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Friedhelm Funkel wechselte 2010 von Hertha BSC zum VfL Bochum © getty

Gladbachs später Siegtreffer sorgt beim Verlierer für riesige Verärgerung. Der Zweitligist fühlt sich "um den Lohn gebracht".

Von Martin Volkmar

München - Als Igor de Camargo in der Nachspielzeit der Nachspielzeit das erlösende 1:0 (Bericht) gelungen war, gab es kein Halten mehr.

Nicht nur für die Gladbacher, die den Borussia-Park nach dem nicht mehr erwarteten Last-Minute-Sieg im Relegations-Hinspiel zur Bundesliga in ein Tollhaus verwandelten.

Sondern auch und vor allem für Bochums Trainer Friedhelm Funkel, der wie von der Tarantel gestochen das Schiedsrichtergespann bestürmte.

Die Gäste waren stinksauer darauf, dass der Unparteiische Günter Perl nicht pünktlich abgepfiffen hatte (DIASHOW: Bilder des Spiels).

Funkel schimpft

"Der Schiedsrichter hat zwei Minuten Nachspielzeit anzeigen lassen. Beim Einwurf waren es 2:08 Minuten gespielt. Den hätte er schon gar nicht mehr ausführen lassen dürfen", schimpfte Funkel nach seinem minutenlangen Wortgefecht mit Perl:

"Dann soll er direkt drei Minuten anzeigen. Dann hätten wir keinerlei Probleme. So aber hat er uns um das verdiente Remis gebracht."

Denn stattdessen landete der besagte Gladbacher Einwurf über einige Umwege bei de Camargo, der mit einem artistischen Volley aus kurzer Distanz den bis dahin unüberwindlichen VfL-Keeper Andreas Luthe bezwang.

"Da freust du dich doch drüber", warf Funkel Perl an den Kopf, der seinerseits erklärte: "Ich habe so lange nachspielen lassen, wie ich es für richtig halte."

"Eine Frechheit"

Was beim Verlierer auf völliges Unverständnis stieß. "Eine Frechheit", meinte Bochums Kapitän Christoph Dabrowski bei "sky": "Ich habe kein Verständnis dafür und keine Ahnung, was da im Kopf des Schiedsrichters vorgegangen ist. Wir wurden um unseren verdienten Lohn gebracht."

[kaltura id="0_p64lrjxr" class="full_size" title="Gladbach bangt um Reus"]

In der Tat hatten wohl alle der 54.057 Zuschauer im ausverkauften Borussia Park bereits mit einem 0:0 gerechnet. Der Zweitligist hielt die Partie offen, konnte sich vor allem nach dem Wechsel auch beim starken Luthe bedanken (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Luthe rechnet fest mit Aufstieg

"Das war ganz okay, aber ich kann schon noch besser spielen", sagte der Keeper, der sich über das späte Gegentor "nach so einem geilen Spiel" ärgerte: "Aber das ist kein Beinbruch. Es ist nicht viel passiert. Nächste Woche ist noch ein Spiel. Ich bin 100 Prozent überzeugt, dass wir gewinnen werden."

Auch den Gladbachern ist die Schwere des Rückspiels am kommenden Mittwoch bewusst.

Bonhof erwartet "Schlacht" in Bochum

"Man hat gesehen, dass Bochum mithalten kann. Sie haben gute Konter und Stiche gesetzt. Es wird eine Schlacht werden in Bochum", erklärte Gladbachs Vize-Präsident und Ex-Star Rainer Bonhof.

Immerhin gelang es den "Fohlen", ihre Negativserie gegen Bochum nach zwölf Jahren und 15 Spielen ohne Sieg zu beenden. Somit besteht nach der Aufholjagd in der Liga weiter Hoffnung, den dritten Bundesliga-Abstieg zu verhindern.

"Wir sind noch nicht gerettet und müssen den Ball flach halten", warnte Stürmer Mike Hanke. Und Coach Lucien Favre ergänzte: "Ich bin optimistisch, aber es bleibt schwer."

Verzichten muss Favre dann wahrscheinlich auf Marco Reus. Der Mittelfeld-Spieler zog sich einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zu, sein Einsatz im Rückspiel ist fraglich.

"1:0 kein gutes Ergebnis"

Der gegnerische Trainer unkt dennoch: "Das 1:0 ist kein gutes Ergebnis für uns", sagte Funkel. "Unsere Chancen sind kleiner geworden, aber sie sind noch da."

Immerhin haben der Coach und sein Team einen Ruf zu verlieren: Funkel stieg bislang fünfmal aus der Zweiten Liga auf.

Und dem VfL gelang nach den bisherigen fünf Abstiegen immer die sofortige Bundesliga-Rückkehr.

Daher richtete Dabrowski den Blick nach vorne: "Es ist noch nichts entschieden. Wir glauben an uns und werden im Rückspiel alles versuchen, um den Aufstieg klar zu machen."

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