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Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp (r.) vor einem Bildschirm mit Jürgen Klinsmanns Konterfei © imago

Mehr Fans, mehr Erfahrung, mehr Erfolge: Die Bayern schlagen Hoffenheim in fast allem. Sport1.de stellt die Klubs gegenüber.

Von Martin Hoffmann

München - Platzhirsch gegen Emporkömmling, Branchenführer gegen Start-up-Unternehmen:

Es ist ein Duell der Gegensätze, das am Freitag in der Allianz-Arena steigt (ab 20 Uhr LIVE).

Der Clou des Spitzenspiels: Es ist eben nicht Rekordmeister FC Bayern, der aus einer Position der Stärke ins Gipfeltreffen geht, sondern der Tabellenführer aus Hoffenheim (Die Tabelle).

Der David ist dem Goliath voraus, denn der Liga-Neuling David ist zwar klein, aber eben auch reich und clever. Er hat aus weit geringeren Voraussetzungen als Krösus Bayern bislang mehr gemacht.

Man erkennt das, wenn man die Hoffenheimer und die Bayern in Zahlen vergleicht.

Städte:

3272 Menschen wohnen in Hoffenheim, das im Jahr 1972 von der 35.605-Einwohner-Stadt Sinsheim eingemeindet wurde. München hat mehr als 400 Mal so viele Einwohner, exakt 1.314.350.

Fans:

In der Saison 2001/02 entstand der "Zwinger-Club", der erste offizielle Hoffenheim-Fanklub. Mittlerweile gibt es immerhin 57, einer davon in München: "Bavariaspor Hoffenheim".

Bis zu den 2437 Fanklubs, die hinter dem FC Bayern stehen, ist es aber noch ein weiter Weg.

Zuschauerzahlen:

26.225 Zuschauer haben die Hoffenheimer in dieser Saison durchschnittlich im Mannheimer Carl-Benz-Stadion begrüßt. Das sind schon über 20.000 mehr als in der Zweiten Liga im kleinen Dietmar-Hopp-Stadion.

Der FC Bayern kann in der Allianz-Arena auf eine Durchschnitts-Kulisse von 69.000 Anhängern zählen, das Stadion ist also praktisch immer ausverkauft. 37.000 davon sind Dauerkarten-Inhaber, Hoffenheim hat 14.500 Saison-Tickets abgesetzt.

Erfahrung:

Dass Bayern in 43 Jahren Bundesliga mehr Spiele im Oberhaus angesammelt hat als Hoffenheim (1481:15) ist naheliegend. Aber auch das aktuelle Spielermaterial der Bayern schlägt die Hoffenheimer in Sachen Erfahrung um Längen.

Die Bayern-Spieler haben mehr A-Länderspiele auf dem Konto (784) als die Hoffenheimer Bundesliga-Spiele (565). Der Bayern-Kader vereint die Routine von 2595 Partien im Oberhaus, mehr als viermal so viele wie der Hoffenheimer.

Etats:

Der Kader der Hoffenheimer ist weniger erfahren als der der Bayern, aber er ist auch billiger. 23 Millionen Euro gibt die TSG nach eigenen Angaben jährlich für Spielergehälter aus - wobei Bayern-Manager Uli Hoeneß die Zahlen allerdings als zu niedrig anzweifelt.

Er selbst zahlt seinen Spielern laut einem "Sport-Bild"-Bericht jährlich etwa 80 Millionen Euro, also fast viermal so viel.

Strukturen:

Bei der Hoffenheimer Geschäfsstelle in der Silbergasse 45 sind 18 Mitarbeiter beschäftigt. Fast zehnmal so groß ist der Stab, auf den die Bayern zurückgreifen können: An der Säbener Straße sitzen 175 Angestellte.

Erfolge:

Auch hier hat Hoffenheim als Bundesliga-Neuling logischerweise das Nachsehen: Der Trophäenschrank der Kraichgauer ist leer.

An der Säbener Straße stehen dagegen 21 Meisterschalen und 14 DFB-Pokale, dazu vier Europapokale der Landesmeister, ein UEFA-Cup und ein Europapokal der Pokalsieger sowie zwei Weltpokale.

Medien:

Der FC Bayern muss in der Medienmetropole München mit zahlreichen TV- und Radiosendern sowie mehreren Onlineportalen und fünf Tageszeitungen auseinandersetzen. Darunter die Boulevard-Blätter "tz" und "Abendzeitung" sowie natürlich die Münchener Ausgabe der "Bild" - drei Gründe, warum das Tagesgeschäft an der Isar so hitzig ist.

Hoffenheim hat es da ruhiger: In Sinsheim sitzt nur die Regional-Ausgabe der "Rhein-Neckar-Zeitung". Allerdings ist die Aufmerksam der zahlreichen Medien im Großraum Rhein-Main-Neckar natürlich durch den Höhenflug extrem gestiegen, auch bei der "Bild"-Regionalausgabe im benachbarten Mannheim.

Fazit:

Mehr Einwohner, mehr Fans, mehr Erfahrung, mehr Mitarbeiter, mehr Erfolge - der FC Bayern hat im direkten Vergleich mehr von allem.

Nur: In die Berechnung der Bundesliga-Tabelle fließt all das nicht ein. In dieser entscheidenden Statistik sind die Hoffenheimer den Münchnern voraus.

Und wenn diese das am Freitag nicht ändern, nützen ihnen alle Zahlenspiele nichts.

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