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Christoph Daum war vor der Eintracht Trainer bei Fenerbahce Istanbul © getty

Nichts spricht dafür, dass die Eintracht noch den Klassenerhalt schafft. Daums Ruf ist ramponiert. Seine Magie ist verpufft.

Von Daniel Rathjen

München - Er kam mit Eifer und mit großen Worten.

Christoph Daum sollte Frankfurt vor dem Abstieg bewahren.

Nach dem desolaten 0:2 gegen den 1. FC Köln 398846(DIASHOW: Der 33. Spieltag) ist die Eintracht auf Platz 17 abgestürzt und kann den Klassenerhalt nicht mehr aus eigener Kraft schaffen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Den Niedergang allein am Trainer festzumachen wäre zwar falsch, doch an seinem Scheitern gibt es keinen Zweifel.

Es ist die Entzauberung des Motivationskünstlers, dessen Methoden nur noch als Hokuspokus gelten und dessen hochtrabende Sprüche nur noch belächelt werden.

Am Wochenende lieferte er gar selbst einen Offenbarungseid: "Es sieht so aus, als ob wir absteigen. Gladbach und Wolfsburg sind in einer besseren Ausgangsposition. Ich glaube nicht, dass die sich das noch nehmen lassen", wird Daum in der "Bild" zitiert.

"Ich muss mich mit Durchhalteparolen und Phrasen über Wasser halten. Es ist keine Situation, in der ich strahlend und mit voller Überzeugung sagen kann, jetzt wird alles ganz anders", fügte er konsterniert an.

Problem Selbstwahrnehmung

Vorher hatte der 57-Jährige vorsichtshalber schon angekündigt, dass er den Verein im Abstiegsfall verlassen werde. Vielleicht weil schon wieder ausländische Vereine angeklopft haben, die besser zahlen.

Sein größtes Problem: Daum nimmt sich immer noch als Meistercoach wahr. Aber mit dieser Einstellung wird er es künftig schwer haben, überhaupt noch einen Job in der Bundesliga zu bekommen.

Die bittere Bilanz spricht klar gegen ihn. Er übernahm Frankurt nach dem 27. Spieltag mit 31 Punkten als Tabellen-14., danach holte er 0,5 Punkte pro Spiel - noch weniger als Vorgänger Michael Skibbe (1,15).

[kaltura id="0_313rwill" class="full_size" title="Keine Eintracht in Frankfurt"]

Der berühmteste Motivator der deutschen Trainergilde konnte sein Team nicht einmal kurzfristig wachrütteln. Es ist - abgesehen von den Zahlen - das Wegbrechen einer tragenden Säule im Gesamtbauwerk Daum.

Wahrscheinlich haben auch die Eintracht-Profis gemerkt, dass der "Zampano", der seine Spieler einst bei Bayer Leverkusen über glühende Kohlen laufen ließ, seine Magie verloren hat.

Denn daran, dass sich die Frankfurter in einem System bewegten, in dem alles von der Tagesform eines Theofanis Gekas abhing, änderte auch der Neue nichts.

Mysterium Gekas

Solange der Grieche traf, war alles gut (wie in der Hinrunde mit 14 Toren). In der Rückrunde fiel "Fanis" dann ins Leistungsloch.

Daum wollte versuchen, ihn daraus mit Hilfe "neurolinguistischen Programmierens" zu befreien. Seine Maßnahmen, unter anderem wollte er durch rhythmisches Händeklatschen im Training Gemeinsamkeit herstellen, griffen nicht.

Zudem lag er handwerklich falsch. Offenbar hatte er zu Beginn seiner Zeit in der Bankenmetropole die Trainingsbelastung falsch eingestuft, ungewöhnlich viele Akteure hatten sich mit Muskelproblemen herumgeplagt.

Beim 0:3 in Mainz wurden schließlich auch taktische Mängel sichtbar. Thomas Tuchels "Boygroup", für ihre dynamische Spielweise bekannt, stellte die Eintracht vor unlösbare Aufgaben. Der Eindruck drängt sich auf, dass Daum die Liga nicht mehr gut genug kennt.

Kein Heilsbringer

Er hält sich für stilprägend - stattdessen ist sein Team mit Abstand das schlechteste der Rückrunde.

Auch die Eintracht-Bosse werden mittlerweile eingesehen haben, dass Daum nicht der Heilsbringer ist, als der er bei seiner Verpflichtung teilweise gefeiert wurde.

Er ist einer, der retten sollte, was zu retten ist. Doch dazu sieht er sich offenbar selbst nicht in der Lage.

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