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Mehmet Ekici (M.) absolvierte für seinen Ex- Verein 1. FC Nürnberg 32 Saisonspiele © getty

Werder Bremen will zurück nach oben - mit kleineren Mitteln und Hoffnungsträger Mehmet Ekici. Große Sorgen bereitet die Abwehr.

Von Martin Hoffmann

München - Der große Umbau an der Schaltzentrale des SV Werder Bremen hat Ende Mai bereits begonnen.

Der Eingangsbereich der Geschäftsstelle an der Franz-Böhmert Straße 1c wird neu hergerichtet.

Entstehen soll "ein großzügiger, kundenfreundlicher Empfang mit Mitgliederverwaltung und neuem Ticketcenter".

Eine Baumaßnahme, die passt zu dem, was Manager Klaus Allofs gerade mit dem Bremer Kader machen muss: Auch der soll nach einer missratenen Saison wieder kundenfreundlicher werden - ohne dass Allofs dabei aber großzügig sein kann.

Große Einschnitte

Bremen ist nach einer Katastrophenspielzeit im Neuaufbau, ebenso wie diverse andere Liga-Konkurrenten - die SPORT1 in der Serie "Raus aus den Krisen" unter die Lupe nimmt.

Hinter den Bremern liegt die schlimmste Saison der jeweils bald zwölfjährigen Amtszeit von Allofs und Trainer Thomas Schaaf. Eine Reihe bösartiger Pleiten, Abstiegsangst, Spekulationen, dass einer oder beide der langjährigen Vaterfiguren des SVW hinwerfen würde. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Am Ende wurde mit acht Spielen ohne Niederlage das Allerschlimmste verhindert - trotzdem hat die Krisenspielzeit große Einschnitte zur Folge.

Größere Ansprüche - Schmitz kommt

Die werden Werder schon allein deshalb aufgezwungen, weil zum ersten Mal seit zehn Jahren die Einnahmen aus dem internationalen Geschäft ausbleiben.

Mit verkleinertem Etat muss also ein neues Team komponiert werden, das gleichzeitige wieder höhere Ansprüche erfüllen soll.

Ob das klappt, hängt vor allem von der Frage ab, ob Allofs sein altes Markenzeichen reaktivieren kann: seine Nase für gute Transfers.

Einen neuen Linksverteidiger hat diese schon aufgespührt. Vom FC Schalke 04 wurde Lukas Schmitz verpflichtet. Der 22-Jährige kostet rund eine Million Euro Ablöse.

Ekici auf Diegos Pfaden

Allofs Nase war jahrelang Werders Erfolgsgarant, schien zuletzt aber die Witterung verloren zu haben, mit der es einst Micoud, Diego, Özil, Ismael und Pizarro aufspürte.

Das große Comeback der Supernase soll nun Mehmet Ekici verkörpern, das deutsch-türkische Spielmacher-Talent vom FC Bayern, das zuletzt im Leihjahr beim 1. FC Nürnberg seine Anlagen unter Beweis stellte.

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Als "neuen Özil" kündigte der Boulevard den 20-Jährigen gleich mal gegen dessen Wunsch an.

Auch Allofs erlaubt lieber einen anderen Vergleich: "Mesut war kein Spielmacher", erinnert er: Das sei Diego gewesen, und es "kann sein, dass er (Ekici) sich mal so entwickelt".

Fokus auf junge Spieler

Wie auch immer: Ekici soll im Mittelfeld die Kreativlücke abdichten, die Özil hinterlassen hat - was Aaron Hunt und Marko Marin nicht gelungen war.

Ebenfalls schon verpflichtet ist Rostocks defensiver U-18-Nationalspieler Tom Trybull.

Allofs' Blick ist vor allem auf junge Spieler gerichtet, die Werder eine langfristige Perspektive geben sollen.

Torsten Frings ist bekanntlich kein Teil dieser Perspektive mehr. Der alte Leitwolf musste gehen, ebenso Daniel Jensen und Jurica Vranjes (401913DIASHOW: Abschied von der Bundesliga).

Kein unbelasteter Neustart

Ganz unbelastet von den Problemen der Vorsaison kann Werder den Neustart aber nicht angehen.

Verletzungsprobleme speziell in der Abwehr beschäftigen die Bremer auch im Sommer noch: Die Dauerausfälle Naldo und Sebastian Boenisch werden auch zum Start der neuen Saison nicht oder nur eingeschränkt fit sein. Dasselbe gilt für Mertesacker und Sebastian Prödl.

Gerade deshalb wollte Werder dem schon verabschiedeten Petri Pasanen doch noch einen neuen Vertrag geben. Der Finne zieht aber einen Wechsel zu Red Bull Salzburg vor.

Bedarf in der Abwehr

Derzeit stehen mit Mikael Silvestre, Clemens Fritz und eben Schmitz nur drei gesunde Abwehrspieler zur Verfügung. Der Vertrag von Dominik Schmidt läuft am 30. Juni aus, eine Verlängerung steht noch aus.

Und auch bei Sokratis Papastathopoulos ziehen sich die Verhandlungen. Werder möchte den griechischen Innenverteidiger gerne ausleihen, die Gespräche mit dem FC Genua führten bislang aber noch nicht zum Erfolg.

Immerhin: Mit Kandidat Schmitz ist sich Werder laut "Syker Kreiszeitung" einig, das Geschäft mit Schalke könnte schon bald verkündet werden.

Banger Blick nach Südamerika

Mit bangem Blick wird Bremen im Sommer auch nach Südamerika schauen, wo der chronisch verletzungsanfällige Claudio Pizarro mit Peru an der Copa America teilnimmt ? womit er den großen Teil der regulären Saisonvorbereitung verpasst.

Und dann ist da noch die Frage, ob gewisse Hoffnungsträger mehr von ihrem Potenzial abrufen können: Spieler wie Marin, Hunt und Marko Arnautovic.

Interessant wird auch die Personalie Markus Rosenberg. Der Stürmer kehrt vom spanischen Erstligisten Racing Santander zurück an die Weser. Fragt sich nur, wie schnell sich der Schwede wieder ins veränderte Team integrieren wird.

Mertesacker und Wiese begehrt?

Ob alles funktioniert wie erhofft, werden einige Schlüsselakteure gespannt verfolgen: Mertesacker und Keeper Tim Wiese, deren Verträge 2012 auslaufen - ebenso wie die von Schaaf und Allofs.

Die Nationalspieler könnten also potenziell auf den Einkaufszetteln anderer Klubs stehen. Wiese wurde zuletzt mit dem VfL Wolfsburg in Verbindung gebracht, sollte Keeper Diego Benaglio sich dort verabschieden.

Der Geschäftsstellen-Eingang soll bis Mitte Juli im neuen Glanz erstrahlen. Ob es beim Bremer Kader genau so schnell geht, ist derzeit fraglich.

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