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Hamit Altintop wechselte 2007 vom FC Schalke zum FC Bayern © imago

Der Türke steht für Einsatz. Jetzt verlässt er den FC Bayern. Im Interview rechnet er mit van Gaal ab und spricht über Real.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Sein Abschied verlief unspektakulär.

Ein Blumenstrauß, ein paar nette Worte von Karl Hopfner, Karl-Heinz Rummenigge und Christian Nerlinger.

Das war's offiziell in der Allianz Arena vor dem Duell mit dem VfB Stuttgart (Bericht).

Im kleinen Kreis wird Hamit Altintop seinen Ausstand am späten Samstagabend sicher in einer seiner Lieblingsdiscotheken - wie dem Heart's oder der 089-Bar - ausgiebiger gefeiert haben.

Der FC Bayern war und ist seit jeher sein Lieblingsverein. In München hat er sich immer wohl gefühlt (404216 DIASHOW: Der 34. Spieltag).

Doch nun verlässt der 28-jährige Türke, der zurzeit noch unter Rückenproblemen leidet, den Klub. Seit 2007 absolvierte er 63 Ligaspiele und erzielte dabei sieben Tore (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Es war mehr drin", sagt er selbstkritisch. Im Abschiedsgespräch mit den Journalisten spricht Altintop über Schwierigkeiten mit Bayerns Ex-Coach Louis van Gaal und seine Zukunft, die wohl bei Real Madrid liegt.

Frage: Herr Altintop, wie emotional war der Abschied?

Hamit Altintop: Ich war auf den Abschied vorbereitet, deshalb vielleicht nicht so emotional. Aber nichtsdestotrotz habe ich in München viele Freunde gefunden und bin sehr dankbar, dass ich für diesen Klub spielen konnte.

Frage: Dennoch gehen Sie.

Altintop: Ich habe tolle, bewundernswerte Leute kennen gelernt. Und ich habe gerne mit Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge zusammengearbeitet. Dazu gehören auch Trainer wie Ottmar Hitzfeld und auch Louis van Gaal. Es war interessant, es war schön und ich nehme einiges mit für die Zukunft.

Frage: Wo liegt Ihre Zukunft?

Altintop: Höchstwahrscheinlich im Ausland. Aber es ist noch nichts unterschrieben und deshalb kann ich auch nichts Weiteres dazu sagen. Für mich persönlich hoffe ich, dass in den nächsten Tagen Klarheit herrscht, damit ich mich auch mental darauf vorbereiten kann.

Frage: Um Sie rankten sich immer Wechselgerüchte. Wie seriös war das?

Altintop: Es ist schon richtig, bei mir stand immer ein Fragezeichen. Geht der Junge oder bleibt er? An den Spekulationen war schon was dran, egal, ob sie aus England, Italien oder Spanien kamen.

Frage: Nun verdichten sich die Gerüchte auf einen Wechsel zu Real Madrid...

Altintop: Ich habe beim FC Bayern schon auf einer großen Bühne gespielt, deswegen ist so ein Wechsel wahrscheinlicher. Nur konnte oder durfte ich nicht so oft spielen. Zuletzt kam leider die Verletzung dazwischen.

Frage: Wie fit sind Sie?

Altintop: Ich bin auf einem sehr guten Weg und deshalb sehr entspannt.

Frage: Wie fällt Ihre Bilanz beim FC Bayern aus?

Altintop: Es war mehr drin. Die Wahrheit ist: Wenn ich fit war, habe ich gespielt und habe auch gut gespielt. Aber man muss auch sehen, dass ich nicht die hundertprozentige Unterstützung der Trainer hatte. Ich war immer auf der Kippe. Bei Herrn van Gaal war es so, dass er mich teilweise ignoriert hat, obwohl ich Gas gegeben und ordentlich gespielt habe.

Frage: Hat Sie das verletzt?

Altintop: Was mich getroffen hat, dass er mich auch ignoriert hat, als Robben gefehlt hat. Dass er anderen den Vorzug gegeben hat, hat mich enttäuscht.

Frage: Wie konnte es dazu kommen?

Altintop: Es war schwierig, die Situation einzuschätzen. Mir blieb nichts anderes übrig als ruhig zu bleiben. Vielleicht hätte man früher eingreifen können. Nun ist jedoch die Situation so wie sie ist und ich bin damit zufrieden.

Frage: Wann haben Sie für sich die Entscheidung getroffen, den Verein zu verlassen?

Altintop: Wir haben nach einer extremen langen Phase miteinander gesprochen, dann haben wir uns nicht wirklich klar verständigt.

Frage: Das heißt, Sie hätten sich gewünscht, dass der Verein früher auf Sie zugekommen wäre?

Altintop: Das hätte sicher das eine oder andere einfacher gemacht. Aber man macht sich als Mensch eben Gedanken. Dennoch bin ich den Verantwortlichen dankbar. Vor allem Uli Hoeneß, der immer zu mir stand, der aber leider nicht eingreifen konnte und deswegen trennen wir uns jetzt.

Frage: Es gab also kein Angebot für Sie?

Altintop: Doch, es gab ein Angebot.

Frage: Aber es kam zu spät?

Altintop: Zu spät - hin und her. Letztes Jahr habe ich mich auch erst im Juni entschieden. Wir haben uns im Guten getrennt und ich glaube, dass wir weiterhin in Kontakt bleiben.

Frage: Sie sind gut mit Mesut Özil und Nuri Sahin befreundet. Haben Sie mit denen schon über Real gesprochen?

Altintop: Über Real braucht man sich nicht zu unterhalten. Real ist ein Traum, wenn man kein Real-Madrid-Hasser ist. Dieser Verein ist der Maßstab.

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