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Ihre Zeit läuft ab auf Schalke: Trainer Fred Rutten (l) und Manager Andreas Müller © getty

Die Fans haben genug von königsblauer Konzeptlosigkeit: Der vorm Rauswurf stehende Trainer Rutten ist gegen Hertha zum Siegen verdammt.

Von Christian Paschwitz

München - Wenn die Fans den Aufstand proben, waren in der Vergangenheit personelle Schnitte meist nicht mehr weit auf Schalke.

Nach dem peinlichen So-gut-Wie-Aus sogar im UEFA-Cup (1:2 in Enschede) und Rang neun in der Liga taumelt S04 derart hart am Abgrund, dass der vorm Rauswurf stehende Trainer Fred Rutten im Spiel gegen Hertha BSC zum Siegen verdammt ist.

Der Niederländer, vom Boulevard wegen seiner Konzeptlosigkeit "Ratlos-Rutten" getauft, dürfte nicht mehr viele Bewährungschancen bekommen nach vier Pleiten aus den vergangenen fünf Partien. Zu explosiv ist die Stimmung bei den "Knappen", vor wenigen Monaten noch mit dem Anspruch eines Champions-League-Teams gestartet.

Nach dem jüngsten sportlichen Offenbarungseid, ironischerweise ausgerechnet gegen Ruttens Ex-Klub, laufen die Anhänger Sturm. Die Profis müssen sich beim nächsten Auftritt auf einiges gefasst machen: Von Stimmungsboykott in der Veltins-Arena ist die Rede. Vielleicht sogar von einem Generalstreik.

Gang zum Fan-Block verweigert

Die hitzigen Emotionen richten sich gegen die leblos daherkommenden Spieler, die zuletzt selbst den Gang zum mitgereisten Fan-Block verweigerten. Sie zielen aber ebenso ab auf Rutten (Trainerporträt) , der zum Unverständnis vieler Beobachter in Eschede keinen Offensivspieler mehr brachte.

Trotz zwei verbleibender Wechsel-Optionen. Ungeachtet Ivan Rakitic und Vicente Sanchez auf der Bank.

Schließlich trifft die Wut den ungeliebten Andreas Müller. Nicht zuletzt die Verpflichtung von Flops wie Orlando Engelaar (Spielerporträt) und Jefferson Farfan drohen den Manager wegen völlig verfehlter Transferpolitik neben dem letzten Rest an Respekt nun auch den Job zu kosten.

Müller wehrt sich

Der 45-Jährige wehrt sich zwar vehement gegen die Kritik, auch von Ex-Manager Rudi Assauer ("Kein Arsch in der Hose") und vom ehemaligen Trainer Mirko Slomka: "Jetzt ist es an der Zeit, sich nicht mehr alles gefallen zu lassen. Man sollte mit den Märchen aufräumen, dass früher alles toll war."

Und meint: "Ich bin weder angeschlagen noch liege ich irgendwo in der Ecke. Rutten und ich haben vom Aufsichtsrat ein klares Bekenntnis erhalten."

Mangels personeller Spieler-Alternativen könnte die Ankündigung personeller Veränderungen ("Wir werden uns mit Sicherheit von einigen Leuten trennen") aber zum Bumerang werden. Die "Bild" brachte für Müller bereits den bisherigen Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff ins Spiel. Auch Werders Klaus Allofs wird gehandelt.

"Im Moment fallen wir aus dem Kellerfenster", klingt Präsident Josef Schnusenberg paradox wie konsterniert. "Wir sind ganz unten angekommen." Wie es wieder aufwärts gehen soll, sagt er nicht.

Stevens statt Rutten?

Mit dem bisherigen Führungspersonal scheint es eher unwahrscheinlich. Als Trainer wünschen sich die Fans Huub Stevens zurück. Rutten, seit Wochen mit dem fast immer gleichen Personal und stumpfem 4-3-3-System, hat offenbar verspielt.

Was die Partie gegen Berlin am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) nicht leichter macht: Trotz Rang drei ist die Atmosphäre auch bei Hertha vergiftet: Im UEFA-Cup ist das Aus nach dem 0:1 gegen Galatasaray Istanbul fast besiegelt.

Vor allem aber drückt der Machtpoker zwischen Dieter Hoeneß und Präsident Werner Gegenbauer. Der hatte dem Manager vorgeworfen, er nutze den Aufschwung von Hertha zur eitlen Selbstdarstellung: "Er hat Dieter-Hoeneß-Festspiele daraus gemacht."

Vorwurf an Hoeneß: Zu viele Alleingänge

Die Mitglieder-Basis im Klub wirft Hoeneß zudem viele Alleingänge in der Öffentlichkeit vor. Präsidiumsmitglied Klaus Brüggemann ließ via "Bild" verlauten: "Man muss aufpassen, dass es nicht eskaliert."

Immerhin Trainer Lucien Favre scheint raus aus dem Kreuzfeuer der Kritik, nachdem der Dauerkonflikt mit Problemstürmer Marko Pantelic vorerst mal wieder ruht. Und auch die Fans waren in Berlin zuletzt bester Stimmung.

Allerdings: Beim 0:1 gegen Galatasaray war die Mehrheit der knapp 63.000 im Olympia-Stadion türkisch.

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