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Unter Heynckes erreichte Bayer erstmals seit 2004/2005 die Champions League © imago

Der Trainer verabschiedet sich mit dem Einzug in die Champions League, versöhnt sich mit den Fans und setzt Dutt unter Druck.

Freiburg - Jupp Heynckes war inmitten der großen "Vizekusen"-Party Gewinner und Verlierer zugleich - und Rudi Völler spielte den Seelentröster.

Der Sportdirektor packte den Trainer von Bayer Leverkusen, zerrte ihn in die Fankurve und machte ihn zum "Feier-Biest" 404216(DIASHOW: Der 34. Spieltag).

"Jupp wollte erst nicht, aber ich bin stärker. Die Anhänger wollten ihn doch abfeiern. Das hat er sich verdient", sagte Völler nach dem denkwürdigen 1:0 (1:0)-Sieg der Werkself beim SC Freiburg (Spielbericht) augenzwinkernd.

FC Bayern auf Distanz gehalten

Wenn der zu Bayern München abwandernde Heynckes in der kommenden Saison schon nicht die Früchte seiner Arbeit ernten kann, dann sollte er zumindest die Dankbarkeit für die direkte Qualifikation zur Champions League spüren.

7,2 Millionen Euro Startgeld hat Bayer nach der fünften Vize-Meisterschaft bereits sicher. Selten schmeckte der Platz hinter dem Meister für den ewigen Zweiten so süß.

Doch ausgerechnet Heynckes' neuen Klub kostete der elfte Auswärtssieg der Bayer-Elf den sicheren Sprung in die Königsklasse.

Ein bisschen Spott musste der 66-Jährige, der von Freiburgs Trainer Robin Dutt abgelöst wird, deshalb auch noch ertragen.

"Wer nach einer Saison vor den Bayern landet, der muss eine tolle Saison gespielt haben", sagte Völler nach dem Sieg im Fernduell um Platz zwei (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Übergabe an Dutt: "Er übernimmt eine Topmannschaft"

Zumindest äußerlich ließ sich Heynckes die Auswirkungen des ungewöhnlichen Interessenskonflikts am abschließenden Spieltag nicht anmerken.

"Don Jupp" leitete den "Übergabeprozess" sogar noch ganz staatsmännisch im Presseraum ein - und erhöhte dabei gleich den Druck auf seinen Nachfolger:

"Er hat das große Los gezogen. Robin übernimmt eine Topmannschaft. Ich hoffe, er macht da weiter, wo ich aufgehört habe", sagte Heynckes.

Erfolgreichster Bayer-Coach neben Daum

Der 46-jährige Dutt, trotz eines Eigentores von Cedrick Makiadi (45.) eher Gewinner als Verlierer, weiß, dass er in große Fußstapfen tritt.

"Du legst die Latte sportlich und menschlich sehr hoch für deinen Nachfolger. Der bin zufällig ich", sagte er mit einem süffisanten Schmunzeln Richtung Heynckes.

Dieser wird als erfolgreichster Leverkusener Coach neben Christoph Daum in die Bayer-Annalen eingehen.

Völler setzt große Erwartungen in Dutt

Auch Völler setzt große Erwartungen in Dutt. "Ich hoffe, dass er noch mehr rausholen kann", sagte Völler mit vielsagendem Blick auf die Tabelle.

Als Favoriten für die neue Saison sieht der Bayer-Sportchef aber die Bayern: "Da kann sich Jupp nicht gegen wehren."

"Unterhaching-Trauma" endgültig überwunden

Heynckes indes war am Ende des Tages froh, Hilfestellung zu einer Traumabewältigung gegeben zu haben.

"Vom Jahr 2000 ist nicht mehr zu reden. Die Mannschaft ist cooler geworden, alle haben sich weiterentwickelt. Man hat den Reifeprozess gesehen", sagte er nicht ohne Stolz.

Vor elf Jahren hatte Bayer am letzten Spieltag in Unterhaching die sicher geglaubte Meisterschaft verspielt. Diesmal lief es im Kampf um Platz zwei besser, deshalb war auch Völler nach dem Charaktertest im Breisgau erleichert:

"Es gibt zweite Plätze, die sind nicht so schön. Aber dass wir hier ein richtiges Endspiel gewonnen haben, tut dem ganzen Verein und auch der Mannschaft gut."

Versöhnung mit den Fans

Richtig gut tat Heynckes auch die Feier mit den Fans am Zaun. Er fand sogar noch versöhnliche Worte für die Bayer-Anhänger, die ihn am Spieltag zuvor nach dem Unentschieden gegen den Hamburger SV (1:1) beschimpft hatten.

"Wenn man als Trainer zu den Bayern geht, treten immer Irritationen auf", sagte Heynckes und lachte schon wieder wie ein Gewinner.

Dutt mit donnerndem Applaus verabschiedet

Der zukünftige Bayer-Coach Dutt wurde mit donnerndem Applaus und einer Umarmung von Freiburgs Präsidenten Fritz Keller verabschiedet.

"Es ist nicht fair, mir zu unterstellen, dass ich mich darüber heute freuen könnte", meinte Dutt zur Niederlage, die ihn in der kommenden Saison auf der Bank eines Champions-League-Teilnehmers sitzen lässt.

"Wir hätten heute Minimum einen Punkt verdient gehabt. Aber nach der Berichterstattung im Vorfeld war nicht so sehr das Ergebnis entscheidend, sondern die Art und Weise, wie wir gespielt haben."

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