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Liebling der Massen: Michael Ballack mit Bayer-Fans auf dem Zaun © imago

Michael Ballack hat in Leverkusen eine schwierige Saison hinter sich. Doch trotz aller Widrigkeiten hat er sich zurückgekämpft.

Von Thorsten Mesch

München - Als im vergangenen Sommer Michael Ballacks Rückkehr feststand, war bei den Verantwortlichen von Bayer 04 Leverkusen die Freude groß.

"Michael wird die Attraktion der Liga. Es ist riesig, dass so ein großartiger Spieler nun wieder in Leverkusen ist", sagte Trainer Jupp Heynckes.

Mit seiner Klasse und seiner Erfahrung sollte Ballack die mit vielen jungen Talenten gespickte Mannschaft in die Bundesligaspitze führen.

Der Mittelfeldspieler, der sich im Mai in seinem letzten Spiel für den FC Chelsea schwer verletzt und die Weltmeisterschaft in Südafrika verpasst hatte, wollte sich mit guten Leistungen zurück in die Nationalmannschaft kämpfen.

Ballklau gegen Vidal

Ballack wollte wieder der "Capitano" werden, und untermauerte seinen Anspruch gleich in seinem ersten Pflichtspiel für Bayer.

In der Europa-League-Qualifikation gegen Simferopol schnappte er sich in der 90. Minute den Ball und verwandelte einen Strafstoß, den eigentlich Arturo Vidal ausführen sollte.

"Elfer-Ärger um Ballack" schrieb die "Bild".

Verletzung gegen Hannover

Nur drei Wochen später sorgte Ballack wieder für Schlagzeilen.

Im Spiel gegen Hannover zog er sich eine Fraktur im Schienbeinkopf des linken Beins zu.

"Der Junge tut mir leid", sagte Sportchef Rudi Völler, Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser sprach sogar von einem "menschlichen Drama".

Rückkehr am 19. Spieltag

Doch Ballack gab nicht auf, ackerte in der Reha und fieberte seinem Comeback entgegen. Dennoch verpasste er die gesamte restliche Vorrunde.

Heynckes betonte immer wieder, seinen Star vorsichtig aufbauen zu wollen. Erst am 19. Spieltag in Mönchengladbach wechselte er Ballack erstmals wieder ein.

"Es dauert heutzutage einfach wahnsinnig lang, zurückzukommen, wenn man in sieben Monaten zweimal schwer verletzt war", sagte Heynckes-Assistent Peter Hermann.

Vor zehn Jahren hätte ein Führungsspieler "nach zwei, drei Trainingseinheiten" einfach wieder mitspielen können, erklärte Hermann.

"Heute geht das nicht mehr. Dafür ist das Spiel viel zu schnell geworden."

Nur zehn Spiele über die volle Zeit

In der flinken und schnell kombinierenden Leverkusener Mannschaft wirkte Ballack mit seiner großen Übersetzung bisweilen wie ein Fremdkörper, Kritiker sahen den 34-Jährigen als Auslaufmodell.

Die Zahlen sprechen tatsächlich gegen Ballack: Nur 17 Mal stand er in der abgelaufenen Bundesligasaison auf dem Platz, nur zehn Mal spielte er durch.

Zu wenig für Ballack und seine Ambitionen, zu wenig für Bundestrainer Joachim Löw, der ihn auch für die Länderspiele gegen Uruguay (29. Mai), in Österreich (3. Juni) und Aserbaidschan (7. Juni) nicht nominierte.

Ballack als Reizthema

Nicht nur wegen seiner immer noch ungeklärten DFB-Zukunft, war der "Capitano" in Leverkusen ein Dauerthema.

Fragen zu Ballack schienen wichtiger zu sein als die zur Mannschaft, die sich mit starken Auftritten in der Bundesligaspitze festsetzte.

Die Spieler reagierten zunehmend genervt.

Als Heynckes Ballack Anfang März gegen Wolfsburg nicht für die Startelf vorgesehen hatte, setzte sich dieser nicht auf die Bank, sondern trainierte lieber allein.

Der Bruch mit dem Trainer schien besiegelt. Doch wieder kam Ballack zurück.

Nicht vollständig integriert?

Ab dem 26. Spieltag kam er in allen Partien der Leverkusener zum Einsatz, spielte acht Mal durch und half mit, den zweiten Platz und damit die direkte Qualifikation zur Champions League zu erreichen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Aber statt sich mit dem Team zu freuen, ging Ballack nach den Spielen lieber allein zu den Fans, was bei einigen seiner Mitspieler nicht gut angekommen sein soll.

Am Ende der Saison wirkte Ballack trotz besser werdender Leistungen immer noch isoliert. Wie bei seinem ersten Spiel, als er Vidal den Ball wegschnappte.

Folgt Vidal Heynckes nach München?

Man darf gespannt sein, ob es Ballack schafft, sich in der kommenden Saison besser zu integrieren.

Mit Heynckes muss sich der Mittelfeldspieler nicht mehr auseinandersetzen. Der Trainer wird in der kommenden Saison beim FC Bayern auf der Bank sitzen.

Und sollte ihm Vidal entgegen der bisherigen Beteuerungen doch noch nach München folgen, hätte Ballack einen Konkurrenten weniger im Team.

Bierhoff schließt DFB-Comeback nicht aus

Unter dem neuen Trainer Robin Dutt werden die Karten neu gemischt. Auch für Ballack, der seinen Traum von der Rückkehr in die Nationalmannschaft verwirklichen will.

"Jetzt lassen wir einfach mal ein bisschen Zeit verstreichen und dann wird man sehen, was in der nächsten Saison passiert", sagte Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff am Sonntag im SPORT1-Doppelpass.

Ballack selbst schweigt. Er will Taten sprechen lassen. Dazu muss er vor allem von Verletzungen verschont bleiben. Und spielen.

"Michael weiß, wie ich über seine Situation denke", sagte Löw zuletzt im Interview mit dem "Fokus".

Rückkehr auf die große Bühne

In der kommenden Saison hat Ballack mit Bayer 04 noch einmal die Chance, sein Können auf der großen europäischen Bühne der Champions League zu zeigen.

Es könnte seine letzte sein.

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