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Nils Petersen (l., mit Wollitz) hat bei Bayern einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben © imago

Sein Vater findet Nils Petersen "zu nett", Coach Wollitz ist bei SPORT1 aber zuversichtlich, dass er es bei Bayern packen kann.

Von Martin Hoffmann und Christian Stüwe

München - Nils Petersen könnte sich fast so vorkommen, als wäre er schon gescheitert.

Denn sie kommen nach seiner Unterschrift beim FC Bayern in Massen, die Verweise auf die Schlaudraffs, Görlitze und Baumjohanns.

All die Talente, die in jungen Jahren dem Ruf des großen FC Bayern gefolgt waren - und dort gewogen und für zu leicht befunden worden.

Von der Zweiten Liga, vom Mikrokosmos Cottbus in die große, weite, aufregende und aufgeregte Bayern-Welt? In den "Sackbahnhof der Bundesliga" ("Frankfurter Rundschau"), den Friedhof der jungen Karrieren? Das könne doch nicht gutgehen.

"Wenn er nicht das Zeug hätte, hätte er es nicht gemacht"

Kann es, findet Claus-Dieter Wollitz. "Wenn er nicht das Zeug hätte, hätte er es nicht gemacht", befindet der Noch-Coach des Zweitliga-Torschützenkönigs im Gespräch mit SPORT1.

"Da kommt ein absoluter Top-Top-Profi zu den Bayern", verspricht Wollitz - und meint das sportlich wie charakterlich: "Das ist einer, der auch bei Bayern nicht die Bodenhaftung verliert."

Aber ist Petersen top-top genug, um sich durchzusetzen gegen eine Konkurrenz aus Leuten wie Gomez, Olic, möglicherweise auch noch Klose?

Sorge um die Spielpraxis

Falsche Frage, findet Wollitz. Zum jetzigen Zeitpunkt. "Man kann noch nicht von Konkurrenz sprechen, sondern davon, dass man sich ergänzt", so der Coach.

Wollitz selbst hat die Sorgen um den 22-Jährigen befeuert - mit öffentlich geäußerten Befürchtungen, der Wechsel käme womöglich doch zu früh und dass Petersen eher ein System mit zwei Spitzen bräuchte.

Der Cottbus-Coach hofft nun vor allem, dass der 2,8-Millionen-Mann genügend Spielpraxis bekommt: "Es wäre jedenfalls nicht gut, wenn einer wie er Spielpraxis in der Regionalliga bekommt."

[kaltura id="0_elkeatx1" class="full_size" title="Petersens Vorstellung im Video"]

Ex-Coach nannte ihn "Jens"

Dafür, dass es mit dem Durchbruch klappen kann, spricht der bisherige Werdegang des Jungstürmers aus der Kleinstadt Wernigerode im Harz.

"Als ich 2009 aus Jena kam, waren doch viele Leute fast belustigt darüber, dass Energie 300.000 Euro für mich ausgegeben hat", erinnerte er sich kürzlich in der "Super Illu": "So viel Geld für einen unwichtigen Perspektivspieler."

Petersen hatte einen schweren Stand, der damalige Coach Bojan Prasnikar konnte sich nicht mal seinen Vornamen merken, nannte ihn "Jens".

Schwäche? "Er ist zu nett"

Auch Wollitz nahm Petersen anfangs nicht wahr ("Ich ärgere mich manchmal selbst darüber, wie blind ich war").

Petersen schluckte es. "Er hat sich immer brav hinten angestellt", schildert Vater Andreas: "Das ist seine einzige Schwäche: Dass er so nett ist."

Fordern, das ist nicht Petersens Naturell. Selbst nach dem Durchbruch in Cottbus forderte er keine Gehaltserhöhung ? er bekam sie ungebeten.

Womöglich unterschätzt

Womöglich unterschätzt Andreas Petersen seinen Spross: Er war womöglich nicht zu nett, sondern einfach klug genug zu wissen, dass er nicht aufmucken musste, um sich in den Vordergrund zu stellen.

Sondern dass seine Qualitäten das früh genug für ihn erledigen würden.

Der Vater hat ihm viele davon mitgegeben. Selbst Trainer, war er "fast noch ehrgeiziger als ich", brachte ihm unter anderem das beidfüßige Spiel bei.

Instinktkicker und Strafraumwühler

Es kam Petersens Art zu spielen zugute: Er ist ein Instinktkicker, der früh erahnt, wie die Bälle kommen - und alle Mittel kennt, sie zu versenken.

Petersen ist vor allem ein Strafraumwühler, jedes seiner 25 Saisontore hat er im Sechzehner erzielt.

Eben deshalb sieht Wollitz seinen Schützling gut beim Rekordmeister aufgehoben: "Bayern hat die meisten Strafraumszenen, die meisten Chancen, die meisten Ballbesitz, das ist die Art, die Nils Petersen braucht."

Er könne außerdem "sehr profitieren" vom Zusammenspiel mit den Arrivierten, lernen von der Laufintelligenz eines Klose, vom Torriecher eines Gomez.

"Jeden Tag den Arsch aufreißen"

Petersen, der im Sommer ein Fernstudium "in Richtung Sportmanagement" beginnen will, ist clever genug, dass er gegen Bayerns "Großkopferte" noch keine großen Ansprüche stellen kann.

Nur an sich selbst: Er will sich "der Konkurrenz stellen", "Gas geben" und sich "jeden Tag den Arsch aufreißen".

Ansonsten stellt sich Petersen erst einmal brav hintenan. Es muss kein Zeichen von Schwäche sein.

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