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Andries Jonker arbeitet seit 2009 für den FC Bayern © getty

Der Übergangscoach erfüllt die Vorgabe der Bayern-Bosse, die Unterschiede zu Vorgänger Louis van Gaal sind deutlich.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Seine Bilanz ist glänzend, doch Andries Jonker rückt sich selbst nicht in den Vordergrund.

Dabei hat der FC Bayern unter dem Interimscoach drei Spiele gewonnen, einmal unentschieden gespielt und 18 (!) Tore erzielt.

Besser geht?s kaum. Zumal seit dem vergangenen Spieltag auch feststeht, dass der FCB die Saison mindestens als Dritter abschließen wird.

Mit diesem Auftrag haben die Bayern-Bosse im April Jonker die Leitung eines Teams übertragen, das zu diesem Zeitpunkt fahrig und seltsam willenlos erschien.

"Volle Kanne gegen Stuttgart"

Sogar Platz zwei und damit die direkte Qualifikation zur Champions League könnte Jonker noch gelingen.

"Wir werden gegen Stuttgart wieder volle Kanne spielen und versuchen, nochmal Druck auf Leverkusen zu machen", kündigt Jonker vor der Partie (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) an.

"Es gibt noch etwas zu gewinnen, das ist auch eine Verpflichtung den Fans gegenüber."

Kleine Schritte statt großer Umbruch

Seinen Job hat der Nachfolger von Louis van Gaal bisher bestens erledigt, viel Aufhebens macht er davon nicht.

Der frühere Co-Trainer des eigenwilligen Niederländers hat nicht das komplette Konzept seines alten Chefs über den Haufen geworfen, sondern "viele kleine Sachen" verändert, wie er bescheiden sagt.

Unter anderem setzte Jonker im Tor auf die Erfahrung von Jörg Butt, beorderte Jungspund Thomas Kraft zurück auf die Bank 241095(DIASHOW: Die Planspiele des FC Bayern).

Zur Not auch mal einfach

Zudem gestattet er dem Team, defensiv - wenn nötig - auch mal eine Situation nicht spielerisch lösen zu dürfen. Ein Befreiungsschlag gilt nicht mehr als Todsünde.

Die Bayern-Profis schätzen die bedachte Art Jonkers, der auf dem Trainingsplatz zwar laut, aber eben nicht so selbstherrlich auftritt wie van Gaal.

[kaltura id="0_bmer6yf5" class="full_size" title="Ekici vor Wechsel nach Bremen"]

Auf Du und Du mit dem Chefcoach

"Einige Spieler wirken auf eine gewisse Art befreit", sagt Innenverteidiger Daniel van Buyten.

Auch Bayerns Topstürmer Mario Gomez lobte Jonker bereits vor einer Weile als "sehr positiven Typ".

Den Respekt im Team genießt der Trainer, auch wenn er - anders als sein Vorgänger van Gaal - geduzt wird.

Lob von Ottmar Hitzfeld

Ottmar Hitzfeld traut den Bayern mit Jonkers Hilfe sogar noch zu, an den Leverkusenern vorbeizuziehen, sollten die in Freiburg patzen.

"Die Bayern sind zuletzt gut gefahren, sich auf die eigenen Aufgaben zu konzentrieren. Andries Jonker macht das sehr sachlich, sehr gut", sagte der frühere Münchner Coach der "tz".

Und ergänzt: "Leverkusen ist angeschlagen".

Nerlinger erkennt "richtige Ansprache"

Darauf hofft natürlich auch Sportdirektor Christian Nerlinger.

Ihm ist aufgefallen, dass sich unter Jonker die Münchner Defensive deutlich gesteigert habe. Zudem habe der 48-Jährige dem Team mit den "richtigen Impulsen" und der "richtigen Ansprache" geholfen.

Von außen betrachtet, könnte man meinen, dass Jonker in einer privilegierten Situation als Bayern-Übergangscoach arbeitet. Schließlich muss er in seinem temporären Job auf keinen Star Rücksicht nehmen.

Jonker selbst weiß um diesen Vorteil, wendet aber ein: "Jeder Spieler hat Gefühle, will geschätzt werden."

"Philosophie ist sehr ähnlich"

Eine resolute Regentschaft käme für ihn ohnehin nicht in Frage.

"Es ist ein großer Unterschied unter der Saison anzufangen oder am ersten Juli, wenn jeder Spieler um seinen Platz kämpfen muss. Weder das eine noch das andere ist einfacher."

Jonker hat als langjähriger Wegbegleiter van Gaals dessen offensives Konzept verinnerlicht und gibt zu: "Die Philosophie ist sehr ähnlich, aber ich mache das auf meine Weise, mit meiner eigenen Identität."

Denn Jonker will weder "Klon" noch "Zwillingsbruder" von van Gaal sein.

Noch bis zur Amtsübernahme von Jupp Heynckes kann er an seinem Profil schärfen, ehe der Niederländer ab 1. Juli die zweite Mannschaft übernimmt.

Ab Sommer in der Regionalliga

Statt vor 69000 Zuschauern in der Allianz Arena wird Jonker dann die junge Bayern-Garde in der Regionalliga vor einigen hundert Fans gegen Teams wie Memmingen und Pfullendorf coachen.

Die "Vereinbarung mit Bayern" will Jonker gern einhalten, schielt nicht auf andere Jobs in Bundesliga oder Zweiten Liga.

"Das ist eine schöne Aufgabe bei einem super Verein, auch meiner Familie gefällt es hier sehr gut", sagt Jonker.

Für die Münchner ist der Wechsel von Jonker zur zweiten Mannschaft eine zwiespältige Entscheidung, da der gute Draht des 48-Jährigen zu den Profis verloren gehen könnte. Andererseits hoffen die FCB-Bosse nach dem Abstieg der Zweiten Mannschaft auf neue Impulse durch Jonker.

An seiner Arbeitsprobe als Cheftrainer lässt sich jedenfalls nicht mäkeln.

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