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Meister-Macher: Jürgen Klopp ist seit Juli 2008 Trainer bei Borussia Dortmund © getty

Noch immer befindet sich Dortmund im Meisterrausch. Doch der Titel beschert dem jungen Team viele Herausforderungen.

Von Christian Paschwitz

München - So wie sie fast die ganze Saison dominiert hatten, bewiesen Borussia Dortmunds Spieler auch am dritten Tag der großen Titel-Sause (Bericht) beeindruckend Stehvermögen:

Nach dem feucht-fröhlichen Party-Marathon 404932(DIASHOW: BVB-Meisterparade) stellte Mats Hummels am Montagmittag erst mal den neuen Spielball "Torfabrik" der Deutsche Fußball Liga (DFL) für die kommende Saison vor.

Danach ging's mit dem gesamten Team hastig zum Termin mit Dortmunds Bürgermeister, um sich im Rathaus ins Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Und auch beim Hauptsponsor war kurz darauf noch ein Empfang angesagt.

Event- und Feier-Marathon

Verschnaufen und Schlaf? Fehlanzeige. Störend ist das nicht.

"Wir sind verplant! Das ist wie bei der Bundeswehr", sagte Meistertrainer Jürgen Klopp bei "Der Westen". "Aber is' mir alles egal. Die nächsten Tage können nicht schlecht werden, weil wir ja dabei sind."

Der Meister ist sogar mittendrin, statt nur dabei - und das in vielerlei Hinsicht:

Zukunft hat schon längst begonnen

Schon jetzt wird hinter den Kulissen eifrig am Gerüst für die kommende Saison gebastelt, in der auf die Schwarz-Gelben einiges einstürzen wird:

Nicht nur, dass die Westfalen als Titel-Verteidiger in der Meisterschaft die Rolle des Gejagten annehmen müssen.

SPORT1 beleuchtet, was sich noch ändern wird - und nennt mögliche Knackpunkte.

Doppelbelastung durch Champions League

Sechs Spiele zusätzlich warten mit der Königsklassen-Vorrunde auf jeden Fall schon einmal auf die Borussen.

[kaltura id="0_2ozu8hqt" class="full_size" title="Dortmunder Meister Ekstase"]

Zuletzt in der Europa League sah sich die Borussia zwar auch schon dem Rhythmus englischer Wochen ausgesetzt.

Trotzdem bleibt die Frage, inwieweit die Champions-League-Aufgaben - womöglich schon gleich gegen die absoluten Topteams - dann aber doch wesentlich mehr an die Substanz gehen im Vergleich zu Duellen wie zum Beispiel mit Ukraine-Klub Karpaty Lviv.

Neuer Druck auf ganz großer Bühne

Oder anders gesagt: Es ist nicht davon auszugehen, dass die junge Mannschaft dem neuen Druck stets standhält, sie auf ganz großer Bühne vielmehr auch mal Lehrgeld zahlt und Rückschläge erlebt.

Zumal das jüngste Team, das jemals einen Meistertitel gewann (Durchschnittsalter von 22,75 Jahren in der Stammelf) zwangsläufig ein verändertes Gesicht bekommt.

Was dabei am schwersten wiegen dürfte: Der Abgang von Spielmacher Nuri Sahin zu Real Madrid. (Bericht: Sahin: Holz- oder Königsweg?)

Sahin-Abgang - verändertes Team-Gefüge

"Sportlich ist es ein großer Verlust, das ist ganz klar. Denn er war spielprägend bei uns", sagt Michael Zorc im SPORT1-Interview.

Und der BVB-Sportdirektor ergänzt: "Am Ende des Tages wird Nuri nicht der Einzige bleiben. Aber wir sind bestrebt, diese Mannschaft zusammenzuhalten. Und das werden wir in großen Teilen auch schaffen."

Nicht unerheblich dabei auch: Können die aktuellen Jung-Überflieger wie Mario Götze, Marcel Schmelzer oder Kevin Großkreutz ihre bestechende Leistungskurve halten?

Gündogan kommt - Perisic soll kommen

Die Teilnahme an der Champions League wird den Borussen mindestens zusätzliche 20 Millionen Euro in die Kasse spülen. Allerdings soll davon nur ein kleiner Teil in die Mannschaft investiert werden, der Etat wird von 35 nur auf 40 Millionen aufgestockt.

Vier Millionen wurden bisher für die Verpflichtung des Nürnberger Mittelfeldspielers Ilkay Gündogan ausgegeben, der Sahin ersetzen soll. Verstärkung soll auch der kroatische Nationalspieler Ivan Perisic werden.

"Das ist kein Geheimnis. Perisic ist beidfüßig, schnell, strategisch nicht unbegabt und hat einen starken Kopfball", urteilt Klopp über den 22-jährigen Mittelfeldspieler vom FC Brügge.

Klose kein Thema mehr

Schon da sind Chris Löwe (Chemnitzer FC), Mittelfeld-Talent Moritz Leitner (zuletzt an den FC Augsburg ausgeliehen).

Außenverteidiger Julian Koch kehrt vom MSV Duisburg zurück, fällt wegen eines Kreuzbandrisses indes bis Jahresende aus.

Verabschiedet haben sich die Westfalen hingegen von dem Gedanken Nationalstürmer Miroslav Klose vom FC Bayern zu verpflichten. "Miro ist ein Supertyp. Wir haben über ihn nachgedacht, aber es passt eben aus bestimmten Gründen nicht", so Klopp.

Welche Rolle spielt Klopp?

Bei Klopp wiederum passte in dieser Saison alles.

Spannende Frage ist jedoch, ob der 43-Jährige bei seinem Team nach der Sommerpause taktisch wie menschlich erneut so perfekt den Ton trifft.

Als Favorit auf die kommende Saison sieht der Coach seine Mannen jedenfalls nicht: "Wir sind Meister, aber in der nächsten Saison nur Herausforderer. Wir sind nicht die Mannschaft, die es zu schlagen gilt."

Keine Lust auf Gejagten-Rolle

Und weiter: "Im nächsten Jahr ist wieder der FC Bayern der Topfavorit. Oder Leverkusen, das zu seiner Topmannschaft noch Schürrle (Andre Schürrle vom FSV Mainz 05, Anm. d.Red.) dazukriegt."

Das sieht Klopp aber wohl allein so.

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