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Gute Liga-Bilanz: Bayerns Anatoliy Tymoshchuk (l.) bestritt 26 Spiele © getty

Bayerns letzter Saison-Auftritt in St. Petersburg ist für den Mittelfeld-Mann mehr als nur eine Reise in die Vergangenheit.

Von Christian Paschwitz

München - Auch wenn es nur für kurze 48 Stunden ist: Anatoliy Tymoshchuk dürfte das Privatspiel für Sponsor Audi bei Zenit St. Petersburg (ab 17.55 Uhr LIVE im TV bei SPORT1) besonders genießen.

Schon deshalb, weil es für den Allrounder des FC Bayern die Rückkehr zum Ex-Klub nach Russland ist, bei dem Tymoshchuk nach wie vor viele Freunde hat.

Nicht zuletzt aber auch, weil der 32-Jährige beim letzten Saison-Auftritt noch mal zeigen kann, trotz der verkorksten - weil titellosen - Spielzeit, beim Rekordmeister zu den Gewinnern zu zählen.

Es könnte ein Schaulaufen werden nach einer für ihn immer wieder mal schwierigen Zeit bei den Bayern, die Tymoshchuk mit überzeugenden Leistungen vor allem seit Jahresbeginn aber vergessen gemacht hat.

Bei van Gaal auf Abstellgleis

Ohne den Ukrainer (26 Liga-Spiele, drei Treffer) wären die Münchner wohl auch nicht noch mit einem blauen Auge davon gekommen, hätten sie wohl Platz drei in der Liga und damit die Qualifikation für die Champions-League-Playoffs verpasst. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle 2010/'11)

Parallel dazu dürfte es für Tymoshchuk persönliche Genugtuung sein, die lange vermisste Wertschätzung der Klub-Granden Lügen gestraft zu haben.

Als es zwischen Präsident Uli Hoeneß und dem später entlassenen Trainer Lous van Gaal im vergangenen Oktober das erste Mal richtig knallte, bekam Tymoshchuk zwar durchaus lobende Worte zu hören.

Hoeneß gibt Rückendeckung - zwischenzeitlich

"Ein Tymoshchuk war ein Jahr lang nicht gut genug für Bayern. Gegen Freiburg war er der beste Mann in der zweiten Halbzeit. Es zeigt sich, dass die Spieler sehr wohl sehr brauchbar sind", hatte Hoeneß gesagt und sich damit gegen van Gaals Einschätzung verwahrt.

Insgesamt aber ist Tymoshchuk auch zwei Jahre nach seinem Wechsel aus St. Petersburg zu den Bayern für geschätzte elf Millionen Euro noch immer ein bisschen auf der Suche nach nachhaltigem Vertrauen.

[kaltura id="0_525bl8um" class="full_size" title="Kahn Bayern fehlt die Idee"]

In der vergangenen Winterpause schien der Mittelfeld-Stratege, der in den ersten 13 Spielen unter van Gaal zwar zwölf Mal beginnen dufte, dann aber als Dauer-Reservist fast in Vergessenheit geriet, einmal mehr vor dem Verkauf und auf dem Sprung zum VfL Wolfsburg.

Erneute Konkurrenz durch Luiz Gustavo

Zumal die Bayern durch den Kauf von Hoffenheims Luiz Gustavo Tymoshchuk erneut Konkurrenz vor die Nase setzte

Doch der angestammte Sechser, auf dieser Position auch noch mit Mark van Bommel und Bastian Schweinsteiger konfrontiert, blieb erneut ruhig - und sollte dafür belohnt werden.

Als Dezember immer mehr Stammspieler verletzt ausfielen, sprang der Ukrainer als Allrounder in die Bresche, überzeugte dabei sowohl als Innenverteidiger wie als defensiver Mittelfeldspieler.

Niemals geklagt

Geholfen hat Tymoshchuk dabei seine Klaglosigkeit.

"Ich akzeptiere jede Entscheidung des Trainers, auch wenn ich mal anderer Meinung bin", sagt der stets besonnen wirkende Familienvater, der sich nicht bloß wegen der problematischen Geburt seiner Zwillinge, die als Frühgeburten lange im Krankenhaus bleiben mussten, gegen einen Abschied aus München entschied.

"Vermeiden muss man", sagte Tymoshchuk einmal, "dass eine endgültige Entscheidung von Emotionen diktiert wird."

Kommt jetzt Vidal?

Insofern ist auch nicht davon auszugehen, dass sich der Ukrainer anders als bisher verhält, wenn ihm zum zum wiederholten Male seine Lieblingsposition streitig gemacht werden könnte, er wahrscheinlich gegenüber Bayerns Wunschkandat Arturo Vidal (Bayer Leverkusen) erneut die Rolle des Herausforderers annehmen muss.

In der Gegenwart und ein Jahr vor der EM in seinem Heimatland zählt der Muster-Profi (Ex-Trainer Dick Advokaat: "Er hat noch nie über die Stränge geschlagen.") aber zu den tragenden Säulen. (241095AKTUELL: Bayerns Planspiele)

Das will Tymoshchuk auch im Petrowski-Stadion gegen Zenit unterstreichen; das Team, bei dem er Kapitän war, russischer Meister und bester Spieler in Russland wurde - und mit dem er beim UEFA-Cup-Triumph 2008 ausgerechnet den Bayern im Halbfinale eine der bittersten Pleite zufügte.

"Timo" kann nun nochmals ein Zeichen setzen.

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