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Franck Ribery (r.) und Arjen Robben (l.) trafen gegen St. Pauli je zweimal © getty

Bayern schießt St. Pauli mit 8:1 ab und in die Zweite Liga. St. Paulis Stanislawski verlangt "nen Arsch voll" für sein Team.

Von Mathias Frohnapfel und Jürgen Blöhs

München/Hamburg - Zum Feierbiest wird Andries Jonker so schnell nicht werden.

Daran ändert auch der historische 8:1-Sieg des FC Bayern (Bericht) bei St. Pauli nichts.

"Eine schöne Tasse Kaffee" wollte sich Jonker nach dem höchsten Auswärtssieg in der Ligageschichte des FC Bayern gönnen. Alkoholfrei und ohne Schuss natürlich.

Dabei hat Bayerns Interimscoach bereits ein wichtiges Ziel erreicht: Den Münchnern ist nach Hannovers 1:2-Pleite in Stuttgart (Bericht) Platz drei nicht mehr zu nehmen.

Zugleich besiegelte der FC Bayern bereits am 33. Spieltag den Abstieg des FC St. Pauli (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Jonker erkennt "Schwächephase"

Jonker erkannte trotz des Kantersiegs Defizite.

"Wir hatten auch eine kurze Schwächephase", erklärte er auf SPORT1-Nachfrage und erinnerte an Paulis Großchance zum 1:2 durch Dennis Daube kurz vor der Pause. 398846(DIASHOW: Der 33. Spieltag)

Danach aber lief es wie am Schnürchen, so dass am Ende sogar das bisherige Rekordergebnis von 7:1 bei Borussia Mönchengladbach aus dem Jahr 1979 verbessert wurde.

Neben Daniel van Buyten und den beiden Doppelpackern Franck Ribery und Arjen Robben traf Mario Gomez dreifach.

Gomez peilt Torjägerkanone an

Die Torjägerkanone wird dem Stürmer angesichts von fünf Toren Vorsprung vor dem Freiburger Papiss Cisse so oder so nicht mehr zu nehmen sein.

Viel wichtiger ist Gomez aber die Chance, sich mit Bayern wieder in der Champions League präsentieren zu können.

"Wir mussten viel investieren, um unser Minimalziel noch zu erreichen. Es lief nicht gut für uns in dieser Saison, wir hatten oft Probleme", sagte er bei LIGA total!.

Am liebsten wäre es ihm aber, wenn Bayern die Qualifikationsspiele für Europas Luxusklasse vermeiden und sich via Platz zwei direkt qualifizieren könnte:

"Wir haben die Chance noch Zweiter zu werden. Dafür müssen wir gewinnen und Leverkusen verlieren."

Lahm: "Druck liegt bei Leverkusen"

Auf dieses versöhnliche Saisonende hofft auch FCB-Kapitän Philipp Lahm, der gleich einmal eine Nachricht an den Konkurrenten abschickte und sagte:

"Wir haben unser Minimalziel erreicht, der Druck liegt jetzt bei Leverkusen."

Ein Freudentänzchen wollte Lahm wegen der neuen Ausgangssituation nicht aufführen. "Es ist trotzdem eine enttäuschende Saison für FC Bayern. Wir sind es gewöhnt, um Titel mitzuspielen."

Rummenigge: "Kleine Chance auf Platz zwei"

Von allzuviel Euphorie wollte auch Karl-Heinz Rummenigge nichts wissen.

"Wir sind erstmal zufrieden, dass wir Platz drei erreicht haben", stellte Bayerns Vorstandsboss fest.

"Es gibt noch eine kleine Chance auf Platz zwei, aber dafür muss alles optimal laufen. Ich weiß nicht, ob sich das Leverkusen nochmal nehmen lassen wird."

St. Pauli-Fans feiern

Während die Bayern-Profis und Verantwortlichen am Millerntor noch Fragen beantworteten, feierten viele Fans im Stadion noch den FC St. Pauli - und das trotz des Abstiegs.

Nach dem Ehrentreffer von 1:5 durch Marcel Eger hatten die Anhänger des Kiez-Klubs sogar unverdrossen gesungen: "Jetzt geht?s los!".

Holger Stanislawski vermochte das in diesem Moment weder trösten noch besänftigen.

"Wir hätten 'nen Arsch voll verdient"

"Wenn Du 1:8 verlierst und dann gefeiert wirst, das ist dann ja Selbstironie. Aber verdient hätten wir was anderes heute: 'Nen Arsch voll!", schimpfte der St.-Pauli-Coach beim LIGA total!:

"Das war wie ein Stich ins Herz, innerlich die absolute Höchststrafe."

Für "Stani", der ab Sommer 1899 Hoffenheim trainiert, war der Abschied vom Millerntor extrem bitter. Entsprechend zerknirscht und ziemlich runter mit den Nerven stapfte er durch die Katakomben.

"Zum Spiel werde ich gar nichts sagen, weil ich alles kaputt machen würde, was die letzten Jahre richtig gut lief. Das möchte ich mir bewahren. Insofern nehme ich jetzt dieses Ergebnis so mit und verkneife mir jeden Kommentar zur Mannschaft!"

Kessler geschockt

Seine Spieler nahmen den schon vor dem Spieltag drohenden Abstieg zumindest äußerlich gefasst hin. Dass sie für die höchste Pleite in der Bundesliga-Historie der Hamburger gesorgt hatten, wurmte sie dennoch.

"Das tut weh, acht Tore in einem Spiel zu bekommen", jammerte Keeper Thomas Kessler.

Mitspieler Florian Bruns versuchte den Blick nach vorne zu richten und meinte trotz der katastrophalen Leistung des Teams tapfer:

"Jetzt können wir uns endgültig auf die neue Saison konzentrieren und in der Zweiten Liga wieder oben mitspielen."

Für Bayern geht es indes gegen Stuttgart um die Chance auf Platz zwei. Sollte dieser Coup noch glücken, dürfte auch Jonker mehr als nur Kaffee trinken.

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