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Nach der Niederlage gegen den 1. FC Köln flippen die Eintracht-Fans aus © getty

Der Abstieg scheint besiegelt. Dazu droht dem Klub eine Strafe und Bruchhagen die Entmachtung. Dieser äußert sich bei SPORT1.

Von Martin Volkmar

München/Frankfurt - Eintracht Frankfurt im freien Fall:

Nach den Krawallen nach der 0:2-Heimpleite gegen den 1. FC Köln (Nachbericht) drohen dem Abstiegskandidaten massive Konsequenzen.

Und sportlich haben die Verantwortlichen nach dem Absturz der Rückrunde offenbar auch schon die Hoffnung aufgegeben.398846(DIASHOW: Der 33. Spieltag)

Nach dem Abrutschen auf Rang 17 läuft die Planung vielmehr schon für die Zweite Liga - ohne Trainer Christoph Daum und vielleicht auch ohne Vorstandsboss Heribert Bruchhagen.

"Äußerst schwierige Situation"

Der stellte sich immerhin nach einer kurzen Nacht am Sonntag im SPORT1-Doppelpass, wirkte aber mehr als angeschlagen.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Zumal der vierte Abstieg nach 1996, 2001 und 2004 "uns um Jahre zurückwerfen würde", wie Bruchhagen zugab:

"Wir befinden uns jetzt natürlich in einer äußerst schwierigen Situation, aber bei einem Punkt Rückstand haben wir noch eine Resthoffnung, die sensationelle Wende zu schaffen", sagte der Eintracht-Vorsitzende:

"Es wäre fatal, wenn wir jetzt resignieren."

Zehn Verletzte - sechs Festnahmen

Dennoch wirkten seine Worte wie leere Durchhalteparolen, weil niemand in der Main-Metropole sich vorstellen kann, wie das völlig leblose Team ausgerechnet am letzten Spieltag bei Meister Borussia Dortmund noch die Wende schaffen soll.

Zudem wirkten die schlimmen Ausschreitungen nach dem Abpfiff mit zehn Verletzten und sechs Festnahmen auch einen Tag später nach.

"Das ist der Tiefpunkt in meinen acht Jahren bei der Eintracht. So etwas darf es im Fußball nicht geben", meinte Bruchhagen.

[kaltura id="0_bawgt82j" class="full_size" title="Bruchhagen im Doppelpass Realit t hat uns eingeholt "]

Lob für Polizei und Ordner

Bei SPORT1 ergänzte er: "Es ist bedauerlich, dass die Fans in dieser Form ihre Enttäuschung geäußert haben. Unser Ordnungsdienst und die Polizei haben gut funktioniert. Der Spuk war schnell vorbei. Ich will aber nichts verniedlichen."

Zumal der Eintracht nach dem Sturm der Anhänger aufs Spielfeld eine empfindliche Geldstrafe und im schlimmsten Fall eine Platzsperre droht.

Der DFB kündigte bereits Ermittlungen durch den Kontrollausschuss an.

"Das Verhalten dieser Personen ist völlig inakzeptabel", erklärte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn, lobte aber wie Bruchhagen die Einsatzkräfte:

"Zunächst einmal ist festzuhalten, dass die Frankfurter Polizei, wie auch der Sicherheits- und Ordnungsdienst von Eintracht Frankfurt, sehr besonnen und professionell reagiert haben. Dennoch müssen wir alles tun, um solche Vorkommnisse in Zukunft gänzlich zu verhindern."

TV-Spezialkamera zerstört

Dabei wurde auch eine weltweit einzigartige TV-Spezialkamera zerstört, die bei der Partie erstmals getestet worden war.

"Die ist umgeworfen worden. Der Täter war so schlau, auch noch in die Kamera zu schauen", berichtete DFL-Produktionsleiter Andreas Rink.

Die Schadenshöhe ist noch unklar. "Es ist auch möglich, dass an dieser 600.000 Euro teuren Kamera nur ein Schaden in Höhe von 50.000 Euro entstanden ist", sagte Rink.

Für die Summe wird zunächst eine Versicherung der Eintracht aufkommen, später wird dann aber wohl der Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

Noch Schlimmeres verhinderte am Samstag vermutlich Eintracht-Präsident Peter Fischer, der die Fans zu einer Rückkehr in den Block überreden konnte.

Wiederaufstieg ist das Ziel

Nun müssen die Scherben aufgeräumt werden. "In der Zweiten Liga müssen wir ganz schnell am Aufstieg arbeiten", akzeptierte Aufsichtsratschef Wilhelm Bender fast schon den Abstieg: "Und es ist normal, dass wir neue Strukturen bereden."

Bruchhagen will auch im Unterhaus weitermachen, "denn ich bin dafür ja verantwortlich". Doch der Aufsichtsrat will ihn wohl teilweise entmachten und einen starken Sportdirektor einstellen.

Bender verweigerte dem bisherigen Alleinherrscher auch die Rückendeckung und meinte zu dessen Zukunft: "Jetzt muss man sehen, ob das auch eine mehrheitsfähige Meinung im Aufsichtsrat ist."

Koller Top-Kandidat als Daum-Nachfolger

Der Blick richtet sich schon jetzt auf die Rückkehr in die Bundesliga, aus der die Eintracht noch gar nicht abgestiegen ist. "Der sofortige Aufstieg muss der Anspruch dieses Traditionsvereins sein. Dem hat sich alles unterzuordnen", sagte Bender.

"Es muss eine funktionsfähige Mannschaft da sein. Es müssen Entscheidungen über den Kader getroffen werden, es müssen Entscheidungen über den Trainer getroffen werden. Denn wir haben von Christoph Daum gehört, dass er in der Zweiten Liga nicht zur Verfügung steht."

Favorit für den Neuaufbau ist Marcel Koller, auch Arie van Lent und Nachwuchs-Coach Alexander Schur gelten als Kandidaten.

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