vergrößernverkleinern
Diego erzielte in 114 Bundesligaspielen 44 Tore © getty

Nach seinem Eklat steht der Brasilianer beim VfL vorm Rauswurf. Doch genau den können sich die Niedersachsen nicht leisten.

Von Christian Paschwitz

München - Nüchtern betrachtet war's das dann wohl: Nach Diegos erneutem Eklat hat der Spielmacher beim VfL Wolfsburg offenbar ausgespielt.

Zu schwer wiegen dürfte der Bruch zwischen den Niedersachsen und Diego nach dessen Mannschaftsflucht vor dem entscheidenden Abstiegsthriller bei 1899 Hoffenheim (Nachbericht).

"Er ist für uns ein wichtiger Faktor für die neue Saison gewesen", sprach Felix Magath am Wochenende bereits in der Vergangenheitsform von dem Brasilianer (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Wolfsburgs Coach schob zwar hastig hinterher: "Es wird für ihn eine Geldstrafe (fünfstellig, Anm. d.Red.) und eine Abmahnung geben. Alles weitere werden wir dann sehen." (Hintergrund)

Aber wer die Mechanismen der Bundesliga kennt, mag dahinter erkennen, als relativierten die Wolfsburger Diegos Zukunftsperspektive allein aus taktischen Gründen 404216(DIASHOW: Der 34. Spieltag).

Auf der einen Seite dürfte der Klub den auch intern kaum noch tragbaren Regisseur nur noch loswerden wollen. Auf der anderen Seite müssen die "Wölfe" tunlichst aufpassen, dabei selbst keinen Schaden zu nehmen.

Insbesondere nicht finanziell. Der Mega-Vertrag des 26-Jährigen, der erst im vergangenen Sommer für 15,5 Millionen Euro von Juventus Turin gekommen war, erschwert einen Transfer schließlich enorm.

In der Zwickmühle

Der VfL sitzt in der Zwickmühle: Während Magath dem Exzentriker insgeheim wohl am liebsten sofort kündigen würde, verbietet sich genau das.

[kaltura id="0_3jj19gns" class="full_size" title="Wolfsburg und das Diego-Problem"]

Weil Diego "nach nationalem Arbeitsrecht dann im Prinzip ohne Ablöseentschädigung zu einem anderen Klub wechseln dort noch mehr verdienen" kann, wie Rechtsanwalt Christoph Schickhardt im "kicker" erklärt.

Werder winkt ab - Liverpool interessiert?

Heißt auch: Wolfsburg wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als den Brasilianer für deutlich weniger als 15,5 Millionen Euro weiterzuverkaufen. Wobei dann auch Diego angesichts geschätzter sechs Millionen Euro Jahresgehalt Abstriche machen müsste.

Allerdings müsste sich auch überhaupt erst einmal ein Abnehmer finden: Ex-Klub Werder Bremen hat bereits abgewunken. "Wir wollen einen Spieler doch nicht für solch ein Verhalten belohnen", sagt Sportchef Klaus Allofs.

Interesse haben soll jedoch der FC Liverpool.

Nicht Diegos erster Eklat

Immerhin spielt dem VfL in die Karten, dass Diego seinen Martkwert selbst abgesenkt hat: Zugleich gilt Diego mittlerweile jedoch als Wiederholungstäter - und damit als immer schwieriger vermittelbar.

Im November erst hatte der Brasilianer Mitspieler Sascha Riether im Training eine Ohrfeige verpasst und dafür eine Geldstrafe erhalten.

Im Februar dann widersetzte sich Diego der Anweisung von Ex-Coach Steve McClaren, trat trotz anderer Absprache in Hannover (0:1) zum Strafstoß an - und schoss gegen die Latte.

Magath lässt tief blicken

So meint denn auch Magath vielsagend: "Ich bin bereit, mit jedem zusammenzuarbeiten, aber es muss erkennbar sein, dass derjenige meinen Weg mitgeht. Wer andere Vorstellungen hat, wird es schwer haben."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel