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Abschied: Neben Trainer Stanislawski (l.) dürfte auch Asamoah St. Pauli verlassen. © imago

Der Abstieg steht fest, der Kader muss zusammengestellt werden. Ein Umbruch soll vermieden werden, doch Einschnitte stehen bevor.

Von Maik Rosner

München/Hamburg - Die Szenen sind nun ein paar Tage alt, doch sie haben sich beim FC St. Pauli fest eingebrannt.

Nach dem 1:8 gegen den FC Bayern München bei Holger Stanislawskis Abschied vom Millerntor (Bericht) schlichen die Spieler deprimiert in die Kabine.

Kaum ein Wort kam ihnen über die Lippen. Und so blieben vor allem Fragen, warum die Kiez-Kicker so wenig Gegenwehr gezeigt hatten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Sportchef Helmut Schulte sprach später vom "bittersten Moment", den er beim Kultklub erlebt habe 398846(DIASHOW: Der 33. Spieltag).

Unwohl Richtung 2. Liga

Festhalten will er dennoch an der "Mehrzahl" der Spieler, wie er sagt. Obwohl sich bei einigen durchaus auch Fragen nach dem Charakter stellen ließen.

Sauer stieß auch Stanislawski auf, dass sich Gerald Asamoah und Deniz Naki am Sonntag wegen Unwohlsein vom Auslaufen abmeldeten.

Sanktionen lehnte der 41 Jahre alte Fußball-Lehrer aber ab. "Da müssen wir in der letzten Woche der Saison auch nicht mehr mit anfangen", sagte er.

Baustellen statt Einheit

Es ist beim FC St. Pauli offenbar mehr kaputtgegangen als nur die Ligazugehörigkeit. Einige Baustellen tun sich auf im Kader, die verschworene Einheit scheint zu zerfallen.

Viel ist noch nicht festgezurrt worden. Immerhin steht fest, dass Paderborns aktueller Trainer Andre Schubert den zu 1899 Hoffenheim wechselnden Stanislawski beerben wird.

Schubert streicht Stellen

Schubert steht nun die schwierige Aufgabe bevor, für eine neue Hierarchie in der Mannschaft zu sorgen und eine Einheit zu formen, die erneut um den Aufstieg mitspielen kann.

Auf maximal 25 Profis will der 39-Jährige den Kader reduzieren. Eine Handvoll Stellen müssen also gestrichen werden.

Noch größer sind die Einschnitte beim Etat. Von 24 auf zwölf Millionen Euro soll der Haushalt halbiert werden, vor allem wegen Einschnitten bei den TV-Geldern müssen die Hamburger einsparen.

Das Ziel: Die Top 25

Dennoch würden sie sich mit dem angestrebten Etat im oberen Finanzdrittel der Zweiten Liga bewegen. Und mindestens dort soll sich der Verein auch etablieren.

"Wir wollen langfristig zu den besten 25 deutschen Klubs gehören", sagt Präsident Stefan Orth.

Welche Spieler dazu beitragen sollen, wird derzeit ausgelotet. Zuletzt war über eine Verpflichtung von Marek Mintal vom 1. FC Nürnberg spekuliert worden.

"Ein interessanter Mann, der weiß, wo das Tor steht", sagte Schubert.

Mintal: Lieber Hamburg als Paderborn?

Der künftige Coach hatte den mittlerweile 33 Jahre alten Bundesliga-Torschützenkönig von 2004/05 schon nach Paderborn locken wollen. Der Slowake lehnte ab, Hamburg könnte ihm besser gefallen.

Und noch einen Zugang hat Schubert geplant. "Mein großes Ziel ist es, den Jungs die gute Laune wieder zurück zu bringen", sagte er.

Das wird auch nötig sein. Derzeit wird bei St. Pauli ohnehin eher über mögliche Abgänge gesprochen.

Wer geht:

Matthias Hain beendet seine Karriere und ist als Torwarttrainer im Gespräch. Die verdienten Profis Marcel Eger und Florian Lechner sollen offenbar aussortiert werden, genauso wie Routinier Timo Schultz, der dem Klub aber in anderer Funktion erhalten bleiben könnte.

Carlos Zambrano könnte Stanislawski genauso wie möglicherweise Matthias Lehmann nach Hoffenheim folgen. Noch wahrscheinlicher ist der Abschied von Asamoah. Richard Sukuta-Pasu wurde bereits wie Leverkusens Leihspieler Bastian Oczipka verabschiedet.

Ebenfalls fraglich, ob Max Kruse, Charles Takyi und Naki bleiben. Und Thomas Kessler kehrt zum 1. FC Köln zurück, könnte aber erneut an die Hanseaten ausgeliehen werden.

Wer bleibt:

Gebaut werden soll das Team um Keeper Benedikt Pliquett, Fabio Morena, Markus Thorandt, Carsten Rothenbach, Moritz Volz, Florian Bruns, Fabian Boll, Dennis Daube und Rouwen Hennings.

Ihr Verbleib gilt als sicher, genauso wie der von Ersatzkeeper Arvid Schenk. Wahrscheinlich werden auch Ralph Gunesch, Jan-Philipp Kalla, Fin Bartels und Marius Ebbers auch in der kommenden Saison am Millerntor spielen.

Doch so ganz sicher kann man sich in Zeiten des Umbruchs eben auch nicht sein. Noch sind jedenfalls viele Fragen offen.

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