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Mario Gomez hat in dieser Saison bislang 38 Pflichtspieltore auf dem Konto © imago

Die Saison ist enttäuschend für Bayern. Mario Gomez ist trotzdem ein Gewinner, weil er durchgehalten und sich gewandelt hat.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - "Game over für Super-Mario."

So lautete die SPORT1-Headline am 21. Juli 2010.

Damals stand Mario Gomez nach nur einer Saison beim FC Bayern vor dem Aus.

Mittlerweile Ex-Trainer Louis van Gaal hatte ihn nach Ivica Olic, Miroslav Klose und Thomas Müller lediglich als Stürmer Nummer vier auf der Rechnung.

Hätte der Vorstand nicht kurz vor Transferschluss eingegriffen und Gomez mitgeteilt, dass sie ihn unbedingt behalten wollen - der 25-Jährige wäre zum FC Liverpool gewechselt.

"Im Fußball ist vieles möglich", sagt der Angreifer heute zu SPORT1 und lächelt. Er hat es allen Kritikern gezeigt.

"Ich bin sehr stolz und sehr glücklich, dass ich diesen Weg gegangen bin", resümiert er.

Vor dem 34. Spieltag gegen seinen Ex-Verein VfB Stuttgart hat er 27 Liga-Treffer auf dem Konto (STATISTIK: Die Torjäger), fünf mehr als der Zweitplatzierte Papiss Demba Cisse vom SC Freiburg. Hinzu kommen acht Tore in der Champions League und drei im DFB-Pokal.

Die Kanone vor Augen

"Ich werde auch versuchen, im letzten Spiel zu treffen", stellt er klar und fügt an: "Es wäre schön, wenn es mit der Torjägerkanone klappen würde. Das wäre auch ein Titel für die Mannschaft."

Gomez' Erfolg kommt nicht von ungefähr. In seinem zweiten Jahr beim Rekordmeister hat er einen enormen Entwicklungssprung gemacht.

Seine Wege sind andere geworden, sein Stil hat sich verändert.

War er noch in Stuttgart oft auf sich alleingestellt und hatte viel an sich reißen müssen, verteilt sich die Qualität bei Bayern auf mehrere Schultern. Franck Ribery und Arjen Robben sind dominant auf den Außen, von hinten drückt Thomas Müller.

Die Suche nach der Lücke

Für den einzigen Stürmer im System ist es schwer, sich zu behaupten. Dennoch hat Gomez oft die Lücke gefunden, an Stellen auf Abpraller gelauert, wo Torjäger stehen müssen - wie beim 1:0-Siegtreffer bei Inter Mailand. Zusätzlich bewegt er sich mit nach hinten, holt sich Bälle, bietet sich an.

[kaltura id="0_x2erifzn" class="full_size" title="Bayern wieder im Rennen"]

Anfangs als etwas zu bequem und lethargisch kritisiert, ähnelt er nun in Ansätzen gar Miroslav Klose, der sich auch nie für einen Weg in die Defensive zu schade ist.

"Dass er Tore machen kann, wussten wir schon immer", sagt Kapitän Philipp Lahm über Gomez und staunt: "Aber so wie er sich jetzt auch am Spiel beteiligt, sich anbietet und mitarbeitet, das ist sensationell."

Beeindruckend sind auch die Fakten: Seit Horst Hrubesch 1981/82 hat kein deutscher Stürmer so oft in einer Saison getroffen, beim 8:1 beim FC St. Pauli markierte der modebewusste Profi seinen fünften Dreierpack 398846(DIASHOW: Der 33. Spieltag).

Er überholte damit Dieter Müller, der in der Saison 1976/1977 vier Dreierpacks für den 1. FC Köln geschnürt hatte.

Beeindruckende Zahlen

Vor Gomez liegt in dieser Statistik nur noch "Bomber" Gerd Müller, dem in der Saison 1971/1972 in sechs Spielen drei oder mehr Treffer gelangen.

Einen großen Anteil an Gomez' Raketen-Rückkehr trägt sicherlich auch Interimstrainer Andries Jonker.

Der Niederländer arbeitete viel mit dem Goalgetter, als dieser noch Ersatzspieler war.

"Als er kam, war er nur ein Torjäger, jetzt ist er ein Stürmer, er sieht die Mitspieler, lässt die Bälle prallen. Ich habe großen Respekt vor seinem Niveau. Er ist ein richtig guter Stürmer", zollt der Niederländer ihm seine Anerkennung.

Dass diese Saison so außerordentlich positiv für Gomez verlaufen ist, war für den sensiblen Mann zudem eine wichtige Erkenntnis.

Sein Credo, das er einmal in einem SPORT1-Gespräch hervorhob, hat sich bestätigt: "Harte Arbeit wird belohnt. Das habe ich gelernt", hatte er gesagt.

Druck? Kein Problem

Eine solide Basis ist ihm wichtig, weil er für sein Spiel vor allem Selbstvertrauen braucht.

Druck ist für ihn schon längst kein Problem mehr.

"Den habe ich immer. Gerade auch von mir selbst. Ich gehe immer ins Spiel, um ein Tor zu machen und zu gewinnen. Mehr Druck kann von außen gar nicht kommen", betont er.

Im nächsten Level spricht Super Mario als Leistungsträger des deutschen Rekordmeisters und neuer Torschützenkönig.

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