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Karrieresprung: Nuri Sahin erhält bei Real Madrid einen Vertrag bis 2017. © getty

Für Dortmund bleibt die Frage, welche Folgen der Wechsel des Strippenziehers zu Real hat. Für ihn, was Madrid mit ihm vorhat.

Von Maik Rosner

München - Irgendwann haben Beobachter ein paar Tränen erkannt.

Nuri Sahin sprach da gerade über seinen Trainer Jürgen Klopp. "Ich werde ihn vermissen", sagte der 22-Jährige.

Wer den Wechsel zu Real Madrid kritisch beäugt, durfte sich in jenem Moment bestätigt gefühlt haben. Denn es ist ja nicht ganz klar, was sie bei den "Königlichen" eigentlich mit dem Mittelfeldspieler vorhaben (Perfekt: Sahin zu Real).

Vielleicht, so meinen die Skeptiker, werden sich Verlustgefühle bei Sahin schon bald verstärkt einstellen.

In Dortmund haben sie alles versucht, ihn zu halten und die romantische Geschichte der treu zueinander stehenden Meistermannschaft fortzuschreiben 391776(DIASHOW: Die Meisterfeier).

"Real war ein Lebenstraum"

Doch das war nicht genug.

"Real war eine Art Lebenstraum für Nuri", sagte Sportdirektor Michael Zorc in einer Mischung aus Verständnis und Hilflosigkeit.

Sahin, der Strippenzieher im Spiel des Meisters, sieht sich am Ziel seiner Träume, beim "größten Klub der Welt", wie er sagte. Sahin erkennt in diesem Verein einen der wenigen Orte, an denen ein junger Spieler "eine Weltkarriere machen kann, wie ich sie mir erhoffe".

Akt der Überzeugung?

Für sechs Jahre hat Spanien Rekordmeister den außerordentlich talentierten wie reifen Profi verpflichtet. Man kann das als Akt der Überzeugung deuten.

Nach dieser Lesart vertrauen sie in Madrid darauf, dass Sahin es packen wird und nicht vor Ehrfurcht vor dem großen Klub mit den vielen großen Namen erstarrt.

Es gibt aber auch Beispiele aus der Vergangenheit, wie schnell ein hochgeschätzter Spieler bei Real als Wertschöpfer genutzt wurde.

Relativ günstig erworben, dank eines langfristigen Vertrags bald teuer weitergeschoben ? dieses Szenario ist auch bei Sahin nicht auszuschließen.

[kaltura id="0_wr61i8to" class="full_size" title="Sahin Wechsel perfekt"]

"Man muss Geduld haben"

In diese Richtung ging auch die Aussage von Reals Co-Trainer Aitor Karanka.

"Man muss warten, wie er sich akklimatisiert und wie er den Rhythmus von Real Madrid aufnimmt", sagte der Assistent des momentan schweigenden Jose Mourinho über Sahin: "Er hat viel Qualität und wir erwarten große Sachen von ihm. Aber man wird Geduld haben müssen, denn er ist erst 22."

Die ungleich größere Last

Grundsätzlich sind sie schon überzeugt von ihm, das darf Sahin als hoffnungsvolles Zeichen werten. "Wir haben versucht, einen guten Spieler zu holen, der auf einer besonders sensiblen Position spielt und der eine große Last bei Borussia Dortmund getragen hat", sagte Sportdirektor Miguel Pardeza.

Doch die Last wird bei Real ungleich größer sein. Und dabei wird er auch immer gegen die Frage anspielen müssen, sofern man ihn lässt, ob er sich durch seinen Wechsel nun auf dem Königs- oder Holzweg befindet.

Khedira als Leidtragender?

Sollte sich Sahin durchsetzen, könnte der deutsche Nationalspieler Sami Khedira der Leidtragende sein.

Auch der ehemalige Stuttgarter ist ja so ein Beispiel eines Profis, der recht günstig erworben wurde. Man hat abgewartet bei ihm, wie er sich macht im weißen Ballett.

Und trotz einer ordentlichen Debütsaison diskutiert die Brache nun, ob er nach Sahins Transfer wohl bald für gutes Geld zum Kauf im Schaufenster feilgeboten wird.

Verzwickte Aufgaben für den BVB

In Dortmund müssen sie sich mit solchen Fragen nicht befassen, sie haben noch verzwicktere Aufgaben zu lösen.

Zwar wurde Sahins Nachfolge rasch geregelt durch die Verpflichtung Ilkay Gündogans vom 1. FC Nürnberg.

Doch nicht wenige Beobachter prophezeien dem BVB nun einige komplizierte Momente nach dem rauschhaften Jahr, in dem frei von Erwartungen der ganz große Coup gelingen konnte.

Zorcs Anerkennung

Fortan wird nicht nur Sahin als führende Figur fehlen und der erst 20 Jahre alte Gündogan in seine Herausforderung hineinwachsen müssen.

Zugleich hat die Borussia nun nicht mehr den Status einer Überraschungsmannschaft, sondern den eines Titelträgers.

Und dann ist da ja noch die Champions League, in der sich die junge Mannschaft nebenbei beweisen muss. "An diesem Aufschwung hat Nuri großen Anteil", sagte Zorc.

"Drei wunderbare Jahre" in Dortmund

Sahin hat sich derweil so verabschiedet am Montag auf einer Pressekonferenz, wie sie ihn schätzen gelernt haben in Dortmund.

Als ehrgeiziger Sportler, was seine neue Aufgabe angeht, und als dankbarer Freund, der mit Wehmut geht.

"Ich hatte zuletzt drei wunderbare Jahre in einem Team, wie ich es vielleicht nie mehr erleben werde", hat er gesagt.

Elf Einzelunternehmer in Madrid

Denn die Luft wird dünner sein bei Real. Elf Einzelunternehmer kicken vor allem dafür, dem Mythos der "Galaktischen" gerecht zu werden.

Einen davon hat Sahin schon während der EM 2008 kennengelernt. Im Trainingslager der Portugiesen schaute der damals 19-Jährige bei Cristiano Ronaldo vorbei, um ihm ein BVB-Trikot zu überreichen.

Der Star nahm seinen Fan kurz in den Arm und lächelte in eine Kamera, damit Sahin ein Foto als Souvenir mit nach Hause nehmen konnte.

Nun steht Fan Sahin mit Star Ronaldo auf dem Platz. Er wird jetzt spitze Ellenbogen benötigen.

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