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Ottmar Hitzfeld war von 1998 - 2004 und 2007- 2008 Trainer des FC Bayern © getty

Der Ex-Bayern-Coach findet viele Kritikpunkte an dem Niederländer - und wundert sich, warum Sahin kein Bayern-Angebot bekam.

Von Dustin Werk

München - Der FC Bayern hätte Louis van Gaal schon im Winter entlassen sollen.

Das sagt ein Mann, dessen Urteil Gewicht hat beim Rekordmeister: Ottmar Hitzfeld, der ehemalige Erfolgscoach.

"Ein Wechsel in der Winterpause wäre sinnvoller gewesen", befindet der Schweizer Nationalcoach im Interview mit der "Bild"-Zeitung. Der Niederländer habe sich im Jahr nach der Double-Saison zu sehr angreifbar gemacht - menschlich wie fachlich.

FCB-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer wünscht sich derweil von Sportdirektor Christian Nerlinger eine deutlich offensivere Rolle.

"Kampf gegen eine Führung kann man nicht gewinnen"

Hitzfeld kritisiert vor allem van Gaals fehlenden Kooperationswillen mit der Chefetage des FCB: "Den Kampf gegen eine Führung kann man nicht gewinnen", so Hitzfeld.

"Es ist auch eine Frage des Respekts vor dieser Fachkompetenz in der Bayern-Führung. Wenn der notwendige Respekt fehlt, hat man keine Chance. Diese Probleme führten dazu, dass das Band zerschnitten war."

Indirekte Kritik übt Hitzfeld auch daran, dass van Gaal Mario Gomez vor der Saison ziehen hätte lassen: "Gut, dass Uli Hoeneß da ein Machtwort gesprochen hat. Soviel zum Sachverstand der Führung."

Die Kunst des Rotierens

Als möglichen Fehler van Gaals nennt Hitzfeld auch, "zu sehr an seinem Konzept festzuhalten, das Spiel in die Abhängigkeit von Robben und Ribery zu legen".

"Es hätte genügend Spieler gegeben, um erfolgreich zu sein. Man hätte das Spiel anders gestalten können," behauptet Hitzfeld.

Gerade weil das System so für "Robbery" ausgelegt war, "war man in manchen Phasen zu abhängig von ihnen."

Als einen weiteren Grund für das titellose Jahr sieht der 62-Jährige die mangelnde Rotation: "Van Gaal hat immer mit der gleichen Mannschaft durchgespielt. Das geht an die Substanz."

Gerade nach der WM im Sommer und der sehr kurzen Sommerpause für die bayrischen Nationalspieler, wären Pausen angebracht gewesen: "Es ist die Kunst, den Spielern auch Pausen zu geben. Ich habe viel rotiert, das ist notwendig", befindet Hitzfeld.

Mangels Rotation und Einsatzzeiten hat auch Hamit Altintop die Bayern Richtung Real Madrid verlassen.

Sahin "hätte gepasst"

Dass Nuri Sahin, den es ebenfalls dorthin zieht, nicht von den Bayern umworben wurde, wundert Hitzfeld: "Ich bin erstaunt, dass er kein Angebot bekommen hat. Er hätte gut gepasst."

Mit Manuel Neuer wird Bayern wohl einen Torwart holen, der in die riesigen Fußstapfen von Oliver Kahn treten kann.

Für Hitzfeld ist das durchaus möglich: "Die Voraussetzungen sind da. Es ist für Neuer eine riesige Herausforderung mit Kahn in einem Atemzug genannt zu werden. Kahn hat viele Titel für Bayern gerettet. Da muss Neuer hinkommen. Er hat die Veranlagung, Großes zu erreichen. Aber er muss dem Druck standhalten."

Dass die Bayern jetzt in der Champions-League-Qualifikation ranmüssen sei kein Problem: "Sie schaffen das und sind nächstes Jahr Mitfavorit auf den Titel."

Beckenbauer ermahnt Nerlinger

"Christian Nerlinger hat einen guten Job gemacht. Doch leider ist er nicht so aus dem Hintergrund getreten. Das wird sich ändern. Das muss sich ändern, damit er akzeptiert wird", sagte Beckenbauer bei "Sky".

Beckenbauer warf ein, dass es Nerlinger auch deshalb schwer habe, weil sich Präsident Uli Hoeneß nicht wie geplant zurückgezogen habe.

"Wenn der Uli in seinem Büro ist, dann gehen doch alle zum Uli und laufen an Nerlingers Büro vorbei", sagte Bayerns Ehrenpräsident.

Hoeneß sei es aber zu verdanken, dass man sich von Trainer Louis van Gaal getrennt habe. "Wenn der Uli das nicht gemacht hätte, wäre van Gaal immer noch Trainer und wir ständen auf Rang acht."

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