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Jan-Age Fjörtoft erzielte in 52 Spielen für die Eintracht 14 Tore © imago

Ein Tor von Jan-Age Fjörtoft hielt die Eintracht 1999 in der Liga. Im SPORT1-Interview spricht er über den Frankfurter Absturz.

Von Christian Stüwe

München - Ein einziges Tor machte ihn in Frankfurt zur Legende.

In der 89. Spielminute des letzten Spieltag der Saison 1998/99 setzte Jan-Age Fjörtoft einen eiskalten Übersteiger gegen Kaiserslauterns Torwart Andreas Reinke an und erzielte das 5:1 für die Eintracht.

Es war dieses eine Tor, das den wohl dramatischsten Abstiegskampf der Bundesliga-Geschichte entschied und Frankfurt in der Liga hielt, während Nürnberg absteigen musste.

"Von der Bank kam das Signal, dass wir noch ein Tor brauchen", bemerkte der Norweger damals lapidar: "Also habe ich noch eins gemacht."

Auch am Samstag braucht die Eintracht in Dortmund (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) ein Wunder, um noch die Klasse zu halten.

Fjörtoft hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, schätzt im SPORT1-Interview die Chancen der Eintracht aber nicht sehr groß ein.

Der Fanliebling spricht über den Absturz in der Rückrunde, Trainer Christoph Daum und die Zukunft der Hessen.

SPORT1: Eintracht Frankfurt braucht mal wieder ein Wunder. Glauben Sie noch daran?

Jan-Age Fjörtoft: Das letzte Wunder war 1999 das Ende einer sehr guten Phase. Wir hatten die letzten vier Spiel gewonnen damals. Jetzt spielt die Eintracht gegen den Meister und es wird sehr schwierig, glaube ich. Aber es ist natürlich möglich, dass die Eintracht in Dortmund gewinnt. Das wäre nicht das größte Wunder im Fußball. Man kann nur hoffen, dass die Borussia geistig nicht mehr ganz bei der Sache ist und Frankfurt zugelegt hat. Denn schlimmer als gegen Köln ist es nicht möglich zu spielen.

[kaltura id="0_52z07aj9" class="full_size" title="Abstiegskampf hoch drei"]

SPORT1: Während des Spiels hatte man den Eindruck, dass die Spieler nicht alles geben. Nach Abpfiff waren sie dann untröstlich und haben teilweise sogar geweint.

Fjörtoft: Ich bin mir sicher, dass die Spieler zu 100 Prozent kämpfen wollten. Die Frage ist nur, wie frei der Kopf ist. Manchmal kann man auch zu viel wollen. Dann wird man verkrampft. Ich war immer ein Spieler, der frei heraus gespielt hat. Ich habe mich immer gefreut, Fußball zu spielen. Aber selbst ich, der so eine Spielweise hatte, war immer blockiert, wenn der Kopf nicht frei war. Ich denke das Auftreten gegen Köln und auch gegen Mainz zuvor war die Konsequenz der Geschehnisse in den letzten Wochen und Monate. Es ist unerklärbar, dass man in der Rückrunde nur sechs Tore schießt. Da muss man wirklich den Kopf frei bekommen. Und ich glaube, in diesem Punkt hat man nicht ausreichende Arbeit geleistet, auch von den Führungskräften.

SPORT1: Das Spiel gegen Köln war der bisherige Tiefpunkt des Absturzes. Wie kann eine solche Negativserie zu Stande kommen?

Fjörtoft: Die Eintracht ist 1996, 2001 und 2004 abgestiegen. Aber diesmal wäre es ein sehr unnötiger Abstieg. Die Hinrunde war sensationell. Man hat sich Hoffnungen auf die oberen Plätze gemacht. Ich bin nicht nahe genug dran, um zu wissen, was in der Kabine passiert. Warum plötzlich nichts mehr passt auf dem Feld. Ich kann das nur von außen sehen.

SPORT1: Sie haben Trainer Christoph Daum kritisiert.

Fjörtoft: Ich denke, dass man im Nachhinein sagen kann, dass der Trainerwechsel nicht ideal war. Ich kenne Christoph Daum nicht persönlich. Aber eine Mannschaft, die so angeschlagen ist, braucht sicher keinen Trainer, der 25 Stunden am Tag trainieren will. Man muss den Spielern die Köpfe ein bisschen frei lassen. Ich glaube, dann hätte man den Klassenerhalt irgendwie geschafft.

SPORT1: Was muss passieren, damit die Spieler vor dem letzten Spiel in Dortmund die Köpfe noch mal frei bekommen?

Fjörtoft: Ich denke, in dieser Woche wird nicht mehr so viel gemacht. Alle werden versuchen, sich zu erholen und das Negativerlebnis vom vergangenen Wochenende in der Commerzbank-Arena zu verarbeiten. Ich befürchte nur, dass es zu spät ist. Aber wie alle Frankfurt-Anhänger - und da gehöre ich dazu - hoffe ich, dass es noch ein Wunder gibt.

SPORT1: Sie leiden also noch richtig mit Ihren alten Verein mit?

Fjörtoft: Ja. Ich war gerade ein paar Tage in Frankfurt. Und alle, die ich getroffen haben, waren von der Situation tief betroffen. Wenn der Abstieg kommen sollte, wäre er so unnötig. Frankfurt gehört sicher nicht zu den drei schlechtesten Mannschaften in der Bundesliga. Leider spiegelt sich das in unserem Geschäft nicht immer so in der Tabelle wieder.

SPORT1: Wie wird es mit der Eintracht weiter gehen, sollte die Mannschaft den Abstieg nicht doch noch vermeiden können?

Fjörtoft: Frankfurt ist schon öfters abgestiegen und immer wieder gekommen. Der Verein sind nicht der Manager, der Trainer oder die Spieler. Der Verein sind die Anhänger. Und die Fans werden auch in der Zweiten Liga treu sein. Hertha BSC Berlin hat gezeigt, dass man eine neue Euphorie schaffen kann. Ich bin zu einhundert Prozent überzeugt, dass die Eintracht zurückkommt. Die Eintracht kommt immer zurück!

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