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Wolfsburgs Grafite (M.) erzielte gegen Hoffenheim das entscheidende 3:1 © getty

Der VfL schafft dank Magaths "Magie" die Rettung. Doch der Diego-Eklat trübt die Freude. Der Trainer droht mit Konsequenzen.

Von Andreas Kloo

München/Sinsheim - Felix Magath hat schon viel erlebt in seiner Karriere.

Aber die Zeit zwischen 16.31 Uhr und 16.53 Uhr waren wohl die härtesten Minuten, die er als Trainer bislang durchmachen musste.

22 Minuten lang war der VfL Wolfsburg abgestiegen, ehe zwei Treffer von Mario Mandzukic und Gegentore für die Konkurrenten Gladbach und Frankfurt die Niedersachsen erlösten.

"Ich bin sehr erleichtert, fühle mich aber auch unheimlich leer", gestand Magath nach dem 3:1 (0:0)-Erfolg über Hoffenheim (Bericht) ein.

Die Gefühlslage der Spieler klang ähnlich. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Dem im Vorjahr mit Hertha BSC abgestiegenen Arne Friedrich fiel eine "Riesenlast vom Herzen", Marcel Schäfer sprach bei LIGA total! von "vielen schlaflosen Nächten" in der letzten Zeit.

Magath wechselt richtig

Auch Magath konnte zuletzt nicht mehr schlafen, dennoch war er am Samstag in der entscheidenden Phase hellwach.

Seine beiden Einwechselspieler Cicero und Ashkan Dejagah bereiteten die Treffer von Mandzukic in der 60. und 74. Minute vor.

Magath hatte sich also mal wieder als "Magier" gezeigt und ein glückliches Händchen bewiesen.

Doch er selbst fand bei LIGA total! eine andere Erklärung, warum sich sein Team nach dem Rückstand durch Hoffenheims Firmino (49.) wie verwandelt zeigte:

"Wenn man nichts mehr zu verlieren hat, spielt man plötzlich befreit auf. Dann ging bei uns mehr nach vorne", erklärte Magath die entscheidende Phase der Partie.404216(DIASHOW: Der 34. Spieltag)

"Es war dramatisch"

Dreimal schon hatte der 57-Jährige ein Team vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit bewahrt: den Hamburger SV (1995/96), Eintracht Frankfurt (199/2000) und den VfB Stuttgart (200/2001).

Doch die vierte Rettungsaktion war wohl die Schwerste, wie Magath zugab: "Selbst die Lage in Frankfurt war damals nicht so unübersichtlich wie in diesem Jahr. Es war dramatisch."

"Ego-Diego" bleibt im Hotel

Schon vor dem Spiel hatte sich Magath skeptisch gezeigt und eingestanden, dass den "Wölfen" der Teamgeist fehle. "Es ist keine Mannschaft", lautete sein vernichtendes Urteil.

Wie recht Magath damit hatte, stellte Spielmacher Diego unter Beweis.

Als der Brasilianer vor der Partie erfuhr, dass er nicht zur ersten Elf gehören würde, blieb "Ego-Diego" einfach im Hotel.

"Während ich noch die Aufstellung an die Tafel geschrieben habe, hat er den Raum verlassen", schilderte der Trainer die Geschehnisse im Vorfeld.

Scharfe Kapitän-Kritik

Diegos Mitspieler zeigten wenig Verständnis:

"Diese Aktion von Diego vor so einem wichtigen Spiel ist nicht zu entschuldigen. In so einer Situation die Besprechung zu verlassen, das geht gar nicht", stellte Kapitän Schäfer klar.

Reagieren wollte Magath zunächst nicht auf den Eklat der launischen Diva: "Ich wollte mich nicht darum kümmern, was Spieler machen, die den Raum verlassen", erklärte er bei "sky".

Magath droht mit UEFA und FIFA

Rechtliche Konsequenzen für Diego kündigte er aber dennoch an:

"Das werden Anwälte entscheiden. Wir werden zusehen, dass wir diese Situation mit Hilfe von UEFA und FIFA richtig lösen", drohte Magath dem 26-Jährigen bereits mit dem Gang vor ein internationales Schiedsgericht.

Das Ende für Diego in Wolfsburg scheint nah, dabei hatte Magath eine Führungsrolle für den Techniker vorgesehen:

"Ursprünglich war es geplant, um Diego eine Mannschaft aufzubauen?, berichtete der Coach.

Vorfreude auf den Tanzzug

Das ist aber jetzt mehr als fraglich - auch wenn sich Magath noch nicht genauer mit dieser Personalie befassen wollte:

"Ich freue mich jetzt erst einmal, dass wir auch in der nächsten Saison weiter in der Bundesliga spielen - egal ob mit oder ohne Diego."

Die Feierlaune wollte er sich von der launischen Diva Diego nicht verderben lassen. Zu groß war die Vorfreude auf die Heimfahrt im Samba-Sonderzug mit den Fans.

Der nüchterne Asket Magath versprach vor der Rückreise gar noch eine Samba-Einlage: "Das ist doch ein Tanzzug, oder?".

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