vergrößernverkleinern
Während Fortmund feiert, muss Caio (l.) und die Eintracht in die Zweite Liga © getty

Die Eintracht steigt ab, der "Retter" ist gescheitert. Während Dortmund die Schale feiert, kündigt man in Frankfurt das Comeback an.

Von Björn Seitner

Dortmund/München - Nach 20-minütiger Verzögerung konnten die Dortmunder Fans endlich den Rasen stürmen.

Zuvor durfte der seit zwei Wochen feststehende Deutsche Meister ungestört seine Ehrenrunden mit der Schale drehen - der Jubel im Signal-Iduna-Park kannte keine Grenzen. (Zum Artikel: BVB-Party beginnt)

Der BVB gab sich am letzten Spieltag gegen Frankfurt keine Blöße, fuhr mit einem 3:1 (Bericht) den 23. Saisonsieg ein und schickte die Eintracht in Liga zwei.

(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und während auf der einen Seite Dede in Unterhose auf dem Querbalken des Tors sitzend den Titel feierte, starrten die Frankfurter auf der anderen mit leerem Blick auf den Boden.

Der gescheiterte SGE-Trainer Christoph Daum ließ währenddessen seine Zukunft bei der Eintracht offen.

"Die Enttäuschung sitzt tief"

Wie viele bereits erwartet hatten, muss Frankfurt nun zum vierten Mal in seiner Vereinsgeschichte den schweren Gang in die Zweite Liga antreten.

"Der Frust und die Enttäuschung sitzen sehr tief", erklärte der angeschlagene Daum, der erstmals in seiner Karriere abstieg und aus sieben Spielen nur drei Punkte holte:

"So eine Sache geht jedem sehr nahe. Ich bin hingegangen, dem Verein zu helfen, die Klasse zu halten. Wenn man es am Schluss nicht erreicht hat, dann bleibt Enttäuschung."

Verbleib unwahrscheinlich

Ein Verbleib des entzauberten "Zampano" bei den Hessen ist unwahrscheinlich, dennoch hielt er sich die Option offen.

"Wir werden sicherlich Gespräche führen. Ich habe das ja absichtlich vertraglich so getaltet, dass die Eintracht auch die Möglichkeit hat mit mir darüber zu reden. Geplant habe ich aber nur für die Erste Liga."

Kurzzeitig keimte bei ihm und seinem Team nochmal Hoffnung auf, als Sebastian Rode (46.) die überraschende Führung erzielte und Wolfsburg zur gleichen Zeit in Hoffenheim zurück lag.

Doch dann schlug sich die Überlegenheit der Gastgeber, die zuvor einen Elfmeter durch Dede verschossen hatten, doch noch durch Lucas Barrios (67.) und ein Eigentor von Marco Russ (73.) in Toren nieder.

Rot nach 43 Sekunden

Nur sechs Minuten später flog Debütant Marcel Titsch-Rivero nach einem Foul im Strafraum mit der Roten Karte vom Platz - erst 43 Sekunden zuvor war der 21-Jährige eingewechselt worden.

"Ich habe lange gehofft. Aber nach dem Platzverweis war mit klar, dass es nicht reichen würde", sagte Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen. 404216(DIASHOW: Der 34. Spieltag)

Für Bruchhagen war der schnellste Platzverweis der Bundesliga-Geschichte.völlig unverständlich, was sich auch an seiner Kritik am Schiedsrichter äußerte: "Allein die Geste, wie er Rot zeigt, ist doch die Erfüllung."

Zwar verschoss auch Dede den folgenden Strafstoß, doch erneut Barrios setzte in der 90. Minute den Schlusspunkt zum hoch verdienten Sieg.

Frankfurt ohne Willen

Dagegen spiegelte die Leistung der Frankfurter eine desaströsen Saison wieder. Der Eintracht fehlte so gut wie alles: Kampfgeist, Wille, Charakter.

Erst in der 44. Minute konnte der erste Frankfurter Torschuss verzeichnet werden. Theofanis Gekas traf aus kurzer Distanz nur die Latte - symbolisch für den in der Rückrunde verhinderten Torjäger.

Die Gründe für den Absturz waren für Daum offenbar selbst noch nicht zu begreifen:

"Ich wollte der Mannschaft helfen, ihr Ziel zu erreichen. Die Gründe, dass es nicht funktioniert hat, werde ich nicht der Öffentlichkeit darlegen", sagte er. (Einwurf: Das Ende des "Magiers")

"Man braucht erst eine gewisse Zeit, um so etwas zu verarbeiten", meinte Daum und verkündete anschließend fast trotzig: "Unser Ziel kann nur der Wiederaufstieg sein."

Bruchhagen: "Wir werden zurückkommen"

Dem pflichtete auch Bruchhagen bei: "In diesem Augenblick beginnt der Neuaufbau. Wir werden mit einer starken Mannschaft wieder zurückkommen. Ich bin mir sicher, dass wir in einem Jahr wieder da sind."

Wer der Trainer dieser Mannschaft sein soll, wusste Bruchhagen aber auch nicht. Die Verpflichtung eines Sportmanagers gilt dagegen als sicher.

Eintracht-Fans halten sich zurück

Das erfreulichste aus Frankfurter Sicht war die Zurückhaltung der eigenen Fans, als der Abstieg feststand.

Zuvor feierten sich die Anhänger mit Plakaten noch als "Deutscher Randalemeister 2011", nach Spielschluss waren sie aber schnell aus dem Stadion verschwunden.

Die Dortmunder blieben dafür umso länger und feierten erst im Stadion die Übergabe der Meisterschale, danach auf den Straßen, Plätzen und Kneipen der Stadt.

Dede bejubelt

Dem wollte auch die Mannschaft nicht nachstehen. "Wir feiern noch mindestens zwei, drei Tage länger", sagte BVB-"Urgestein" Kevin Großkreutz mit belegter Stimme:

"Ich freue mich auf morgen, wenn 400.000 Leute auf der Straße stehen. Als kleiner Junge war ich dabei und jetzt stehe ich selber auf dem Wagen, das ist unbeschreiblich."

Als kleine Wermutstrofen blieben der verpasste Gegentorrekord, die schlechte Chancenverwertung und die Abschiede von Nuri Sahin und Publikumsliebling Dede.

"Es ist ein Tag an dem ich sehr glücklich bin, aber gleichzeitig auch sehr traurig", meinte der sichtlich berührte Dede nach 13 Jahren beim BVB:

"Ich liebe diesen Verein und ich hätte alles wieder so gemacht."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel