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Oliver Kahn wurde dreimal zum Welttorhüter des Jahres gewählt © SPORT1

Der ehemalige Bayern-Kapitän hat viel Lob für Hoffenheim. Im Spitzenspiel - und am Saisonende - haben aber die Münchner die Nase vorn.

Von Conny Konzack

Nürnberg - Feinster Zwirn, blaue Krawatte und mega-spitze Schuhe, dazu die neue Style-Frisur vom Sponsor:

Oliver Kahn, 38, trat auf wie ein Businessman. Wobei er am späten Donnerstagabend beim "Tucher-Sportlerstammtisch" in Nürnberg durchaus "business" machte.

Fußball-Talk ? nur von der anderen Seite aus.

Kahn redete nicht mehr von "uns" Bayern, sondern von "den" Bayern, als er vor 300 Nürnbergern das heutige Spitzenspiel zwischen dem FC Bayern und 1899 Hoffenheim (ab 20 Uhr LIVE). schon mal vorab tippte: "Klarer Sieg für die Bayern!"

Einfach besser besetzt

Logisch, was soll ein Kahn auch schon sagen? Spannender waren seinen Begründungen:

"Hoffenheim spielt einen fantastischen, schnellen Fußball und man merkt deutlich, dass Trainer Ralf Rangnick seine Vorstellungen immer mehr durchsetzen konnte", dozierte der ehemalige Weltklasse-Torwart.

Die Strukturen bei der TSG seien "total auf Erfolg abgestimmt. Wie nachhaltig das sein wird, wird sich allerdings noch zeigen", so Kahn.

Jedenfalls wisse man in München seit 30 Jahren mit Druck umzugehen, "besonders in Spielen zwischen dem Ersten und dem Zweiten. Bayern ist zudem auf allen wichtigen Positionen einfach besser besetzt."

"Eine geile Mannschaft"

Bayern könne "besser mit dem Druck eines Spitzenspiels umgehen als Hoffenheim", erklärte Kahn. "Die Jungs werden topmotiviert ins Spiel gehen und Hoffenheim nicht zum Spiel kommen lassen."

Er sehe "weit und breit keine Mannschaft, die Bayern auf die Dauer gefährlich werden kann. Die haben dieses Jahr eine ? pardon ? geile Mannschaft."

Von den Namen her war "wohl keine Bayern-Mannschaft davor besser besetzt." Bayern habe "wieder echte Typen im Team, die auch noch attraktiven Fußballl spielen können", sagte der ehemalige "Leitwolf". Zudem sei das aktuelle Team defensiv gut aufgestellt.

Bayern am Ende vorn

Und wenn es doch eine Niederlage gibt?

Kahn: "Nein, nein, das wird nicht vorkommen, aber auch sechs Punkte Rückstand wären nicht so schlimm ? sollte Freitagabend tatsächlich doch kein Sieg heraussspringen, greift Uli Hoeneß' "Jetzt-erst-recht-Mentalität "? und am Ende steht der FC Bayern wieder vorn."

Systemwechsel hat Erfolg gebracht

Kahn auf die Frage, wodurch Bayern wieder erstarkt ist:

"Jürgen Klinsmann hat schnell gemerkt, das Bayern kein Experimentierfeld ist. Er hat sich sicherlich gefragt: Kehre ich zurück zur alten Bayern-Erfolgsformel? Und seitdem er zur alten Hitzfeld-Taktik zurückgekehrt ist, läuft's wieder bei den Bayern. Das bessere System hat den Erfolg zurückgebracht."

Hoffenheim bietet mehr Reizpunkte als Werder

Es scheint, als wäre Kahn gegen Hoffenheim gern noch einmal die Nummer eins. Erster gegen Zweiter ? das waren früher immer typische Kahn-Spiele:

"Stimmt, die haben mir immer gefallen. Nur waren andere Teams wie Bremen, Schalke oder Dortmund die Gegner ? und nicht Hoffenheim."

Das solle aber nicht despektierlich wirken, betonte Kahn, "ich habe Respekt vor denen".

Der Aufsteiger aus dem Kraichgau, so Kahn weiter, "bietet auch noch mehr Reizpunkte für so ein Duell, als das bei Werder oder Dortmund der Fall wäre. Hoffenheims Aufstieg erinnert mich auch irgendwie an den 1.FC Kaiserslautern, der als bisher letzter Aufsteiger 1997 gegen Bayern gewonnen hatte und dann sogar auch noch gleich Meister wurde. Das wird mit Hoffenheim aber nicht passieren.."

Harmlose Giftpfeile

Wie beurteilt Kahn die Giftpfeile, die seit Tagen zwischen München und Hoffenheim schwirren?

"Ach, das ist doch harmlos gegenüber früher. Das ist doch alles nur tägliches Ballyhoo, das zum Fußball heute dazu gehört."

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