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Manuel Neuer führte Schalke zum Pokalsieg und ins Champions-League-Halbfinale © imago

Schalke-Boss Tönnies kämpft um seinen Kapitän, der angeblich ein Mega-Angebot bekommen hat. Andere Profis sollen S04 verlassen.

Von Thorsten Mesch

München - Dass ihm nicht jeder in der großen Schalker Familie wohl gesonnen ist, bekam Manuel Neuer am Sonntagnachmittag am eigenen Leib zu spüren .

Die Ohrfeige, die Neuer während des Auto-Korsos durch Gelsenkirchen 408229(Bilder) von einem Fan verpasst bekam, hat noch einmal deutlich gezeigt (Bericht: Ohrfeige für Neuer):

Einige Anhänger nehmen dem Kapitän seinen angekündigten Abschied von den Königsblauen äußerst übel.

Geht Neuer überhaupt?

Dass ihr Idol ausgerechnet zum FC Bayern wechseln will, passt nicht in ihr Weltbild.

Wann Neuer den Wechsel nach München vollziehen wird, war vor dem gewonnen Pokalfinale das große Thema. Jetzt könnte die Frage plötzlich sogar heißen: "Geht Neuer überhaupt?"

Tönnies wie ein Drachentöter

Vieles deutet darauf hin, dass sich die Bayern zumindest noch bis zum kommenden Jahr gedulden müssen. "Es kann gut sein, dass er noch ein Jahr bleibt", sagte Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies am Samstagabend.

"Ich lasse einen Manuel Neuer nicht so einfach gehen. Er ist für mich wie ein Sohn, ich bin strikt gegen diesen Transfer", erklärte er am Sonntag der "Bild" und tönte: "Ich will Manuel den Bayern noch aus dem Rachen reißen."

Wie ein Drachentöter, der die schöne Prinzessin aus der Gewalt des Ungeheuers befreien will, wirft sich Tönnies zwischen Neuer und den FC Bayern.

Verzicht auf Bayern-Millionen möglich

Die Münchner Vereinsbosse waren davon ausgegangen, dass Schalke kurz nach dem Endspiel in Berlin ihr Angebot annehmen und den Transfer verkünden werde.

Auf 18 Millionen Euro plus bis zu sieben Millionen erfolgsabhängiger Nachzahlungen soll sich die Offerte des Rekordmeisters belaufen.

Doch es wäre denkbar, dass Schalke auf die Millionen aus München verzichtet. "Die Rechnung ist erst zu Ende, wenn ein Strich drunter ist", meinte Tönnies.

Neuer müsste in diesem Fall noch ein Jahr bleiben, könnte dann allerdings ohne Ablöse gehen.

[kaltura id="0_1g2d9xip" class="full_size" title="Schalke k mpft um Neuer"]

"Watschn" für Hoeneß und Rummenigge

Für den Torwart "kein Problem", wie er nach dem Finale in Berlin erklärte. "Ich habe ja noch einen Vertrag bis 2012."

Die Bayern könnten auch damit leben, schließlich haben sie in Jörg Butt noch einen guten Torwart und würden viel Geld sparen.

Eine "Watschn" wäre die plötzliche Wendung für Präsident Uli Hoeneß und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge aber dennoch ? immerhin waren sich beide ziemlich sicher, dass der Wechsel in diesem Sommer über die Bühne gehen werde.

Sondersitzung des Schalker Aufsichtsrats

Es könnte sogar richtig peinlich werden für die Münchner.

Laut "Bild" will Tönnies Neuer ein Vier-Jahres-Angebot mit sieben Millionen Euro Gehalt pro Saison machen und ihn durch Star-Einkäufe zum Bleiben bewegen. Welche Stars kommen sollen, bleibt allerdings unklar.

Am Dienstag berät sich Tönnies mit Manager Horst Heldt (41). Für nächsten Montag (30. Mai) kündigte Tönnies eine Sondersitzung des Schalker Aufsichtsrats an.

Neues Geld vom Hauptsponsor

Kampflos wollen sich die Königsblauen nicht geschlagen geben.

Mit Hilfe von Hauptsponsor Gazprom, der bis 2017 geschätzte 80 Millionen Euro zahlen wird, wollen sie Neuer halten und eine Mannschaft aufbauen, die nach der schwachen letzten Saison wieder um einen Champions-League-Platz spielen kann.

Sollte die Königsklasse erreicht werden, wäre der Verzicht auf die bis zu 25 Neuer-Millionen bereits kompensiert.

Verhandlungen über Raul und Farfan

Eine der Hauptaufgaben von Manager Heldt und Trainer Ralf Rangnick wird sein, Leistungsträger wie Raul und Jefferson Farfan (beide Vertrag bis 2012) zu binden, den Kader zu verstärken und zu verschlanken.

Die Gespräche mit Raul, der schon seine Bereitschaft, ein Jahr dranzuhängen, erklärt hat, sind bereits angelaufen.

Auch Farfan würde wohl gern bleiben. Die Verhandlungen mit dem Berater des Peruaners dürften allerdings nicht einfach werden.

Kader wird ausgedünnt

Wohl keine neuen Verträge werden die von Felix Magath geholten Angelos Charisteas, Ali Karimi und Danilo Avelar bekommen.

Nicolas Plestan, Ciprian Deac und Hao Junmin, die alle bis 2013 unter Vertrag stehen, spielten allesamt in der vergangenen Saison keine Rolle und sollen, wenn möglich, verkauft werden.

Vasilios Pliatsikas steht vor einem Wechsel nach Duisburg. "Er soll für ein Jahr ausgeliehen werden. Es müssen nur noch ein paar kleine Dinge geklärt werden", sagte Heldt am Samstag.

Treffen mit Ex-Schalker Fährmann

Auf der Suche nach einem möglichen sofortigen Nachfolger für Neuer gelten der niederländische Nationaltorwart Maarten Stekelenburg (Ajax) und Hannovers Ron-Robert Zieler als Wunschkandidaten.

Beide stehen jedoch bei ihren Verein bis 2013 in der Pflicht und müssten aus ihren Verträgen heraus gekauft werden. Gleiches gilt für Kaiserslauterns Nachwuchs-Talent Kevin Trapp.

Laut "kicker" hat sich Rangnick bereits mit dem Ex-Schalker Ralf Fährmann getroffen. Der Frankfurter wäre immerhin ablösefrei zu haben.

Adler und Wiese 2012 ablösefrei

Sollte Neuer aber noch ein Jahr auf Schalke bleiben, würde sich Schalkes Verhandlungsposition verbessern. Denn auch Leverkusens Rene Adler und Bremens Tim Wiese wären im kommenden Jahr ohne Ablöse auf dem Markt.

Neuer selbst verhält sich passiv. "Ich werde auf meinen Verein keinen Druck ausüben", betonte der 25-Jährige im "kicker".

"Wo ich nächste Saison spiele, ist jetzt ganz allein die Entscheidung der Verantwortlichen von Schalke 04."

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