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Christian Heidel ist seit 1991 für Mainz 05 tätig © imago

Der FSV feiert eine überragende Saison. Im SPORT1-Interview erzählt Manager Heidel, wieso auch Mainz ein wenig Meister ist.

Von Björn Seitner

München - Der kommende Samstag wird so oder so ein besonderer Tag in der Mainzer Vereinshistorie. Denn der FSV hat gleich zwei Gründe, kräftig zu feiern.

Zum einen hat Mainz erstmals sportlich die Europa League erreicht.

Allerdings sollte am Samstag gegen Absteiger St. Pauli (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) ein Sieg her, um sich als Vierter für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren.

Das würde automatisch bedeuten, dass Mainz eine Runde später in den Wettbewerb einsteigt. Dafür müsste aber Hannover gegen Nürnberg Punkte liegen lassen (SERVICE: Der SPORT1-Tabelllenrechner).

Der andere Grund, es am Samstag ordentlich krachen zu lassen, ist der Abschied vom geliebten Bruchwegstadion. Die Arena hat ausgedient, nur wenige hundert Meter weiter steht schon das neue Schmuckkästchen bereit.

Im SPORT1-Interview spricht Manager Christian Heidel über die Trainer Thomas Tuchel und Jürgen Klopp, die Problematik der Doppelbelastung in der neuen Saison und über seinen Anteil an der Meisterschaft des BVB.

SPORT1: Herr Heidel, feiern Sie immer noch?

Christian Heidel: Wir feiern nicht mehr, denn wir haben noch ein Bundesligaspiel am Samstag. Aber wir hatten in Mainz einen wirklich überschwänglichen Empfang, als die Mannschaft aus Gelsenkirchen zurück kam. Das war ein Feuerwerk wie bei Volksfesten. Halb Mainz war in dieser Nacht am Feiern und da haben wir natürlich nicht gefehlt.

SPORT1: Wann war Ihnen bewusst, dass man das internationale Geschäft in dieser Saison erreichen kann?

Heidel: Es besteht ja ein kleiner Unterschied zwischen "können" und "werden". Wir haben uns eigentlich im Winter schon vorstellen können, am Ende oben dabei zu sein. Wir haben keine Gründe gesehen, warum unsere Mannschaft einbrechen sollte. Wenn Mainz zweimal verloren hat, dann wurde das ja teilweise schon als Einbruch dargestellt. Aber man muss es mal so sehen, dass wir die einzige Mannschaft sind, die immer unter den Top-Fünf war. Das hat sicher nichts mit Glück zu tun.

[kaltura id="0_6zpqrvji" class="full_size" title="Abschied vom Bruchweg"]

SPORT1: Man hat jetzt also Platz fünf sicher und trifft nun auf St. Pauli, den ersten Absteiger der Saison. Glauben Sie, dass auch noch Platz vier drin ist?

Heidel: Das liegt nicht mehr in unserer Hand. Das ist für uns auch nicht das große Thema. Wir werden versuchen, das letzte Spiel hier am Bruchweg zu gewinnen, wohl wissend, dass solche Spiele ab und zu merkwürdige Ergebnisse bringen. Wir möchten aber zum Abschied unbedingt die drei Punkte. Ob Platz vier oder fünf - momentan spielt das für uns keine Rolle.

SPORT1: Welchen Anteil hat Ihrer Meinung nach Thomas Tuchel am Erfolg in dieser Saison?

Heidel: An so einem großen Erfolg werkeln viele Beteiligte mit. Er hat aber natürlich einen sehr großer Anteil, denn er hat diese Mannschaft mit seinem Trainerteam enorm weiterentwickelt. Ich habe damals, als wir Thomas Tuchel von der A-Jugend zum Trainer der Profimannschaft gemacht haben und ich zunächst auf die Mütze bekam, schon gesagt, dass sich einige noch wundern werden. Wir haben da schon ganz genau hingeschaut, auch bei seiner eigenen Entwicklung. Er hat mich zu keinem Zeitpunkt enttäuscht. Thomas Tuchel und Mainz, das passt einfach überragend zusammen.

SPORT1: Kann man sagen, Sie haben ein Händchen für junge Trainer - oder sind die Voraussetzungen für die Entwicklung eines Trainers in Mainz besonders gut?

Heidel: Ich würde sagen, dass wir manchmal einfach mehr Mut bewiesen haben. Ich erinnere an den Wechsel von Jörn Andersen zu Thomas Tuchel: Ich bezweifle, dass viele andere so mutig gewesen wären und diesen Wechsel vollzogen hätten. Es war absehbar, dass man zwei oder drei Wochen Prügel dafür bezieht. Ich habe immer gesagt, das war eine Entscheidung, die nicht aus dem Bauch kam, oder mit Glück zusammenhing. Wir haben Tuchel ein Jahr lang bei der U 19 erlebt und ich war der Überzeugung, dass er das auch bei den Profis leisten kann.

SPORT1: Wie war das bei Jürgen Klopp?

Heidel: Bei Jürgen Klopp hat sich eine Bauchentscheidung als absoluter Glücksgriff herausgestellt. Aber wir sind schon froh, dass der Trainer des Deutschen Meisters aus Mainz kommt. Und die Überraschungsmannschaft kommt jetzt auch noch aus Mainz. Es ist für uns alle schon eine ganz außergewöhnliche Saison. Mainz 05 hat dieses Jahr den Fußball in Deutschland sicher ein ganz klein wenig mitgeprägt.

SPORT1: Sie persönlich haben ja auch einen kleinen Anteil an der Deutschen Meisterschaft, wenn man die ganzen Ex-Mainzer in Dortmund betrachtet - von Subotic bis Zidan...

Heidel: Ich weiß nicht, ob Aki Watzke mir eine Prämie schickt, ich sollte ihn mal anrufen. Na ja, vielleicht tut's auch ein Abendessen... (lacht).

SPORT1: Es freut Sie auf jeden Fall, dass Jürgen Klopp mit dem BVB den Titel geholt hat?

Heidel: Natürlich, das freut mich riesig. Wir haben in Dortmund (1:1, Anm. d. Red.) eindrucksvoll bewiesen, dass wir keine Punkte dort lassen wollen, damit Dortmund Meister wird. Aber insgesamt ist das eine ganz tolle Geschichte und ich habe mich riesig gefreut. Wir sind sehr gut befreundet und wenn ein Freund einen solchen Erfolg hat, dann ist man natürlich selbst auch glücklich. Aber es spielt schon eine Rolle, dass dort das gesamte Trainerteam und einige Spieler aus Mainz kommen. Das zeigt auch ein bisschen die Entwicklung von Mainz 05 in den letzten Jahren.

SPORT1: Trauen Sie Thomas Tuchel in der Zukunft auch einen Meistertitel zu?

Heidel: Da müssen natürlich viele Dinge zusammenpassen. Tuchel ist ein überragender Trainer, der alles erreichen kann. Aber das Wichtigste ist, dass wir uns in Mainz noch einer Reihe von Aufgaben stellen müssen. Ich habe aber auch immer bei "Kloppo" daran geglaubt, dass er es weit bringen kann und er hatte jetzt in Dortmund die Voraussetzungen, selbst eine Mannschaft mit Qualität zu formen. In Mainz waren dazu die wirtschaftlichen Möglichkeiten noch nicht da. Aber die Nicht-Abstiege mit Mainz waren damals für uns immer wie gefühlte Meisterschaften. Inzwischen hat sich der Verein nach oben entwickelt.

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