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Stale Solbakken ist 56-maliger norwegischer Nationalspieler © getty

Der Norweger soll Köln in ruhigeres Fahrwasser führen. Seine Ansprüche sind hoch. Finke bezeichnet ihn als "auffällig guten Trainer".

Köln - Mit seiner ersten Trainerverpflichtung während des 2:1 gegen Schalke (Spielbericht) ist Volker Finke ein Coup gelungen.

Dabei war er einst nur durch einen Zufall auf die Fährte von Stale Solbakken gestoßen.

In einer Agenturmeldung habe er zu seiner Zeit in Japan gelesen, dass Solbakken und er Kandidaten bei einem Bundesligisten sein sollten, berichtete der Sportdirektor des 1. FC Köln.

Also habe er den Norweger "sofort gegoogelt" und seitdem nicht mehr aus den Augen verloren (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Dass er die dänische Kultfigur mit norwegischem Pass nun überhaupt noch verpflichten konnte, ist eine echte Überraschung.

Ablöse für Norwegens Verband

Denn Solbakken gilt seit dem Triumphzug mit dem kleinen FC Kopenhagen ins Achtelfinale der Champions League als einer der begehrtesten Trainer auf dem europäischen Markt und war außerdem vertraglich an die norwegische Nationalmannschaft gebunden.

Diese sollte er 2012 übernehmen, ein geplantes Engagement beim Hamburger SV war daran zuletzt noch gescheitert.

In einem mehrstündigen Fachgespräch habe er Solbakken ins Boot geholt, berichtete Finke.

Und mit dem Wunsch des Trainers im Rücken und gegen eine geschätzte Ablöse von 250.000 Euro ließ sich auch der norwegische Verband überzeugen.

Ein "auffällig guter Trainer"

"Ich glaube, dass uns da etwas besonders Gutes gelungen ist", sagt Finke, der nach 36 Jahren als Trainer erstmals selbst einen Coach verpflichten musste.

Nach dem Rücktritt von Frank Schaefer hatte er noch gegen seinen Willen als Interimslösung einspringen müssen:

"Stale ist ein besonders begabter sowie taktisch und in der Zusammenstellung von Mannschaften auffällig guter Trainer. Ich freue mich, dass der 1. FC Köln mit so einem Trainer in die nächsten Jahre geht."

Auch für Solbakken selbst ist der nächste Karrieresprung ein Geschenk des Himmels, denn der 43-Jährige hat bereits schlimme Zeiten erlebt. 404216(DIASHOW: Der 34. Spieltag)

Herzstillstand auf dem Platz

Vor zehn Jahren war er auf dem Trainingsplatz zusammengebrochen, erlitt einen Herzstillstand und war acht Minuten lang klinisch tot, ehe ein Notarzt den damals 33-Jährigen zurückholte.

Nach der Begegnung mit dem Tod musste Solbakken seine Profikarriere beenden und wurde Trainer.

Ein vorher unbemerkt gebliebener angeborener Herzfehler war Auslöser der Nahtod-Erfahrung.

Ein Herzschrittmacher ist alles, was den ehemaligen Nationalspieler körperlich noch mit dem Vorfall verbindet.

Solbakken will perfekt Deutsch sprechen

Vielleicht liegt in jenem schicksalhaften Tag die Akribie begründet, mit der der charismatische Glatzkopf arbeitet.

Es sei sein persönlicher Anspruch, beim Amtsantritt in sechs Wochen perfekt Deutsch zu sprechen, ließ er nun über Finke bereits ausrichten.

Seine Kenntnisse aus zehn Jahren Deutsch-Unterricht in der Schule will Solbakken durch täglich zwei Stunden Nachhilfe auffrischen.

Podolski optimistisch

Nach einer unter dem Strich zwar erfolgreichen, mit drei Trainern aber auch chaotischen Saison soll Solbakken den FC weiter nach oben führen.

Eine ruhige Saison ohne Abstiegssorgen, Kapitän Lukas Podolski hält sie für möglich.

"Daran, dass wir in einer Saison mit so viel Unruhe Zehnter geworden sind, erkennt man, welche Qualität da ist", sagte der Nationalspieler und setzt große Hoffnungen in den neuen Trainer:

"Ich bin sicher, dass in der neuen Saison noch einige Plätze mehr drin sind."

"Frank Rost ohne Haare"

Auch Christian Eichner ist gespannt auf seinen dritten Trainer in einem knappen halben Jahr Köln.

"Optisch erinnert er mich an Frank Rost ohne Haare", sagte der Abwehrspieler schmunzelnd.

"Aber man hört nur Gutes über ihn. Mit Kopenhagen hat er ja die Champions League gestürmt. Uns würde es schon reichen, wenn wir wieder so abschneiden wie in dieser Saison."

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