer hat die Situation durch Gespräche mit den Ultras gerade noch gerettet. Sonst wäre das hier alles eskaliert", sagte Frankfurts Vizepräsident Axel Hellmann.

Ernsthaft verletzt wurde bei den Tumulten offenbar niemand.

Spieler sprechen mit friedlichen Fans

Als sich die Situation ein wenig beruhigt hatte, stellte sich die Mannschaft den friedlichen Fans.

Gründe für die erneut katastrophale Leistung konnte ihnen aber keiner nennen. "Wir haben nicht so viele Erklärungen dafür", räumte Köhler ein, der wie die ganze Mannschaft völlig verängstigt wirkte.

Tränen bei Ochs und Jung

Patrick Ochs und Sebastian Jung weinten nach Abpfiff hemmungslos. Ioannis Amanatidis entglitten die Gesichtszüge, als er vor laufenden Kameras vom Sieg der Gladbacher erfuhr.

"Daran sieht man, dass es uns nicht egal ist", erklärte Köhler: "Oft wird gesagt, dass es uns egal ist, die Scheiß-Millionäre, dass wir nicht für den Verein kämpfen."

Doch genau diesen Eindruck mussten die Zuschauer haben. Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen sprach von einem "Tiefpunkt, das war schon bitter."

Ratloser Daum wartet auf den ersten Sieg

Trainer Christoph Daum, der nach wie vor auf den ersten Sieg wartet, versuchte zwar den Optimismus zu wahren, musste aber einräumen, dass "vielleicht im Augenblick nicht mehr drin ist".

Der als Motivationskünstler bekannte Starcoach räumte ein, nicht mehr mit Fakten dienen zu können, sondern sich in Durchhalteparolen flüchten zu müssen.

Derweil laufen die Planungen für die Zeit nach Daum in der Zweiten Liga bereits auf Hochtouren.

Koller soll Mannschaft zum Wiederaufstieg führen

Der Lizenzspieleretat wird bei 15 bis 17 Millionen Euro liegen, Ziel ist der direkte Wiederaufstieg.

An die kleine Chance, dass sich die Eintracht am letzten Spieltag durch einen Sieg beim feststehen Deutschen Meister Borussia Dortmund doch noch rettet, glaubt in Frankfurt niemand mehr wirklich.

"Daum hat ja klar gesagt, dass er kein Trainer für die Zweite Liga ist. Wir müssen uns jetzt ganz gewiss mit dem Worst Case Abstieg befassen und dann schauen, dass wir direkt wieder aufsteigen", sagte Aufsichtratsboss Wilhelm Bender.

Die sofortige Rückkehr ins Oberhaus soll angeblich der Schweizer Marcel Koller als Nachfolger des glücklosen Daum schaffen.

Finke würdigt Schaefers Verdienste

Mit dem Abstieg braucht sich der 1. FC Köln nicht mehr zu befassen.

Eine schwache Leistung reichte den Domstädtern zum Sieg und dem damit verbundenen Klassenerhalt.

Für Interimscoach Volker Finke war es der zweite Sieg im zweiten Spiel. Doch Finke würdigte in der Stunde des Triumphes seinen Vorgänger.

"Mein Dank gilt vor allem Frank Schaefer, der mit seinem Umschwung den Klassenerhalt in Köln erst möglich gemacht hat", sagte Finke.

Bereits in der kommenden Woche hofft der 63-Jährige, seinen Nachfolger präsentieren zu können: "Wir haben eine entsprechende Fährte gelegt."

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