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Stefan Effenberg absolvierte für Mönchengladbach 118 Bundesliga-Spiele © getty

Der Verein fürchtet einen Putsch, die Fans bleiben kritisch: Die Borussia steht vor einer wegweisenden Jahreshauptversammlung.

Von Mathias Frohnapfel

München - "Ich habe mir das lange genug angesehen."

Es war ein typischer Effenberg-Satz, mit dem Stefan Effenberg vor Wochen seine Wahlkampagne eröffnete.

Der Tiger brüllte und fand in den Medien breites Gehör, zumal Mönchengladbach scheinbar aussichtlos auf die Zweite Liga zusteuerte.

Mittlerweile ist der Ligaerhalt geschafft, doch Effes Anspruch bleibt: "Ich stehe lieber auf und packe an, anstatt immer nur zu reden." Mit der "Initiative Borussia" plant er die Machübernahme.

Am Sonntag ab 12 Uhr will er Präsident Rolf Königs und Sportdirektor Max Eberl in der Mitgliederversammlung die Leviten lesen und aus dem Amt jagen.

Für den Weltklassefußballer spricht aus seiner Sicht eben jene geballte Sachkompetenz, die er der jetzigen Führung abspricht.

In den letzten Wochen ist der 42-Jährige in die Rolle des Wahlkämpfers geschlüpft und hat in jedem Interview und bei jedem Ortstermin, unter anderem im Schützenhaus Bad Lippspringe, vermeintliche und tatsächliche Fehler der Gladbacher Vereinsführung genüsslich aneinander gereiht.

Seine Kernaussage: Der Verein brauche eine neue Struktur - natürlich mit ihm und seinen Getreuen an der Spitze (GAMES: Der SPORT1 Tipp-König).

Zwei-Drittel-Mehrheit wird benötigt

Doch damit Effenberg und seine Mitstreiter an die Macht kommen, brauchen sie eine Zwei-Drittel-Mehrheit.

Nur so kann die Satzung geändert werden. Und erst dann wäre der Weg frei für "Effe" - als Manager ja noch Berufsanfänger - und den potenziellen Präsidenten Horst Köppel.

"Die Mitglieder müssen entscheiden, ob sie sinnvolle Veränderungen wollen, oder so weitermachen wollen wie in den vergangenen erfolglosen Jahren", sagte Effenberg.

Allerdings ist unklar, ob die Initiative die Mitglieder überzeugen kann, von Fan-Seite gab es zuletzt auch Kritik.

[kaltura id="0_rqq7v158" class="full_size" title="Dante spricht von Abschied"]

Präsident Königs bekam in den letzten Wochen Breitseite um Breitseite von Effenberg ab: "Millionen wurden für Spieler und Trainer verbrannt", lästert der Ex-Nationalspieler und will es selbst viel besser machen.

Schließlich habe er beste Kontakte und könne die gerne spielen lassen.

Jugendarbeit verbessern

Effenberg will den Kader verkleinern und die Jugendarbeit der "Fohlen" verbessern.

"Ich gebe dann vor, wie trainiert wird und was trainiert wird. Borussia Mönchengladbach hat es verdient, dass mal wieder guter Fußball gespielt wird."

Natürlich hat die "Initiative Borussia" Mönchengladbach zum Klassenerhalt gratuliert (DIASHOW: Bilder des Relegationsspiels).

Ob der Erfolg in der Relegation über den VfL Bochum (Spielbericht) Effenberg und Co. allerdings in die Karten spielt, ist eine andere Frage.

Initiative fordert Reformen

Überhaupt betrachten Effenberg und seine Getreuen den Ligaverbleib aus ihrem Blickwinkel.

"Was wäre möglich gewesen, wenn Trainer Lucien Favre früher geholt worden wäre? Warum haben die Vereinsführung und der Sportdirektor so lange an Trainer Michael Frontzeck festgehalten?", heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative.

"Umso mehr wird jetzt deutlich, wie sehr eine Reform an Haupt und Gliedern des Vereins notwendig ist, damit Borussia nicht erneut in derartige Turbulenzen gerät!"

Die Initiative fährt scharfe Geschosse auf und ärgert sich mächtig über die Stadionzeitung, die kurz vor der Jahreshauptversammlung an alle Mitglieder verschickt wurde.

Geht es nur "um gut bezahlte Posten"?

Darin heißt es, Effenberg und seine Mitstreiter wollten sich vor allem "gut bezahlte Posten bei der Borussia" schaffen, wie Präsident Rolf Königs mäkelte.

"Viele Mitglieder werten das als Veruntreuung von Vereinsgeldern", verurteilte die Initiative umgekehrt die Produktion des Heftes.

Im Wahlkampf geht es wenig zimperlich zu.

"Ich wundere mich manchmal, wer alles die Raute im Herzen trägt. Da sind Menschen unterwegs, die alles für Borussia geben wollen, aber vom Selbstzweck angetrieben werden", schimpfte Präsident Königs via "Bild".

Mitgliedsbeiträge nachgezahlt

Als "Lügenmärchen aus dem Königs-Palast" bezeichnete die Initiative ihrerseits die Ansicht, sie plane eine Zweiteilung des Vereins und der GmbH, wodurch die Fans vom Fußball entfernt würden.

Kein Lügenmärchen ist, dass Effenberg drei Jahren seine Mitgliedsbeiträge nicht gezahlt hat. Der Verein gewährte ihm jetzt eine Nachzahlung, in die Öffentlichkeit gelangte die Geschichte - wen wundert's? - dennoch.

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