Christoph Daum hat sich mit Frankfurts Abstieg komplett entzaubert. Allerdings unter großer Mithilfe von Heribert Bruchhagen.

Wenn man es hart formulieren wollte, könnte man sagen: Erst Christoph Daum hat es geschafft, aus Eintracht Frankfurt wieder einen Zweitligisten zu machen.

Allerdings mit großer Mithilfe von Heribert Bruchhagen.

Bis zur Inthronisierung des einstigen Trainer-Stars ging bei den Hessen alles mehr oder weniger geruhsam seinen Gang.

Vorstandsboss Heribert Bruchhagen hatte es in seinen acht Jahren im Amt geschafft, den zu schneller Euphorie neigenden Anhängern eine Radikalkur in Sachen Pragmatismus zu verpassen.

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Mittelmaß galt für Bruchhagen nicht als Schimpfwort, deshalb war er mit den Tabellenplätzen im Mittelfeld seit dem Aufstieg 2005 zufrieden - im Gegensatz zum notorisch unruhigen Umfeld.

Trotzdem ließ man Bruchhagen gewähren, weil er die "launische Diva" nach drei Abstiegen seit 1996 und einer Fast-Pleite sportlich und wirtschaftlich in ruhiges Fahrwasser geführt hatte.

Dann aber verlor ausgerechnet Bruchhagen die Bodenhaftung:

Nach dem umjubelten 1:0 am letzten Hinrundenspieltag gegen Dortmund erklärte er das Thema Abstieg für erledigt und wollte sogar die Europacupplätze angreifen.

Zwar zögerte er die Trennung von Michael Skibbe nach dem missratenen Rückrunden-Auftakt lange heraus, dann aber stellte er die Weichen völlig falsch.

Denn wesentlich weniger schlüssig als der Rauswurf war der Paukenschlag mit der Präsentation von Christoph Daum als Nachfolger.

Daums einzige Beziehung zu Frankfurt bestand bis zu diesem Zeitpunkt darin, dass sein Wohnort Köln nur etwas mehr als eine Autostunde entfernt ist.

Und aus dem Bundesliga-Geschäft war der frühere Meistercoach seit seiner Flucht vom 1. FC Köln ebenfalls raus, hatte zudem noch nie als "Feuerwehrmann" im Abstiegskampf gearbeitet.

Trotzdem umwehte Daum immer noch eine besondere Aura, die ihm unter anderem die Beinamen "Zampano", "Messias" oder "Magier" eingebracht hatten.

Doch der 57-Jährige hat sich in den wenigen Wochen am Main eindrucksvoll entzaubert. Der ehemalige Motivations-Guru fand kein Mittel, um die Talfahrt zu stoppen.

Im Gegenteil: Es ging immer schneller abwärts. Kein Sieg, nur drei Punkte in sieben Spielen - die Bilanz eines Absteigers.

Seit Samstagnachmittag ist die Eintracht endgültig nur noch zweitklassig. Und der Coach auch.

Ein Makel, den der Verein möglicherweise schnell wieder beheben kann. Der Trainer aber dürfte diese Chance so schnell nicht bekommen.

Und sich vielleicht in Zukunft nach einem Job wie in Frankfurt sehnen. Denn nach seinem ersten Abstieg ist Daum fürs Erste in Deutschland nicht mehr vermittelbar.

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