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Matthias Sammer trainierte von 2004 bis 2005 den VfB Stuttgart © getty

Die Teamchef-Lösung mit Markus Babbel soll von begrenzter Dauer sein. DFB-Sportdirektor Matthias Sammer will keine Ausnahmen.

Von Mathias Frohnapfelund Thorsten Mesch

München/Stuttgart - Mit dem VfB wurde er 1992 Deutscher Meister, einen Sonderstatus genießen die Schwaben bei Matthias Sammer dennoch nicht.

Der DFB-Sportdirektor plädiert für gleiche Regeln in der Bundesliga. Der VfB soll daher nur mit Markus Babbel in der kommenden Saison weiterarbeiten dürfen, wenn dieser den Fußballlehrer-Schein macht.

Aktuell fungiert Babbel offiziell als Teamchef. Und das durchaus erfolgreich: In Genua erreichten die Schwaben ein Remis, am Sonntag gewannen sie zu Hause 2:0 gegen Schalke.

Der DFB hat Stuttgart eine Ausnahmeerlaubnis erteilt, die aber auf diese Spielzeit begrenzt ist.

Zehn Monate in Köln

Die Konsequenz: Babbel müsste zehn Monate lang aus dem Schwabenland nach Köln pendeln, um dort drei bis vier Tage pro Woche am Unterricht teilzunehmen.

Theorie büffeln also statt praktische Arbeit auf dem Fußballplatz. Und praktisch unmöglich für Babbel, nebenber noch die Stuttgarter zu betreuen.

Der VfB müsste sich also auch im Erfolgsfall einen neuen Coach suchen, entsprechend dreht sich bereits das Kandidaten-Karussell.

"Teamchef-Lösungen sind ein Bluff"

Sammer argumentiert allgemein gegen Teamchef-Lösungen. "Sie sind nur ein Bluff. Die Vereine suggerieren damit: Im Grunde kann den Job jeder machen, der selbst gespielt hat und ein paar Titel gewonnen hat", sagte er der "Bild".

Allerdings betonte der 41-Jährige, der den VfB in der Saison 2004/2005 trainierte: "Das hat nichts mit Markus Babbel zu tun. Ich habe ihn schließlich selbst zum VfB geholt."

Trotzdem muss der 51-malige Nationalspieler, der zusammen mit Sammer 1996 Europameister wurde, als einer der ersten in den sauren Apfel beißen.

Und dass, obwohl der DFB-Sportdirektor selber seinen Trainerschein bei einem DFB-Kurzlehrgang für verdiente Nationalspieler erwarb - ebenso wie etwa Jürgen Klinsmann, Jürgen Kohler und der mit einer Ausnhamegenehmigung damals teilnehmende Joachim Löw.

"Dieser Lehrgang war im Nachhinein ein Fehler. Die Theorie ist die Mutter aller Praxis", erklärt Sammer nun. "Der Trainer muss etwas Besonderes sein. Er braucht eine intensive Ausblidung und Zeit."

Spieler loben Babbel

Dabei würden die Spieler offenbar gerne mit Babbel weiterarbeiten. Pavel Pardo sagte nach der Partie gegen Schalke: "Für mich ist die Änderung der taktischen Ordnung fundamental. Das merkt man auf dem Feld."

Für den früheren Teamkollegen als Chef spreche zudem, dass er den Verein und die Umstände gut kenne. "Er macht seine Sache gut, er legt viel Wert auf Details"

Auch Serdar Tasci betonte: "Es wird auf dem Platz wieder mehr gesprochen. Im Training ist die Taktikschulung detaillierter."

Dutt verärgert, aber Favorit

Dennoch: Die Trainerfrage ist längst nicht geklärt bei den ambitionierten Stuttgartern.

Als Favorit für eine Babbel-Nachfolge gilt Robin Dutt, Trainer des Tabellenzweiten SC Freiburg und davor erfolgreich beim kleinen Lokalrivalen Stuttgarter Kickers tätig.

Dutt äußert sich zum Thema aktuell nicht, reagierte aber mit sichtbarem Ärger am Sonntag nach dem Zweitliga-Spiel gegen Greuther Fürth.

Babbel sei schließlich gerade einmal ein paar Tage im Amt und schon würden zig Namen potenzieller Erben diskutiert. "Das ist total respektlos", so Dutt.

Ein Schweizer und weitere Kandidaten

Als weitere Kandidaten für den begehrten Posten bringt die "Stuttgarter Zeitung" zwei Experten aus der österreichischen bzw. Schweizer Liga ins Gespräch: Franco Foda (Sturm Graz) und Christian Gross (FC Basel).

Gross trainiert seit 1999 Basel, er hat mit dem Klub mehrere Meisterschaften gewonnen und zuletzt die Champions League-Gruppenphase erreicht. Doch nach dem klaren Vorrunden-Aus zeichnet sich ein Ende seiner Tätigkeit ab.

Zudem würde auch das Profil von Christian Wück mit Interesse gecheckt. Der 35-Jährige stieg mit Ahlen in die Zweite Liga auf und führte das junge Team bisher zu einem beachtlichen sechsten Tabellenplatz mit Tuchfühlung zu den Aufstiegsrängen.

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