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Jupp Heynckes wechselt nächste Saison bereits zum dritten Mal als Trainer zum FC Bayern © getty

Leverkusen bangt um Platz zwei. Vor dem Saisonfinale liegen die Nerven blank. Gerüchte über einen Trainer-Rauswurf werden dementiert.

Von Daniel Rathjen

München - Mit 66 Jahren... da fängt das Zittern an.

Körperlich ist Jupp Heynckes zwar topfit, doch seinen 66. Geburtstag an diesem Montag hatte sich der Trainer von Bayer Leverkusen ganz anders vorgestellt.

Anstoßen wollte man auf die perfekte Teilnahme an der Champions League und einen entspannten Saisonausklang vor seinem Wechsel zum FC Bayern.

Doch stattdessen zittert der Werksklub nach dem mageren 1:1 gegen den Hamburger SV (Bericht) um den zweiten Platz und damit verbundenen sieben Millionen Euro.

Ausgerechnet Heynckes' neuer Klub FC Bayern drückt mit aller Macht nach oben. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Brisantes Duell um Platz zwei

Siegt der Rekordmeister zu Hause gegen den gesicherten VfB Stuttgart und verliert Leverkusen in Freiburg, dann hätten beide Teams 65 Punkte, aber die Münchner wären wegen des besseren Torverhältnisses doch noch Vizemeister.

Ironie der Geschichte, dass es Freiburgs Coach Robin Dutt ähnlich wie Heynckes geht, denn er wechselt nächste Saison zu Bayer 04.

Trotzdem hat Dutt bereits angekündigt, keine Rücksicht auf seinen neuen Arbeitgeber zu nehmen.

Genauso will Heynckes mit der prekären Situation umgehen. Trotzdem haben die Fans den Routinier als Schuldigen ausgemacht.

Zunächst brachte der Verzicht auf Michael Ballack die Anhänger auf die Palme, später folgten "Heynckes-raus"-Rufe. 398846(DIASHOW: Der 33. Spieltag)

Holzhäuser: "Bin ziemlich angefressen"

Fast zwangsläufig machten Gerüchte die Runde, Bayer könne den Coach aufgrund des offenkundigen Gewissenskonfliktes noch vor dem letzten Spiel beurlauben.

"Ich bin ziemlich angefressen. Wir werden darüber schlafen, und dann sehen wir weiter", sagte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser am Samstag.

Nach Vertrauensbeweis klingt das nicht.

Entsprechend fühlte sich der Geschäftsführer berufen, am Tag danach seine Aussagen zu relativieren und einen Heynckes-Rauswurf ins Reich der Fabel zu verweisen.

[kaltura id="0_g1ytr0x7" class="full_size" title=" H tte van Gaal schon im Winter entlassen "]

Keine Trennung

"Der Gedanke ist völlig abstrus", sagte Holzhäuser dem "Express". "Wir werden nichts unternehmen. Das ist die völlig falsche Frage zum falschen Zeitpunkt."

Das kann man allerdings auch völlig anders sehen, denn lässt Leverkusen die Bayern noch vorbeiziehen, kann man sich leicht ausrechnen, wen die Anhänger und vermutlich auch einige Bayer-Funktionäre zum Schuldigen machen werden.

Heynckes selber hat mit den Fans ohnehin schon gebrochen.

"Ich hätte mir mehr objektive Unterstützung gewünscht. Aber das ist ein generelles Problem bei Bayer Leverkusen. Bei anderen Klubs wie zum Beispiel Dortmund oder Schalke gibt es so etwas nicht", meckerte er.

Ballack überraschend auf der Bank

Irritiert hätten ihn die Anfeindungen aber nicht, wie er betonte. "Dafür bin ich zu lange im Geschäft", sagte er nur.

Trotzdem: Unruhe in seiner letzten Arbeitswoche in Leverkusen ist garantiert, nicht nur wegen des anhaltenden Wirbels um Ballack.

Sportchef Rudi Völler soll nun versuchen, durch Gespräche mit der Mannschaft die Lage zu beruhigen. Auch dem Coach stärkt er den Rücken.

"Die Trainerfrage stellt sich gar nicht", erklärte er. "Jupp Heynckes interessiert der FC Bayern noch nicht."

Robben will Leverkusen noch abfangen

Die Münchner können die Scharmützel dagegen mit einer in dieser Saison völlig ungewohnten Gelassenheit verfolgen. Zumal Platz drei, das Saison-Minimal-Ziel erreicht ist.

Platz zwei wäre das Sahnehäubchen und eine schwierige Saison hätte ein versöhnliches Ende.

"Der Druck ist jetzt weg. Wir haben eine kleine Chance, Leverkusen noch abzufangen", weiß Arjen Robben.

Auch Interimstrainer Andries Jonker, mit dem die Münchner noch ungeschlagen sind, hat jetzt richtig Lust, seine Crew noch als Tabellenzweiter an seinen Nachfolger zu übergeben.

"Vielleicht gibt es noch eine Zusage"

"Vielleicht gibt es nächste Woche noch eine Zugabe", hofft er. Und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge meinte: "Vielleicht geht noch was ganz Großes."

Nur Präsident Uli Hoeneß wollte auch nach dem höchsten Auswärtssieg der Vereinsgeschichte in der Bundesliga nicht allzu viel Zufriedenheit aufkommen lassen, mit einer Saison ohne Titel kann der Klubboss nicht wirklich gut leben:

"Dass ein FC Bayern im Kampf um die Meisterschaft über die ganze Saison überhaupt keine Rolle gespielt hat, ist die größte Enttäuschung für mich."

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