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Friedel Rausch gewann 1980 mit Eintracht Frankfurt den UEFA-Cup © imago

Friedel Rausch kennt den Abstiegskampf. 2001 erwischt es ihn mit Frankfurt. Bei SPORT1 spricht er über die Abstiegskandidaten.

Von Björn Seitner

München - Erinnerungen werden wach: Friedel Rausch kennt das Gefühl, im Abstiegskampf zu stecken. 1998 rettete er Mönchengladbach vor dem Gang in die Zweite Liga.

Damals startete er mit der Borussia eine grandiose Aufholjagd, ähnlich wie dieses Jahr. Rausch kann aber auch mit den Frankfurtern mitfühlen.

1980 gewann der 71-Jährige mit der Eintracht den UEFA-Pokal, ehe er 2001 den Abstieg nicht verhindern konnte 399291(DIASHOW: Die Tops und Flops des 33. Spieltags) .

Die Frankfurter wissen jedoch, wie man einen Abstieg in letzter Sekunde verhindert (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Wiederholt sich Geschichte?

1999 hielt die Eintracht durch einen Last-Minute-Treffer durch Jan Age Fjörtoft die Klasse. In Dortmund (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) könnte sich Geschichte wiederholen.

Leidtragender damals übrigens: Friedel Rausch als Trainer des 1. FC Nürnberg, der anstelle der Frankfurter abstieg.

Der Routinier glaubt aber nicht, dass die Hessen es erneut schaffen und sieht dabei auch einen Großteil der Verantwortung bei Christoph Daum.

Im SPORT1-Interview spricht Rausch über die Abstiegskandidaten Gladbach, Frankfurt und Wolfsburg und bewertet deren Chancen.

SPORT1: Herr Rausch, Sie haben Mönchengladbach 1998 vor dem Abstieg gerettet. Die Borussia kann den Klassenerhalt nach zuletzt drei Siegen in Folge wieder aus eigener Kraft schaffen. Werden bei Ihnen Erinnerungen an vergangene Zeiten wach?

Friedel Rausch: Ja, man spricht schon im Familienkreis und auch im sportlichen Umfeld darüber. Das war damals für mich eine feine Sache. Es hatte keiner mehr an uns geglaubt und wir haben es dann doch noch geschafft.

SPORT1: Das heißt, Sie können mit Gladbach mitfühlen?

Rausch: Jederzeit. Das ist auch momentan nicht einfach für die Mannschaft, aber sie haben gute Chancen. Ich glaube, Frankfurt ist so gut wie abgestiegen. Bei Gladbach und Wolfsburg wird es eng, aber der VfL wird sich wohl auch aufgrund des besseren Torverhältnisses durchsetzen.

SPORT1: Liegt es an Lucien Favre, dass Gladbach im Saisonendspurt noch so eine gute Leistung zeigt?

Rausch: Sie haben jetzt drei Spiele hintereinander gewonnen, das ist auf jeden Fall okay. Ich kenne Favre sehr gut aus der Schweiz, er ist sehr sachlich und sehr kompetent. Er ist in seiner ganzen Art überzeugend. Der Trainerwechsel hat schon viel zum Gladbacher Aufschwung beigetragen.

[kaltura id="0_313rwill" class="full_size" title="Keine Eintracht in Frankfurt"]

SPORT1: Wie wichtig war die Defensivarbeit für diese Entwicklung?

Rausch: Das ist natürlich das Erste, was man machen muss: Tore verhindern. Es gibt viele andere Trainer die mit Hauruck offensiv spielen lassen und dann plötzlich im Keller stehen. Fußball fängt hinten an und nicht vorne. Das haben die Gladbacher in den letzten Spielen herrlich gemacht.

SPORT1: Sie haben mit Frankfurt 1980 den UEFA-Cup gegen Mönchengladbach gewonnen. Wie war das damals? Haben Sie noch Kontakt zu den Spielern?

Rausch: Ab und zu telefoniert man schon mal mit ehemaligen Spielern, das ist immer ganz nett. Es war damals natürlich eine ganz wunderbare Sache. Ich habe nur den Fehler gemacht, nach dem Europacup-Sieg in die Türkei zu gehen. Ich hatte ein gutes finanzielles Angebot, hätte aber in Deutschland bleiben sollen.

SPORT1: Frankfurt ist mit nur acht Punkten die mit Abstand schlechteste Mannschaft der Rückrunde. Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass die Eintracht so abgestürzt ist?

Rausch: Ich bin natürlich nicht vor Ort, daher ist es schwer zu bewerten. Aber ich denke, die anderen Teams haben einfach mehr Substanz.

SPORT1: Glauben Sie, dass Christoph Daum der Zugang zur Mannschaft fehlt?

Rausch: Ich glaube, als er kam, hat er den Mund zu voll genommen. Er hätte ein bisschen bescheidener sein müssen, aber wir kennen ihn ja. Er hat zwar schon oft genug Erfolg gehabt, aber in Frankfurt hat es einfach nicht gereicht.

SPORT1: In Frankfurt belastet die Mannschaft auch das Verhältnis zu den Fans. Die eigene Mannschaft fertig zu machen und zu randalieren hilft im Abstiegskampf natürlich nicht weiter.

Rausch: Man muss stark aufpassen, dass das nicht ausartet. Es sind Gruppierungen vorhanden, die andere verrückt machen. Ich persönlich habe das Gott sei Dank in Frankfurt nie erlebt und das tut dem Fußball auch nicht gut. Wenn man vergleicht, wie es in manch anderen Ländern zugeht, hatten wir in Deutschland lange eine heile Welt. Es ist sehr schade, dass das ein paar verrückte Idioten kaputt machen.

SPORT1: Dritter Beteiligter im Abstiegskampf ist der VfL Wolfsburg. Das Team hat auf dem Papier mit Abstand die beste Mannschaft. Wo sehen Sie die "Wölfe" am Ende?

Rausch: Mit dem, was auf dem Papier steht, kann man nichts anfangen. Auf dem Platz muss man stark sein. Aber Wolfsburg hat mit seinen ausgereiften Spielern schon die Klasse, die für die Bundesliga reichen muss. Gerade auch wegen der besseren Tordifferenz wird Wolfsburg in der Liga bleiben.

SPORT1: Steve McClaren hat sich in Wolfsburg schwer getan, auch Felix Magath hat bei seiner Rückkehr Probleme. Glauben Sie, er ist der richtige Mann für den VfL?

Rausch: Er kennt natürlich das ganze Umfeld. Aber man kann auch nicht einfach zu einem Team stoßen und dann alles umkrempeln und einfach sagen, jetzt bleiben wir in der Liga. Jeder hat sein Konzept und man muss abwarten, was Magath damit macht.

SPORT1: Sie glauben also, Gladbach kommt in die Relegation. Das Team wird dort entweder auf Bochum oder Fürth treffen. Glauben Sie, der Bundesligist wird das Rennen machen?

Rausch: Das glaube ich auf jeden Fall, weil einfach mehr Substanz vorhanden ist.

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